Wohin mit alten, nicht mehr benötigten Handys oder Smartphones? Viele verkaufen sie weiter, verschenken sie oder entsorgen die Geräte einfach. Allerdings sollte man die Geräte auch entsprechend vorbereiten. Ein IT-Sicherheit spezialisierter Anbieter hat probeweise 20 Altgeräte bei eBay gekauft. Alle Verkäufer gaben an, sie hätten die Daten vom Gerät entfernt.
Doch mit handelsüblicher Software und wenig Aufwand ließen sich viele der Daten rekonstruieren. Das Team konnte auf den 20 Geräten mehr als 40.000 Fotos rekonstruieren, darunter 1500 Familienfotos mit Kindern sowie 750 Fotos mit nackter Haut. Auch Kontakte, E-Mails und SMS-Nachrichten konnten wieder sichtbar gemacht werden.
Die Lage hat sich dramatisch verschärft
Was 2014 schon problematisch war, ist heute noch brisanter geworden. Smartphones enthalten mittlerweile ungleich mehr sensible Daten: Banking-Apps mit biometrischen Zugängen, Gesundheitsdaten, Standortverläufe, Messenger-Chats mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und unzählige private Dokumente. Eine aktuelle Studie der Universität Cambridge zeigte 2025, dass 78% aller verkauften Gebrauchtgeräte noch verwertbare Datenreste enthalten.
Warum normales Löschen nicht reicht
Viele denken, ein Factory Reset oder das Löschen von Dateien würde ausreichen. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Beim normalen Löschen werden nur die Verweise auf die Dateien entfernt, nicht die Daten selbst. Sie bleiben physisch auf dem Speicher und lassen sich mit spezieller Software rekonstruieren – auch Jahre später noch.
Moderne Smartphones verwenden zwar Flash-Speicher statt Festplatten, aber auch hier können Datenreste in versteckten Bereichen überdauern. Besonders tückisch: Viele Android-Geräte verschlüsseln zwar standardmäßig, aber nutzen schwache Schlüssel, die sich knacken lassen.
So löscht ihr eure Daten wirklich sicher
Bei modernen iOS-Geräten (iPhone ab 3GS) ist die Sache relativ einfach: Apple verwendet standardmäßig eine Hardware-Verschlüsselung. Ein Factory Reset über die Einstellungen genügt meist, da dabei der Verschlüsselungsschlüssel gelöscht wird. Zusätzliche Sicherheit bringt es, vor dem Reset das Gerät komplett mit neuen Daten zu überschreiben.
Android-Nutzer haben es schwerer. Hier solltet ihr folgende Schritte befolgen:
- Vollverschlüsselung aktivieren: Falls noch nicht geschehen, verschlüsselt das Gerät komplett über die Sicherheitseinstellungen
- Starkes Passwort setzen: Mindestens 12 Zeichen mit Zahlen und Sonderzeichen
- Daten überschreiben: Füllt den Speicher mit harmlosen Daten (große Videos, Musik)
- Factory Reset durchführen: Mehrfach hintereinander
- Spezialsoftware nutzen: Apps wie „Secure Wipe“ oder „iShredder“ überschreiben kritische Bereiche mehrfach
Cloud-Dienste und Backups nicht vergessen
Ein oft übersehener Punkt: Auch wenn das Gerät sauber ist, können eure Daten noch in Cloud-Diensten schlummern. Überprüft Google Drive, iCloud, Dropbox und Co. Löscht alte Geräte-Backups und meldet das Smartphone aus allen verbundenen Diensten ab.
Besonders wichtig: Zwei-Faktor-Authentifizierung umstellen. Falls das alte Handy als zweiter Faktor für wichtige Accounts diente, müsst ihr diese Verbindung vor dem Verkauf kappen und auf ein neues Gerät übertragen.
Hardware-Verschlüsselung vs. Software-Verschlüsselung
Moderne Flaggschiff-Smartphones setzen auf Hardware-Verschlüsselung durch spezielle Chips (wie Apples Secure Enclave oder Qualcomms Secure Processing Unit). Diese sind deutlich schwerer zu knacken als reine Software-Lösungen. Günstige Android-Geräte nutzen oft nur Software-Verschlüsselung, die anfälliger ist.
Wer ein älteres oder günstiges Gerät verkauft, sollte daher besonders vorsichtig sein und mehrfach überschreiben. Bei besonders sensiblen Daten ist sogar die physische Zerstörung des Speichers eine Option.
Professionelle Hilfe und Tools
Für Unternehmen oder Nutzer mit besonders kritischen Daten gibt es professionelle Löschdienste. Diese verwenden militärgrade Software und können zertifizierte Löschprotokolle ausstellen. Kostenpunkt: meist zwischen 50 und 200 Euro pro Gerät.
Alternativ bieten manche Handy-Hersteller mittlerweile eigene sichere Löschfunktionen an. Samsung Knox oder Huaweis EMUI haben spezielle Wipe-Modi, die auch versteckte Partitionen erfassen.
Fazit: Sicherheit geht vor Bequemlichkeit
Ein Altgerät sicher zu löschen kostet Zeit und Aufwand. Aber angesichts der Datenmenge, die heute auf Smartphones liegt, ist diese Investition unverzichtbar. Wer nachlässig löscht, riskiert nicht nur peinliche Privatfotos, sondern auch Identitätsdiebstahl und finanzielle Schäden.
Die gute Nachricht: Bei neueren Geräten wird es einfacher. Hardware-Verschlüsselung und bessere Factory-Reset-Funktionen machen das sichere Löschen zum Standard. Aber Vorsicht ist nach wie vor die Mutter der Porzellankiste.
Zuletzt aktualisiert am 18.04.2026

