Das Faxgerät ist in vielen deutschen Arztpraxen noch immer Alltag. Rezepte, Befunde, Überweisungen – alles läuft oft über die piepsende Kiste aus den 80ern. Laut Medienberichten soll damit bis 2029 endgültig Schluss sein. Das Fax soll aus dem Gesundheitswesen verschwinden, die elektronische Patientenakte (ePA) soll zum zentralen Drehkreuz für Gesundheitsdaten werden.
Offiziell bestätigt ist dieser Zeitplan bislang nicht – aber die Richtung ist klar: mehr Digitalisierung, weniger Papier, weniger Analogtechnik. Was das konkret für euch als Patientinnen und Patienten bedeutet, wie die ePA funktioniert und wo die Baustellen liegen, schauen wir uns hier an.
ePA-Einführung 2029: Das ist konkret geplant
Nach Berichten aus der Branche soll das Faxgerät in Praxen, Kliniken und Apotheken schrittweise abgelöst werden. Als Ziel wird das Jahr 2029 genannt. Bis dahin sollen sichere digitale Übertragungswege den Faxversand ersetzen – von der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) über das E-Rezept bis zu Befunden und Arztbriefen.
Im Zentrum steht dabei die elektronische Patientenakte. Sie soll sich – so die Berichte – von einem reinen digitalen Aktenschrank zu einer Art vernetztem Gesundheitsdatenraum entwickeln. Ärztinnen, Kliniken, Apotheken und Patienten sollen über die Telematikinfrastruktur auf die gleichen Daten zugreifen können, natürlich mit klaren Berechtigungen.
Wichtig: Eine offizielle, verbindliche Verordnung mit dem Enddatum 2029 ist bislang nicht öffentlich beschlossen worden. Die Angaben stammen aus Fachberichten, nicht aus einer Bekanntmachung des Bundesgesundheitsministeriums. Es lohnt sich also, die weiteren politischen Schritte im Blick zu behalten, bevor man das Fax voreilig entsorgt.
Klar ist aber: Die ePA wurde im April 2025 bundesweit ausgerollt und ist seit Oktober 2025 für Ärztinnen und Ärzte verpflichtend. Gesetzlich Versicherte in Deutschland erhalten eine ePA von ihrer Krankenkasse.
Warum nutzt das Gesundheitswesen noch Faxgeräte?
Das Faxgerät galt lange als datenschutzrechtlich akzeptabler Kompromiss: Punkt-zu-Punkt-Verbindung, keine Zwischenspeicherung in der Cloud, jeder kann es bedienen. Das Problem: Moderne Faxe laufen längst über das Internet (Fax over IP). Der vermeintliche Sicherheitsvorteil ist damit weitgehend dahin.
Dazu kommt: Faxe sind fehleranfällig. Falsche Nummer, unleserlicher Ausdruck, verlorene Seiten – im Klinikalltag ist das ein reales Risiko. Ein digitaler, verschlüsselter Datenaustausch über die Telematikinfrastruktur ist strukturell überlegen, wenn er richtig umgesetzt wird.
Was bringt euch die elektronische Patientenakte?
Die ePA soll eure Gesundheitsdaten an einem Ort bündeln: Befunde, Laborwerte, Medikationsplan, Impfungen, Arztbriefe. Der große Vorteil: Wechselt ihr die Praxis oder landet in der Notaufnahme, müssen wichtige Infos nicht mühsam zusammengesucht werden. Doppeluntersuchungen und gefährliche Wechselwirkungen bei Medikamenten sollen so seltener werden.
Ihr habt dabei Kontrollmöglichkeiten. Über die App eurer Krankenkasse könnt ihr auf eure Akte zugreifen und Zugriffsrechte für Ärzte und Praxen steuern. Die genauen Funktionen können je nach Krankenkasse variieren – informiert euch am besten direkt bei eurer Kasse über den konkreten Funktionsumfang.
