Apples Smartwatch misst den Puls, das iPhone trackt jeden Schritt, und wer Health-Apps oder Fitness-Tracker nutzt, sammelt täglich unzählige Gesundheitsdaten. Diese galten lange als privat und sicher im eigenen Gerät gespeichert. Doch Apple hat längst Begehrlichkeiten entwickelt – und andere Tech-Giganten ziehen nach. Was mit euren intimsten Daten passiert, solltet ihr unbedingt wissen.
Gesundheitsdaten sind die persönlichsten Informationen überhaupt. Während wir uns längst daran gewöhnt haben, dass Tech-Konzerne fast alles über uns sammeln – von Standortdaten bis zu Shopping-Gewohnheiten – waren Gesundheitsdaten bisher eine Art letzte Bastion der Privatsphäre. Diese Zeiten sind vorbei.
Apple war einer der Vorreiter: Seit iOS 10 (2016) fragt die Health-App nach der Erlaubnis, Fitnessdaten an Apple zu übertragen. Angeblich nur anonymisiert und zur Verbesserung der Health-Funktionen. Heute, acht Jahre später, ist daraus ein gigantisches Geschäft geworden.

Health-Daten als Milliardenmarkt
Was damals als harmlose Datensammlung zur Produktverbesserung begann, ist heute ein Milliardengeschäft. Apple Health+ kostet mittlerweile monatlich Geld, Google Fit ist in Wear OS integriert, und Amazon hat mit Halo sogar einen eigenen Fitness-Tracker entwickelt (der allerdings 2023 wieder eingestellt wurde – die Daten bleiben trotzdem bei Amazon).
Die Apple Watch Series 9 und Ultra 2 messen nicht nur Puls und Schritte. Sie erfassen Blutsauerstoff, erstellen EKGs, messen die Hauttemperatur und erkennen sogar Stürze oder unregelmäßige Herzrhythmen. Googles Pixel Watch 2 kann ähnliches, Samsungs Galaxy Watch6 misst zusätzlich die Körperzusammensetzung.
Alle diese Daten landen in den jeweiligen Cloud-Systemen der Anbieter. Apple verspricht zwar Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Health-Daten in iCloud, aber das gilt nur, wenn ihr die erweiterte Datensicherung aktiviert habt – was viele User gar nicht wissen.

KI macht Gesundheitsdaten noch wertvoller
Warum sind Tech-Konzerne so scharf auf unsere Gesundheitsdaten? Künstliche Intelligenz macht sie extrem wertvoll. ChatGPT kann bereits medizinische Fragen beantworten, Googles Med-PaLM 2 erreicht bei medizinischen Prüfungsfragen Experten-Niveau, und Apples neue Health-KI (angekündigt für 2026) soll personalisierte Gesundheitsempfehlungen geben.
Dafür brauchen die KI-Systeme Trainingsdaten – massenweise. Je mehr echte Gesundheitsdaten zur Verfügung stehen, desto besser werden die Algorithmen. Apple betreibt tatsächlich eines der größten Fitness-Labore der Welt in Cupertino, wo freiwillige Probanden getestet werden. Aber das reicht längst nicht mehr.
Die wirklich wertvollen Daten kommen von Millionen Usern weltweit, die täglich ihre Smartwatches tragen. Diese Daten verraten nicht nur, wie fit jemand ist, sondern können Krankheiten vorhersagen, bevor Symptome auftreten.
Datenschutz vs. medizinischer Fortschritt
Hier wird es kompliziert: Einerseits ermöglichen gesammelte Gesundheitsdaten medizinische Durchbrüche. Die Apple Heart Study mit über 400.000 Teilnehmern hat tatsächlich Leben gerettet, indem sie Vorhofflimmern früh erkannte. Googles KI kann auf Netzhautfotos Diabetes-Schäden erkennen, bevor Ärzte sie sehen.
Andererseits entstehen massive Risiken: Was passiert, wenn Versicherungen Zugriff auf diese Daten bekommen? Wenn Arbeitgeber wissen, wer gesundheitliche Probleme hat? Wenn Regierungen die Daten für Überwachung nutzen?
In den USA gibt es bereits Fälle, wo Fitness-Tracker-Daten vor Gericht verwendet wurden. In China ist das Social Credit System teilweise an Gesundheitsdaten gekoppelt. Und selbst in Europa, wo die DSGVO eigentlich schützt, gibt es Lücken.
Was könnt ihr tun?
Erstens: Überprüft eure Einstellungen. In iOS findet ihr unter „Datenschutz & Sicherheit“ > „Analyse & Verbesserungen“ die Option „iPhone-Analyse teilen“. Schaltet das aus, wenn ihr keine Health-Daten übertragen wollt. Bei Android geht das unter „Google“ > „Nutzung und Diagnose“.
Zweitens: Nutzt lokale Alternativen. Apps wie „Health CSV Importer“ oder „MyFitnessPal“ (mit lokaler Speicherung) vermeiden Cloud-Upload. Fitness-Tracker von Garmin oder Polar bieten oft mehr Datenkontrolle als die großen Tech-Konzerne.
Drittens: Lest die Datenschutzerklärungen eurer Health-Apps. Viele verkaufen Daten an Pharma-Unternehmen oder Versicherungen – völlig legal, wenn ihr zugestimmt habt.
Die Zukunft: Noch mehr Daten
Die Entwicklung geht weiter: Apple arbeitet an nicht-invasiver Blutzuckermessung, Google entwickelt Kontaktlinsen für Diabetiker, und Amazon patentiert Ohrhörer, die Gesundheitswerte messen. Bald werden noch intimere Daten gesammelt.
Gleichzeitig verschärft sich die Regulierung. Die EU plant ein „Digital Health Act“, der Gesundheitsdaten besonders schützen soll. In Deutschland arbeitet das Bundesgesundheitsministerium an strengeren Regeln für Health-Apps.
Das Fazit: Gesundheitsdaten können Leben retten, aber nur wenn wir die Kontrolle darüber behalten. Informiert euch, was eure Geräte sammeln, und entscheidet bewusst, welche Daten ihr teilen wollt. Denn einmal in der Cloud, sind sie schwer zurückzuholen.
Zuletzt aktualisiert am 07.04.2026
