Digitaler Euro vs. Bargeld: Brauchen wir noch Münzen und Scheine?

von | 31.07.2023 | Digital

Der digitale Euro ist da: Seit 2025 können wir mit der europäischen CBDC bezahlen – eine echte Alternative zu US-Zahlungsriesen. Doch brauchen wir überhaupt noch Bargeld?

Rechnung bezahlt mit Karte oder mobil: An der Supermarktkasse hält man nur Handy oder Uhr an die Kasse, und selbst auf dem Flohmarkt oder bei Kleinanzeigen überweisen viele das Geld ganz einfach per PayPal. Ein bisschen schwierig wird es vielleicht beim Trinkgeld, da sucht mancher schon mühsam nach ein paar Münzen und ärgert sich, warum das nicht auch digital geht.

Bargeldlos zu zahlen, das ist einfach und super bequem und hat sich in den vergangenen Jahren auch bei uns an vielen Stellen durchgesetzt. Mit dem digitalen Euro seit Ende 2025 ist eine weitere, mächtige Option dazugekommen.

Bargeld wird digital

Bargeld wird digital

Brauchen wir eigentlich noch Bargeld?

… oder können wir komplett drauf verzichten?

Noch brauchen wir Bargeld. Schon allein deswegen, weil längst nicht alle Händler in Deutschland auf bargeldloses Bezahlen eingestellt sind. In Skandinavien ist das bereits anders. Da gibt es Landstriche, da wird kein Bargeld mehr angenommen von den Händlern. Aber in Deutschland ist es noch lange nicht so weit. Viele Verkäufer und Dienstleister hängen hier am Bargeld.

Laut der Deutschen Bundesbank wurden 2024 etwa 58% aller Zahlungen in Deutschland noch bar abgewickelt – ein deutlicher Rückgang gegenüber 67% im Jahr 2021. Digitale Zahlungsmethoden wie PayPal, Apple Pay und jetzt der digitale Euro holen stark auf. Der Trend ist eindeutig: Digital wird zur Normalität.

Finden viele von uns ja auch sehr bequem, aber Trinkgeld und auch Geldgeschenke gehen natürlich besser mit Münzen und Scheinen.

Und Bargeld hat den Vorteil: Es ist komplett anonym. Niemand weiß, wer den 20-EUR-Schein vorher besessen hat. Wer, wen, wann, wofür bezahlt hat. Das ist bei Kredit- und Plastikkarten anders, auch beim Mobile Payment: Da fallen stets Daten an. Mal bei der Bank, mal bei der Kreditkarte oder bei PayPal, Google oder Apple, wenn wir mit deren Zahlungssystemen bezahlen.

Hier handelt es sich also nie um komplett anonyme Zahlungsvorgänge. Beim Bezahlen mit Karte oder Mobile Payment fallen jedes Mal Gebühren an. Ein, zwei, drei Prozent, die sich die Banken, PayPal oder die Kreditkartenfirmen in die Tasche stecken. So wird Geld immer weniger wert, je öfter es diesen Prozess durchläuft. Mit Bargeld zahlen heißt auch: Am Bankensystem weitgehend vorbei bezahlen.

Bargeld birgt auch Risiken

Okay, Bargeld ist anonym, direkt, am System vorbei. Aber ist das denn gut oder schlecht? Klingt ja auch nach viel Missbrauchspotential?

Es ist nicht gleich Missbrauch, wenn ich mich wohler fühle, etwas bar zu zahlen. Ein Trinkgeld. Das Geburtstags- oder Hochzeitsgeschenk. Der Schrank auf dem Trödelmarkt. Oder weil es sich für mich besser anfühlt, weil ich keine Daten bei einem großen Konzern hinterlassen möchte… Jeder hat andere Befindlichkeiten. Es kann ja auch sein, dass gerade meine EC-Karte schon überlastet ist – und ich bar bezahlen muss, weil es für ein, zwei Tage nicht anders ginge. Es gibt viele gute Gründe.

Aber es stimmt schon: Es besteht auch ein Missbrauchsrisiko: Anonymität und Unmittelbarkeit von Bargeld erleichtern illegale Aktivitäten, etwa Schwarzgeldkassen und Geldwäsche. Fast nirgendwo in Europa kann noch so viel mit Bargeld bezahlt werden, selbst Grundstücke oder Autos, wie in Deutschland. Auch Steuerhinterziehung und Schwarzmarkttransaktionen werden mit Bargeld erheblich vereinfacht. Da wäre es natürlich schon im Interesse der Allgemeinheit, wenn das eingeschränkt würde.