Konkret solltet ihr jetzt tun:
- Die ePA-App eurer Krankenkasse installieren und einrichten
- Euch mit der GesundheitsID oder per eGK anmelden
- Einstellungen prüfen und euch bei eurer Kasse über Zugriffsmöglichkeiten informieren
- Bei Fragen oder Bedenken: direkt mit eurer Krankenkasse Kontakt aufnehmen
ePA-Pflicht für Ärzte: Was Praxen umsetzen müssen
Für Ärztinnen, Ärzte und Praxisteams bedeutet der geplante Fax-Ausstieg vor allem eines: Prozesse müssen umgebaut werden. Die Praxisverwaltungssysteme (PVS) müssen ePA-fähig sein, Mitarbeitende geschult, Abläufe angepasst. KIM (Kommunikation im Medizinwesen) und TI-Messenger sollen dabei als sichere Kanäle für den direkten Austausch zwischen Leistungserbringern dienen.
Das ist Aufwand – und Kosten. Gerade kleinere Praxen ächzen ohnehin unter Bürokratie und Technikpflicht. Ohne funktionierende Software, stabile Anbindung an die Telematikinfrastruktur und praxistaugliche Bedienung wird der Umstieg zäh. Die Erfahrungen mit E-Rezept und eAU zeigen: Wenn es technisch hakt, leidet am Ende die Versorgung.
Datenschutz bei der ePA: Wie sicher sind eure Daten?
Die Chancen der Digitalisierung sind groß: bessere Versorgung, weniger Doppeluntersuchungen, schnellere Notfallinfos, eine solide Datenbasis für die medizinische Forschung. Der ePA-Ansatz kann Deutschland ein Stück näher an Länder wie Dänemark oder Estland bringen, die längst weiter sind.
Gleichzeitig sind Gesundheitsdaten die sensibelsten Daten überhaupt. Sicherheitsforscher haben in der Vergangenheit immer wieder auf Schwachstellen in der Telematikinfrastruktur hingewiesen. Ein zentraler Datenraum ist auch ein zentrales Angriffsziel. Verschlüsselung, Zugriffsprotokolle und regelmäßige Sicherheits-Audits sind daher keine Kür, sondern Pflicht.
Und noch etwas: Digitalisierung darf nicht ausschließen. Menschen ohne Smartphone, ohne digitale Erfahrung oder mit sprachlichen Hürden brauchen weiterhin Zugang zur ePA – über die Krankenkasse, Ombudsstellen oder Angehörige. Sonst entsteht eine Zwei-Klassen-Versorgung.
Digitale Patientenakte: Das Wichtigste im Überblick
Ob der Fax-Ausstieg wirklich exakt 2029 kommt, ist offiziell noch nicht besiegelt. Aber die Richtung stimmt: weg vom Papier, hin zu einer vernetzten, digitalen Versorgung mit der ePA als Rückgrat. Für euch heißt das: Beschäftigt euch jetzt mit eurer elektronischen Patientenakte. Schaut in die App eurer Kasse, informiert euch über die Funktionen und wendet euch bei Fragen an eure Krankenkasse.
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird kein Sprint, sondern ein Marathon mit Hürden. Verzögerungen, technische Pannen und politische Kurskorrekturen sind wahrscheinlich. Trotzdem: Der Abschied vom Fax ist überfällig. Wenn ePA, KIM und E-Rezept sauber ineinandergreifen, profitieren am Ende alle – Patienten, Praxen und ein System, das schon heute an vielen Stellen aus dem letzten Loch pfeift.
Quellen und Prüfstand
- Bericht: Vom digitalen Aktenschrank zum intelligenten Gesundheitsnetzwerk – KBS GmbH (kbs-leipzig.de)
Hinweis: Zu diesem Thema lag zum Redaktionsschluss keine offizielle Bestätigung der beteiligten Unternehmen vor. Die Angaben stützen sich auf Medienberichte.
Faktenprüfung: Alle überprüfbaren Aussagen wurden am 12.08.2026 automatisiert gegen die offiziellen Primärquellen abgeglichen. Stand des Artikels: 12.08.2026.