Nach 27 Jahren ist endgültig Schluss: Der Internet Explorer ist Geschichte. Microsoft stellte 2022 den Support ein, doch die Auswirkungen prägen die Browser-Landschaft bis heute. Was ihr über das Ende des einst dominierenden Browsers wissen müsst – und warum sein Erbe noch immer nachwirkt.
Als Mitte der 90er Jahre das Internet populärer wurde, entwickelte Microsoft den Internet Explorer (IE) als Standard-Browser für Windows. Seit Windows 95 gehörte der IE so selbstverständlich zu Windows wie das Startmenü – eine Ära, die im Juni 2022 endgültig zu Ende ging.
Microsoft musste sich damals einigen Spott anhören: Bill Gates hielt das Internet lange für wenig wichtig und verzögerte entsprechende Entwicklungen. Erst relativ spät setzte der Software-Gigant aufs Internet – mit dramatischen Folgen für die gesamte Branche.
Seit Windows 95 ist der Internet Explorer dabei
Von Windows 95 bis zum bitteren Ende
Bis Windows 10 war der Internet Explorer auf jedem Windows-Rechner vorinstalliert. Erst mit Windows 11 verzichtete Microsoft komplett auf den IE und setzte nur noch auf Edge – allerdings mit einem zuschaltbaren IE-Kompatibilitätsmodus für legacy-Anwendungen.
Der sogenannte „Browser-Krieg“ der späten 90er und frühen 2000er Jahre war brutal: Internet Explorer gegen Netscape Navigator, später gegen Firefox, Opera und schließlich Chrome. Durch die Marktdominanz von Windows erreichte der IE zeitweise über 95% Marktanteil – ein digitales Monopol mit weitreichenden Folgen.
Kartellrecht und Verbraucherschutz
Die aggressive Marktdurchdringung führte zu einem historischen Kartellrechtsprozess gegen Microsoft. Das Urteil verpflichtete das Unternehmen, anderen Browsern fairen Zugang zu gewähren – ein Meilenstein für den digitalen Verbraucherschutz, der bis heute nachwirkt.
Ab diesem Zeitpunkt begann der schleichende Abstieg des IE. Firefox gewann durch seine Open-Source-Philosophie und bessere Sicherheit schnell an Boden. Später übernahm Google Chrome die Führungsrolle – eine Position, die Chrome bis heute mit über 65% Marktanteil behauptet.

Der Internet Explorer hatte zeitweise über 90% Marktanteil
Sicherheitsprobleme als Dauerthema
Der Internet Explorer war berüchtigt für Sicherheitslücken. Die weite Verbreitung machte ihn zum Hauptziel für Cyberangriffe, Malware und Datendiebstahl. Regelmäßige Sicherheitsupdates konnten das Vertrauen nie vollständig wiederherstellen.
Diese Sicherheitsprobleme waren ein Hauptgrund für den Aufstieg alternativer Browser. Firefox, Chrome und Safari punkteten mit moderneren Sicherheitskonzepten, automatischen Updates und transparenter Entwicklung.
Das Ende einer Ära – und was danach kam
Im Januar 2020 stellte Microsoft die Weiterentwicklung des IE ein. Ab dem 15. Juni 2022 endete auch der offizielle Support – das endgültige Aus nach 27 Jahren.
Doch das IE-Erbe lebt weiter: Viele Unternehmensanwendungen und Legacy-Systeme sind noch immer auf IE-Technologien angewiesen. Microsoft Edge bietet deshalb weiterhin einen IE-Modus für kritische Business-Anwendungen – allerdings mit begrenzter Laufzeit.
Der neue Browser Edge soll ein würdiger Nachfolger sein
Microsoft Edge: Der wahre Nachfolger
Microsoft Edge basiert seit 2020 auf Chromium – derselben Open-Source-Engine wie Google Chrome. Diese Entscheidung war ein Eingeständnis: Microsofts eigene Browser-Engine Trident/EdgeHTML konnte nicht mehr mithalten.
Edge hat sich mittlerweile als solider Browser etabliert und erreicht weltweit etwa 5% Marktanteil. Features wie integrierter Passwort-Manager, Shopping-Assistent und umfangreiche Privacy-Einstellungen machen Edge zu einer echten Alternative.
Was IT-Administratoren beachten müssen
Für Unternehmen bedeutete das IE-Ende massive Umstellungen. Viele interne Webanwendungen, ERP-Systeme und Unternehmens-Tools waren ausschließlich für den IE entwickelt. Der Migrationsprozess kostete Millionen und dauert in manchen Organisationen bis heute an.
Microsoft bietet mit dem IE-Modus in Edge eine Übergangslösung – allerdings nur bis 2029. Danach müssen alle legacy-Anwendungen modernisiert oder ersetzt werden.
Lehren aus der IE-Ära
Der Internet Explorer lehrte die Branche wichtige Lektionen über Browser-Standards, Sicherheit und Marktdominanz. Sein Fall zeigt, wie schnell sich technische Landschaften ändern können – und warum offene Standards und kontinuierliche Innovation überlebenswichtig sind.
Heute dominiert zwar Chrome den Markt, doch Browser wie Firefox, Safari und Edge sorgen für gesunden Wettbewerb. Das ist gut für Nutzer und die Weiterentwicklung des Webs.
Der Internet Explorer mag Geschichte sein, aber sein Einfluss auf die digitale Welt bleibt unvergessen. Er war Pionier, Monopolist und Warnung zugleich – eine komplexe Erbschaft für das moderne Internet.
Zuletzt aktualisiert am 21.02.2026