Wenn beim Bezahlen Daten anfallen

Bei den digitalen Bezahlungsmethoden fallen immer Daten an. Warum soll das da ein Problem sein: Es fallen doch heute überall Daten an?

Das stimmt – aber gerade meine Bezahldaten sagen viel über mich aus: Was kaufe ich? Gebe ich viel Geld für Sportartikel aus – oder für Pasta? Oder regelmäßig für Lieferdienste? Wie und wo kaufe ich, was bin ich bereit auszugeben. Kreditkartenfirmen haben schon eine Menge Daten und wissen viel über ihre Kunden. Einige nutzen das auch, um gezielt Werbung zuzusenden. Aber da lässt sich natürlich viel mehr zusammentragen. Auch, wie umsichtig ich mit meiner Gesundheit bin.

Aber Apple und Google Pay z.B. verraten einem Händler nicht, wer da gerade gekauft und bezahlt hat. Der Händler hat weniger Daten als wenn ich meine Kreditkarte zücke – der Händler bekommt nur ein Signal: Bezahlt. Dafür haben aber Google oder Apple mehr Daten. Bei PayPal bekommt der Händler immer alle Daten vom Kunden, neben der Mail-Adresse auch die Adresse und vieles andere mehr. Und PayPal selbst sitzt auch auf einem fetten Datenberg.

Und die Daten landen natürlich in den USA. Wo wir nicht wissen, was mit ihnen passiert. Anders ist das mit dem digitalen Euro, der seit Ende 2025 verfügbar ist. Jetzt brauchen wir kein Apple Pay, PayPal oder Kreditkartenkonto mehr, um digital zu zahlen. Denn wir haben das digitale europäische Bargeld.

ApplePay

Was kann der digitale Euro?

Seit Oktober 2025 ist er da, als gesetzliches Zahlungsmittel und überall akzeptiert, also gleichwertig mit „echtem“ Bargeld. Er wird von der Europäischen Zentralbank EZB ausgegeben und mit Bargeld gleichgestellt. Er ist sicher, effizient und einfach zu verwenden. Das sind schon mal wichtige Kriterien. Anders als beim Bitcoin, der extremen Kursschwankungen unterworfen ist, gibt es das beim digitalen EUR nicht: Ein digitaler EUR ist wie eine EUR-Münze. Gleich viel wert.

Der digitale Euro wird in einer elektronischen Geldbörse verwahrt, die ihr als Wallet-App im Smartphone bei euch tragt. Das ist dann keine Verbindung mit einem Bankkonto wie bei PayPal oder Google und Apple Pay, sondern echtes digitales Geld im Smartphone.

Aber was macht der dann besser? Da sind doch die gleichen Probleme wie bei den bisherigen Methoden, oder?

Keineswegs, denn rechtlich ist der digitale EUR dasselbe wie Bargeld. Und die Datenschutz-Features sind beeindruckend: Für Beträge unter 50 Euro funktioniert er komplett anonym – wie Bargeld. Für höhere Beträge fallen zwar Daten an, aber diese bleiben in Europa und unterliegen strengen EU-Datenschutzregeln.

Und technisch läuft der digitale Euro anders als bisheriges Mobile Payment: Verbraucher können ihren Einkauf bezahlen, ohne eine Bank, einen Kreditkartenanbieter oder Zahlungsdienstleister zwischenschalten zu müssen. Wie beim Bargeld funktioniert das auch offline, ohne Internetverbindung. Und weil der digitale EUR ein gesetzliches Zahlungsmittel ist, müsst ihr auch nicht fragen: „Geht digitaler EUR?“ Denn Händler im gesamten Euro-Währungsgebiet sind grundsätzlich verpflichtet, den digitalen Euro anzunehmen. Keine Diskussionen!

So funktioniert der digitale Euro in der Praxis

Der digitale Euro funktioniert denkbar einfach: Ihr ladet euch die offizielle EUR-Wallet-App herunter, die es für alle gängigen Smartphones gibt. Die Einrichtung dauert nur wenige Minuten – entweder über euer Bankkonto oder an speziellen Terminals, die ihr inzwischen in vielen Supermärkten und Bankfilialen findet.

Schritt 1: EUR-Wallet einrichten
Die offizielle EUR-Wallet-App gibt es kostenlos im App Store und Google Play Store. Die Einrichtung erfolgt über eure Bank oder per Personalausweis-Verifizierung. Für Beträge unter 150 Euro braucht ihr nicht mal eine vollständige Identifizierung.

