Facebooks Börsen-Gang: Erfolg oder Absturz?

Facebook ist jetzt an der Börse: Der Ausgabepreis lag bei 38 Dollar, noch über dem ursprünglich taxierten Wert von 35 Dollar. Zeitweise konnte das Papier am ersten Handelstag über 12 Prozent zulegen, am Ende war die Facebook-Aktie immer noch über ihrem Ausgabepreis. Das hatten viele gar nicht erwartet. Jetzt bekommt Facebook viel Geld in die Kassen gespült. Sind die Erwartungen zu hoch gesteckt oder legt Facebook jetzt erst richtig los?

Jetzt hat es Facebook also endlich geschafft: Das US-Unternehmen ist an der Börse – und dort auch gleich mit einem Paukenschlag gestartet: Erfolgreichster Börsengang eines Internetunternehmens aller Zeiten. Na, das kann sich doch sehen lassen…

Wieso ein so junges Internetunternehmen aber überhaupt über 100 Milliarden Dollar wert sein soll, mehr als drei deutsche Vorzeigeunternehmen wie Deutsche Bank, BMW und Adidas zusammen, das können viele einfach nicht verstehen, sprengt schlicht ihre Vorstellungskraft. Verständlich. Aber offensichtlich trauen viele Investoren Facebook in den nächsten Jahren tatsächlich ein gigantisches Wachstum zu. Möglich wär’s ja.

Allerdings muss sich Facebook dann jetzt mächtig anstrengen. Im ersten Quartal des Jahres sind die Gewinne erst mal zurückgegangen. Mit General Motors ist ein großer Werbekunde abgesprungen. Das klingt erst mal nicht nach einer Erfolgsstory. Die Investoren glauben trotzdem an die Kraft des Unternehmens. Oder besser: An die Kraft der Idee. Daran, dass sich die Menschen auch künftig gerne vernetzen, allen Diskussionen um mangelhaften Datenschutz zum Trotz – und dass Facebook damit prächtig verdient.

Über 16 Milliarden Dollar hat der Börsengang gebracht. Das Meiste davon fließt in die Firma. Die Kriegskasse ist prall gefüllt. Jetzt kann Facebook investieren, kann Firmen aufkaufen, die interessant sind und gut zur eigenen Strategie passen – wie noch vor einigen Wochen den Online-Fotodienst Instagram, der gleich mal eine Milliarde Dollar gekostet hat. Hier mal eine schicke Firma, dort man ein interessanter Onlinedienst: Facebook wird garantiert auf Einkaufstour gehen.

Solche Investitionen sind aber auch dringend nötig. Denn ab sofort muss Facebook wachsen, und zwar schnell. Gar nicht so einfach, denn es gibt noch eine Menge Defizite. Beispiel: Der Mobilbereich, er wächst derzeit am schnellsten. Hier passiert am meisten, hier wird künftig das große Geld verdient. Eigentlich scheint Facebook gut aufgestellt: Schon heute nutzt jeder zweite User auch die mobilen Dienste von Facebook. Allerdings macht Facebook nichts daraus. Bis heute gibt es auf Mobilgeräten keine Werbeanzeigen. Facebook verdient mit seinen mobilen Usern bislang keinen Cent. Eigentlich unglaublich. Ein großer Mangel – aber auch ein ungeheures Potenzial. Hier könnte Facebook mächtig aufholen.

Der Börsengang wird Facebook zweifellos verändern, das werden auch die User zu spüren bekommen. Denn ab sofort ist Geld verdienen Pflicht – jedes Quartal muss mehr Umsatz reinkommen. Das hat absurde Ideen zur Folge. So testet Facebook zum Beispiel gerade gebührenpflichtige Deluxe-Postings. Für ein, zwei Euro soll man seine Kommentare aufwerten können, damit sie aus der Masse herausragen. Auch bastelt Facebook an einem „App Center“, das schon bald starten soll. Hier könnten die User Apps kaufen – oder irgendwann auch andere Inhalte wie Musik, Filme oder Spiele. Es ist vieles denkbar, und ganz sicher wird sich Facebook nicht allein auf Anzeigenerlöse verlassen.

Facebook hat ein enormes Potenzial, daran kann kein Zweifel bestehen. Einen ernsthaften Konkurrenten gibt es nicht. Auch Google+ wird Facebook nicht einfach so verdrängen können. Sollten also die Menschen nicht plötzlich völlig die Lust daran verlieren, sich mit anderen online auszutauchen, und danach sieht es nun wirklich nicht aus, kann Facebook durchaus wachsen. Ob Facebook allen Erwartungen gerecht werden kann, wird sich zeigen. Aber auch Google hat man seinerzeit nicht das Wachstum zugetraut, das Google am Ende hingelegt hat. Im Internet ist eine Menge möglich. Sogar das schwer Vorstellbare.

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