Flüge mit dem Privatjet: Warum Taylor Swift einen Studenten verklagt

von | 09.02.2024 | Kurios

Ein 24-jähriger Student aus Florida trackt seit Jahren die Flugdaten von Prominenten wie Taylor Swift und Elon Musk – und macht sie öffentlich. Was als Tech-Projekt begann, ist zur brisanten Debatte über Privatsphäre, Klimaschutz und Datenfreiheit geworden. Die Promis wehren sich mit allen Mitteln.

Taylor Swift ist eine der bekanntesten Popkünstlerinnen aller Zeiten und hat in den letzten Jahren ihre Position als Kultikone weiter gefestigt. Ihre Eras Tour brach alle Rekorde, ihre Re-Recordings revolutionierten die Musikindustrie. Im Netz ist sie aber nicht nur wegen ihrer Talente ein Thema, sondern auch wegen ihrer Reisegewohnheiten. Ein US-Student veröffentlicht auf diversen Kanälen wie X (ehemals Twitter), Mastodon und Bluesky ganz genau, wann Swift wo hinfliegt. Mit ihrem Privatjet.

Das nervt die Künstlerin so sehr, dass ihre Anwälte dem Studenten gedroht haben, ihn zu verklagen. Was sich erst mal anhört wie eine Geschichte über einen Stalker ist bei genauerem Hinsehen ein sehr interessanter Fall über öffentlich zugängliche Daten, soziale Medien und Informationsfreiheit – der 2024 und 2025 neue Dimensionen erreicht hat.

Ein Student trackt die Flüge von Privatjets einiger Prominente Ein Student trackt die Flüge von Privatjets einiger Prominente

Jack Sweeney wird zum Aktivisten

Wie schafft es ein mittlerweile 24-jähriger Student aus Florida, einen Weltstar wie Taylor Swift aus dem seelischen Gleichgewicht zu bringen?

Jack Sweeney hat aus seiner ursprünglichen Leidenschaft eine Art Aktivismus gemacht: Er verfolgt akribisch die Flugreisen von prominenten Menschen wie Taylor Swift, aber auch Elon Musk – und veröffentlicht sie dann auf X, Mastodon, Bluesky und anderen Plattformen. Mittlerweile nutzt er auch KI-basierte Tools und moderne APIs, um die Datenerfassung zu automatisieren und noch präziser zu machen.

Er benutzt dazu kein Fernglas und versteckt sich auch nicht hinter Büschen, er ist auch kein Steward einer Fluglinie. Es ist viel einfacher, ja moderner: Er kennt die Privatmaschinen der Prominenten, deren offizielle Kennung, eine Art Nummernschild für Flugzeuge – und überwacht mit selbst programmierten Tools und Machine-Learning-Algorithmen die Flugbewegungen in Echtzeit.

Alle Flugzeuge sind mit einem Transponder ausgestattet. Die Flugdaten, etwa wann gestartet, wo gelandet, werden von der Federal Aviation Administration (FAA) gesammelt und können von jedem online abgerufen werden. Zusätzlich nutzt Sweeney heute auch Daten von FlightRadar24, OpenSky Network und anderen Quellen. Und schon sieht man: Die Taylor ist mit ihrem Falcon-Jet von Nashville nach London geflogen – wieder.

Swift eskaliert den Konflikt

Und das ärgert Promis wie Taylor Swift und Elon Musk so sehr, dass sie mit immer härteren Bandagen kämpfen.

Die Anwälte von Taylor Swift haben 2024 ihre Drohungen verschärft und werfen ihm vor, er gefährde nicht nur ihre Sicherheit, sondern auch die ihrer Familie und Fans. Durch die Veröffentlichung der Reisedaten wären potenzielle Stalker bestens informiert und könnten sich in Stellung bringen. Besonders brisant: Swift reiste 2024 häufig zu NFL-Spielen ihres Partners Travis Kelce, was zusätzliche mediale Aufmerksamkeit erzeugte.

Dieses Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Schließlich ist es nicht die Künstlerin selbst, die ihre Reisegewohnheiten öffentlich macht. Es ist der 24-jährige Student, der die Daten algorithmisch verarbeitet und so aufbereitet, dass jeder in Echtzeit sehen kann, wo sich Swift aufhält – und das könnte durchaus ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Gerichte haben bislang aber die Position gestärkt, dass Prominente mit der Nutzung öffentlicher Daten leben müssen. Ein Urteil aus 2025 in Kalifornien bestätigte: Solange die Daten aus öffentlichen Quellen stammen und nicht gehackt wurden, ist ihre Aufbereitung grundsätzlich legal. Der Student zieht sie aus öffentlichen APIs und bereitet sie leicht konsumierbar auf.

