Wischen und Saugen war gestern. Haushaltsroboter greifen inzwischen nach herumliegenden Socken, klettern Treppen und putzen mit heißem Dampf. Was davon echter Alltag ist – und was Show bleibt.
Es gibt diesen einen Traum, den fast jeder kennt: Du kommst nach Hause, und die Wohnung ist aufgeräumt. Nicht, weil du es gemacht hast. Sondern weil eine Maschine es gemacht hat.
Dieser Traum ist ein gutes Stück näher gerückt – wenn auch anders, als die Werbebilder es zeigen. Wer dieser Tage über die Technikmesse in Berlin läuft, sieht Roboter mit Armen, mit Beinen, mit Gesicht. Manche falten Wäsche. Manche laufen so menschlich, dass die Leute stehenbleiben und filmen.
Nur: Zwischen dem, was auf einer Bühne beeindruckt, und dem, was in deiner Wohnung funktioniert, liegen Welten. Schauen wir uns beides an.
Was Haushaltsroboter heute schon können
Der Saugroboter ist längst kein reiner Sauger mehr. Drei Entwicklungen sind neu – und alle drei lösen ein echtes Problem.
Der Greifarm. Hersteller wie Roborock und Dreame bauen inzwischen einen kleinen Arm auf den Roboter. Der hebt herumliegende Socken, Kabel oder Kinderspielzeug auf und legt sie beiseite. Klingt nach Spielerei, ist aber der Kern der Sache: Diese Geräte scheitern selten am Schmutz. Sie scheitern an Unordnung. Ein Roboter, der ein Hindernis wegräumen kann, statt es zu umfahren, ist ein anderer Roboter. Er kommt in Ecken, die sonst wochenlang ungeputzt bleiben, und du musst vorher nicht mehr durch die Wohnung gehen und aufräumen, damit der Roboter aufräumen kann.
Treppen. Bisher war die Etage die harte Grenze. Ein Roboter unten, ein Roboter oben – oder du trägst das Ding jeden Tag hoch. Inzwischen gibt es Modelle, deren Räder an beweglichen Beinen sitzen. Die klettern Stufe für Stufe und putzen sie gleich mit. Andere Hersteller setzen auf Transportmodule, die den Roboter huckepack nach oben bringen.
Heißes Wasser und Dampf. Die neuen Wischroboter erhitzen Wasser auf bis zu 180 Grad. Damit lösen sich auch eingetrocknete Flecken, an denen ein feuchter Lappen scheitert. Die Stationen reinigen die Wischwalzen anschließend selbst – mit heißem Wasser, damit nichts müffelt.
Dazu kommt der Rest der Familie: Mähroboter, die inzwischen 5.000 Quadratmeter ohne Begrenzungskabel schaffen und sich per Kamera orientieren. Fensterroboter, die endlich eine eigene Ladestation bekommen. Und Poolroboter, die mir persönlich am sympathischsten sind, weil sie so ehrlich sind: Wenn sie fertig sind, fahren sie an die Wasserlinie und warten, bis jemand sie herausträgt.
Der Humanoide: Warum er noch nicht bei dir einzieht
Und dann gibt es die andere Kategorie. Menschenähnliche Roboter, die aussehen, als kämen sie direkt aus einem Science-Fiction-Film. Der XPeng Iron wirkt auf den ersten Blick fast wie ein Mensch. LG zeigt einen Roboter namens CLOiD, der Wäsche falten soll. Und aus Metzingen kommt MiPA von Neura Robotics, der einzige Haushaltsroboter aus deutscher Produktion, der Gegenstände greifen und den Tisch abräumen soll. Preis: knapp 10.000 Euro.
Beeindruckend. Aber ein Blick auf die Zahlen ordnet das schnell ein. Die Marktforscher von Counterpoint zählen fürs erste Halbjahr 2026 rund 20.000 ausgelieferte Humanoide weltweit – ein Plus von fast 300 Prozent. Klingt gewaltig. Über 60 Prozent davon landen allerdings in Forschung, Ausbildung und Bühnenshows. Nicht in Wohnungen.
Der Grund ist ein Problem, das seit Jahrzehnten ungelöst ist: das Greifen. Eine Maschine, die ein rohes Ei hält, ohne es zu zerdrücken, und zwei Sekunden später eine gusseiserne Pfanne hebt – das kann bis heute kein Roboter zuverlässig. Dazu kommt die Unordnung. Eine echte Küche sieht nie zweimal gleich aus. Genau darin sind diese Systeme am schwächsten.
Deshalb finde ich den interessantesten Trick der Hersteller so aufschlussreich: Der LG-Roboter hat gar keine Beine. Er rollt auf einem Sockel. Weniger spektakulär – dafür fällt er nicht um. Das ist der ehrlichere Weg.

Was das für dich heißt, wenn du kaufen willst
Die Neugier ist da. Laut einer Bitkom-Umfrage kann sich fast jeder zweite Deutsche einen KI-gesteuerten Haushaltshelfer vorstellen. Trotzdem drei Dinge, die ich dir mitgeben würde.
Warte nicht auf den Alleskönner. Der eine Roboter, der alles macht, kommt in diesem Jahrzehnt nicht zu einem Preis, den ein normaler Haushalt zahlt. Was kommt, ist Arbeitsteilung: viele Spezialisten statt einem Butler. Ein Gerät für den Boden, eins für den Rasen, eins für die Fenster.
Ignoriere die großen Zahlen. 40.000 Pascal Saugkraft klingt beeindruckend, sagt dir aber wenig über den Alltag. Die entscheidende Frage lautet: Wie oft muss ich selbst ran? Also: Wie gut ist die Station, wie einfach die Wartung, wie lange gibt es Ersatzteile? Ein Roboter, den du zweimal die Woche befreien musst, spart dir keine Zeit.
Denk an die Daten. Diese Geräte kartieren deine Wohnung. Sie haben Kameras, Mikrofone, oft eine Cloud-Anbindung. Ein Grundriss deiner Wohnung ist ein Datensatz wie jeder andere – schau in die App, wo diese Karten gespeichert werden und ob es einen Modus ohne Cloud gibt. Bei den Modellen mit Greifarm und Kamera lohnt der Blick doppelt.
Häufige Fragen zu Haushaltsrobotern
Was kostet ein guter Haushaltsroboter? Solide Saug- und Wischroboter mit Station beginnen bei rund 400 Euro. Die Spitzenmodelle mit Greifarm, Heißwasser-Station und Treppenmodul liegen zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Humanoide Roboter für den Haushalt starten dagegen im fünfstelligen Bereich – für die meisten Haushalte auf absehbare Zeit kein Thema.
Können Haushaltsroboter Treppen steigen? Einzelne Modelle können das inzwischen, entweder mit beweglichen Radbeinen oder mit einem separaten Transportmodul. Marktreif und ausgereift ist die Technik aber noch nicht überall. Wer heute mehrere Etagen abdecken will, fährt mit zwei einzelnen Geräten meist günstiger und zuverlässiger.
Mein Fazit
Roboter im Haushalt sind kein Zukunftsthema mehr, aber auch keine Revolution. Sie sind eine Reihe kleiner, sehr konkreter Erleichterungen, die still funktionieren.
Der Wow-Moment steht auf der Messebühne und läuft auf zwei Beinen. Der Nutzen steht daneben, ist grau, rund und fährt unters Sofa. Und genau der wird dir in den nächsten Jahren tatsächlich Arbeit abnehmen.