Werbung in KI-Antworten? Anthropic stichelt beim Super Bowl gegen OpenAI

von | 05.02.2026 | KI

Anthropic nutzt die größte Werbebühne der Welt, um eine klare Botschaft zu senden: In unserem KI-Chatbot Claude gibt es keine Werbung. Das ist ein direkter Seitenhieb gegen OpenAI – und der reagiert ziemlich dünnhäutig.

Der Super Bowl ist nicht nur das größte Sportereignis der USA, sondern auch die teuerste Werbeplattform der Welt. Millionen Menschen schauen zu – und genau dieses Publikum hat sich Anthropic jetzt geschnappt, um eine ziemlich clevere Kampagne zu starten. Die Botschaft: „Ads are coming to AI. But not to Claude.“ Auf Deutsch: Werbung zieht in KI ein – aber nicht bei uns.

Vier Clips, eine Botschaft

Anthropic hat gleich vier jeweils einminütige Werbespots produziert. Das Konzept ist simpel, aber wirkungsvoll: In jedem Clip unterhalten sich zwei Menschen. Einer davon stellt offensichtlich eine KI dar – erkennbar an den kleinen Denkpausen und den auffallend perfekt formulierten Antworten. Und dann passiert es: Mitten im Gespräch schiebt die „KI-Person“ plötzlich Produktwerbung ein. Mal mehr, mal weniger subtil. Das Gegenüber reagiert irritiert und verwirrt.

Die Pointe sitzt: Am Ende erscheint der Satz „Werbung zieht in KI ein, aber nicht in Claude.“ Ohne OpenAI beim Namen zu nennen, ist völlig klar, wer gemeint ist. Denn OpenAI hat bereits angekündigt, noch in diesem Monat Werbeanzeigen in ChatGPT einzubauen. Und genau das nutzt Anthropic jetzt für einen ordentlichen Seitenhieb.

Werbung kommt zu KI, aber nicht zu Claude.

Sam Altman schreibt einen Aufsatz – und erntet Spott

Wie hat OpenAI-Chef Sam Altman reagiert? Mit Humor? Leider nein. Stattdessen hat er auf X (ehemals Twitter) einen über 400 Wörter langen Text verfasst, in dem er die Werbespots als irreführend zurückweist. Seine Argumentation: Natürlich werde man bei ChatGPT keine Werbung direkt in die KI-Antworten einbauen. Man sei doch nicht dumm und wisse, dass die Nutzer das ablehnen würden.

Dann holte Altman noch weiter aus: Anthropic könne sich die Werbefreiheit nur leisten, weil das Unternehmen ein teures Produkt für reiche Leute anbiete. OpenAI hingegen wolle KI-Werkzeuge auch denjenigen zugänglich machen, die sich kein Premium-Abo leisten können. Dafür brauche man eben Werbeeinnahmen. Außerdem sei Anthropic autoritär, weil es kontrolliere, was Menschen mit seinen Tools machen dürfen.

Das Internet reagierte prompt – und ziemlich amüsiert. Der treffendste Kommentar: „Antworte niemals auf spielerischen Humor mit einem Aufsatz.“ Altman hat sich mit seiner langen, ernsten Reaktion auf eine humorvolle Kampagne nicht unbedingt einen Gefallen getan.

Whatsapp führt Werbung ein
Whatsapp führt Werbung ein

Die große Debatte: Werbung in KI – ja oder nein?

Hinter dem Schlagabtausch steckt eine Grundsatzfrage, die die gesamte KI-Branche beschäftigt: Wie finanziert man KI-Dienste, die Milliarden an Rechenleistung verschlingen? OpenAI setzt auf ein gemischtes Modell: Es gibt kostenpflichtige Premium-Abos, aber eben auch eine kostenlose Variante, die sich künftig über Werbung finanzieren soll.

Anthropic geht einen anderen Weg und verspricht: Keine Werbung in Claude. Punkt. Und Anthropic steht damit nicht allein: Auch Google hat kürzlich betont, dass sein KI-Chatbot Gemini werbefrei bleibt. Die Frage ist nur: Wie lange hält dieses Versprechen, wenn die Kosten weiter steigen?

Warum das für euch wichtig ist

Stellt euch mal vor, ihr fragt eure KI nach einer Empfehlung für ein gutes Buch – und die Antwort enthält dezent platzierte Werbung für einen bestimmten Online-Buchhändler. Oder ihr lasst euch beim Kochen helfen, und plötzlich empfiehlt die KI eine ganz bestimmte Gewürzmarke. Klingt absurd? Genau das könnte Realität werden, wenn Werbung in KI-Antworten Einzug hält.

Das Problem liegt auf der Hand: KI-Chatbots wirken wie neutrale, objektive Berater. Wenn da plötzlich bezahlte Inhalte einfließen, ohne dass es klar gekennzeichnet ist, wird es richtig problematisch. Denn im Gegensatz zu einer Google-Suche, wo Anzeigen als solche markiert sind, verschwimmt bei KI-generierten Antworten die Grenze zwischen echtem Rat und bezahlter Empfehlung.

Der Super Bowl als Statement

Dass Anthropic ausgerechnet den Super Bowl für diese Kampagne wählt, ist kein Zufall. Am Sonntag treffen in Santa Clara die Seattle Seahawks auf die New England Patriots – und Millionen schauen weltweit zu. Die Werbeplätze gehören zu den teuersten überhaupt, viele große Konzerne lassen eigens für diesen Anlass Spots produzieren. Dass jetzt auch ein KI-Unternehmen in diesem Umfeld mitmischt, zeigt, wie groß der Kampf um die Vorherrschaft bei der künstlichen Intelligenz inzwischen geworden ist.

Eines muss man Anthropic lassen: Die Kampagne ist clever. Statt mit technischen Features zu werben, trifft man einen Nerv, der viele Menschen bewegt. Denn am Ende will niemand, dass die eigene KI zum Werbekanal wird. Und Sam Altmans überlange Reaktion? Die hat der Kampagne nur noch mehr Aufmerksamkeit beschert. Klassischer Streisand-Effekt.

Die Frage, die bleibt: Werden wir in Zukunft bei jeder KI-Antwort überlegen müssen, ob sie uns wirklich den besten Rat gibt – oder ob jemand dafür bezahlt hat?