Taylor Swifts Bewegungen werden von Sweeney getrackt Taylor Swifts Bewegungen werden von Sweeney getrackt

Das Imperium wächst

Nun ist es aber keineswegs so, dass sich Jack Sweeney auf Taylor Swift eingeschossen hätte. Sein Tracking-Netzwerk ist mittlerweile zu einem regelrechten Überwachungssystem geworden.

Sweeney ist ein versierter Programmierer geworden. Er hat ein ganzes Netzwerk von Bots und KI-Systemen programmiert, die die Flugbewegungen von über 50 Privatjets prominenter Menschen verfolgen, darunter Mark Zuckerberg von Meta, Jeff Bezos von Amazon, Kim Kardashian, Donald Trump (besonders interessant seit seinem Comeback), Bill Gates und natürlich Elon Musk. Auf seiner erweiterten Webseite sind die Flugdaten aller Prominenten einsehbar – mit interaktiven Karten, Statistiken und sogar Vorhersage-Algorithmen.

Er postet die Routen nicht mehr nur auf Twitter/X und Mastodon, sondern auch auf Instagram Stories, TikTok (wo seine Videos viral gehen), Facebook, Bluesky, Threads und sogar auf Discord-Servern. Er sorgt wahrlich für maximale Verbreitung. 2025 startete er auch einen Newsletter und einen Podcast zum Thema „Celebrity Carbon Footprints“.

Ähnlich aggressiv wie Swift hat eigentlich nur Elon Musk reagiert, der trotz seiner Übernahme von Twitter/X und seinem Bekenntnis zur „absoluten Meinungsfreiheit“ eine Ausnahme macht, wenn es um seine eigenen Daten geht.

Auch Kerosinverbrauch und CO2 Ausstoß werden berechnet Auch Kerosinverbrauch und CO2 Ausstoß werden berechnet

Der Klimaaspekt wird politisch

Mittlerweile geht es längst nicht mehr nur um Privatsphäre – Sweeneys Arbeit ist zu einem wichtigen Klimaaktivismus-Tool geworden.

Ich finde, das Projekt hat sich zu einer wichtigen gesellschaftlichen Funktion entwickelt. Es zeigt, welche Macht öffentlich zugängliche Daten haben und wie sie für Transparenz sorgen können. Denn auf den Accounts steht mittlerweile nicht nur, wann geflogen wurde, sondern auch präzise CO2-Berechnungen, Kosten-Aufstellungen und Vergleiche mit dem durchschnittlichen Jahres-CO2-Verbrauch normaler Bürger.

Ein typischer Swift-Flug von Nashville nach Los Angeles verschlingt heute etwa 2.200 Liter Kerosin, kostet rund 4.500 Euro nur für den Sprit und erzeugt 8,5 Tonnen CO2 – mehr als ein Durchschnittsdeutscher im ganzen Jahr verbraucht. Diese Zahlen werden automatisch berechnet und in anschauliche Infografiken verwandelt, die auf Social Media tausendfach geteilt werden.

Das befördert natürlich auch eine wichtige Diskussion über die Lebensgewohnheiten der Ultrareichen, ihr klimaschädliches Verhalten – und unterfüttert die Vorwürfe mit konkreten, nachprüfbaren Daten. Besonders brisant wurde das 2025, als bekannt wurde, dass manche Promis ihre Jets für Strecken nutzen, die mit dem Auto in 30 Minuten zu schaffen wären.

Neue rechtliche Herausforderungen

Die Debatte hat 2025 auch die Politik erreicht. In der EU wird über eine „Private Jet Transparency Regulation“ diskutiert, die das Tracking einschränken könnte. In den USA fordern einige Bundesstaaten schärfere Stalking-Gesetze, die auch Daten-Stalking umfassen würden.

Sweeney hat darauf reagiert und zeigt nun bei besonders gefährdeten Personen die Daten mit 24-48 Stunden Verzögerung an. Bei Trump beispielsweise erfolgt die Veröffentlichung aus Sicherheitsgründen zeitversetzt. Das schmälert aber nicht den Aussagewert bezüglich Klimaimpact und Kosten.

Das wäre alles nicht möglich, wenn sie Linie fliegen würden. Dann wären keine individuell zuordenbaren Daten verfügbar. Das Beispiel stößt daher eine wichtige gesellschaftliche Debatte an: Welche Daten müssen öffentlich bleiben – und wo fängt Privatsphäre an, die geschützt werden muss? Wie viel Transparenz über das Verhalten der Mächtigen und Reichen braucht eine Demokratie?

Die Antwort darauf wird wahrscheinlich die Zukunft des Internets und unserer Informationsfreiheit mitbestimmen. Jack Sweeney ist dabei längst mehr als nur ein technikbegeisterter Student – er ist zum Symbol für Bürgerjournalismus und Daten-Aktivismus geworden.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026