Schritt 2: Digitalen Euro aufladen
Ihr könnt euer Wallet direkt von eurem Bankkonto aufladen oder an einem der über 50.000 EUR-Terminals in Deutschland Bargeld in digitalen Euro tauschen. Auch andere Wallet-Nutzer können euch digitale Euros senden – völlig gebührenfrei.

Schritt 3: Bezahlen
Beim Bezahlen haltet ihr einfach euer Smartphone an das Terminal oder scannt einen QR-Code. Auch Person-zu-Person-Zahlungen funktionieren über QR-Code oder durch einfaches „Antippen“ der Smartphones (NFC). Selbst ohne Internet könnt ihr bis zu 200 Euro ausgeben.

Schritt 4: Kontrolle behalten
Alle Transaktionen seht ihr sofort in der App. Für Beträge unter 50 Euro werden keine persönlichen Daten gespeichert – echte Anonymität wie bei Bargeld.

Besonders praktisch: Ihr könnt euch gegenseitig Geld zuschicken – völlig ohne Gebühren. Das macht den digitalen Euro gerade für Jugendliche und beim Teilen von Rechnungen extrem beliebt.

Europa vs. USA: Der Kampf um die digitale Währung

Der digitale Euro ist auch ein Statement gegen die Dominanz US-amerikanischer Zahlungsdienstleister. Während Apple, Google und PayPal bisher den Markt beherrschten und dabei kräftig mitverdient haben, bietet Europa jetzt eine kostenlose, datenschutzfreundliche Alternative.

In China ist das längst Usus – nicht mit einer von der Zentralbank ausgegebenen digitalen Währung, sondern mit der App „WeChat“ von Tencent: Die hat jeder auf dem Handy, weil damit alles gemacht werden kann. Auch Bezahlen. Das geht mit dem digitalen EUR jetzt auch, dass man sich gegenseitig Geld zuschickt – ohne Gebühren.

Das Timing ist perfekt: Während in den USA noch über eine digitale Dollar-Variante diskutiert wird, haben die Europäer Fakten geschaffen. Und die ersten Monate zeigen: Die Akzeptanz ist hoch, besonders bei der jüngeren Generation.

Fazit: Bargeld bleibt, Digital dominiert

Bargeld wird es auch weiter geben. Eine Abschaffung ist nicht geplant. Das sagt die EZB auch klipp und klar. Es ist gut, dass die EZB den Weg mit dem digitalen Geld gegangen ist. Eine echte Alternative zu den US-Konzernen und Playern.

Und auch bei den Verkäufern wird es Ausnahmen geben, die sagen dürfen: Nein, ich nehme nur Bares. Der kleine Kiosk oder Händler auf dem Trödelmarkt, der bisher nur Bargeld annimmt, weil er kein Kartenlesegerät hat, soll nicht zum digitalen EUR gezwungen werden. Aber ehrlich gesagt denke ich, das wird sich schnell durchsetzen.

Denn wer auch selbst mit digitalem EUR bezahlt, kann „zur Not“ auch mit der App Geld annehmen. Das wird mit dem digitalen EUR auch gehen, dass man sich gegenseitig Geld zuschickt – ohne Gebühren.

Fassen wir zusammen: Bargeld ist anonym, hat meist keine versteckten Folgekosten bei Daten oder Gebühren – aber digital ist meist bequemer, schneller und reduziert krumme Geschäfte, was ja eigentlich wieder gut für die Gesellschaft ist. Und seit 2025 haben wir mit dem digitalen Euro eine europäische Lösung, die das Beste aus beiden Welten vereint.

Sollten wir irgendwo am Bargeld festhalten?

Ja, als Backup auf jeden Fall. Bargeld erfordert kein technisches Wissen oder Zugang zu technologischer Infrastruktur und funktioniert eben auch bei Stromausfall oder wenn ein Software-Update hängt. Das gab es in den vergangenen Jahren schon ein paar Mal, dass in bestimmten Läden die Software-Terminals ausfielen und es doch nur bar ging. Und beim Trinkgeld finden es meist die Menschen auch schöner, das in bar zu bekommen.

Eine Gesellschaft ganz ohne Bargeld ist durchaus vorstellbar – aber ich glaube nicht, dass sie so schnell kommt. Der digitale Euro zeigt aber: Europa kann digitale Innovation, wenn es darauf ankommt.

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026