Wer viele Bücher liest, kann sich nicht jeden Titel merken. Deshalb gibt es jetzt ein persönliches Lesetagebuch: Da kann sich jeder notieren, was er bereits gelesen hat – und wie das Buch gefallen hat.
Echte Vielleser haben ein Problem: Über die Jahre vergessen sie schon mal, ob sie ein Buch schon gelesen haben oder nicht. Wenn sie dann in der Buchhandlung oder Bücherei vor einem Buchtitel stehen, der interessant erscheint, aber irgendwie auch bekannt vorkommt, fragen sich manche: „Habe ich es schon gelesen? Fand ich es gut?“. Bücherwürmer, die sich nicht regelmäßig Notizen machen, kennen dieses Dilemma.
So ging es auch Daniel Diekmeier, einem Designer und Programmierer in Berlin, der zunächst nur für sich persönlich ein digitales Lesetagebuch entwickelte. Als dann aber Freunde und Bekannte ebenfalls Interesse daran hatten, veröffentlichte er das Projekt unter lesetagebu.ch für die Allgemeinheit. Dort legen Nutzer kostenlos ein Konto an, um bereits gelesene oder gerade erst gekaufte Bücher einzutragen. Es ist ebenfalls möglich, Titel auf eine Wunschliste zu setzen.
2016-10-30-lesetagebuch
Einfach und übersichtlich statt überladen
Die Webseite unterstützt Leseratten mit allerlei nützlichen Funktionen. So können sie für gelesene Exemplare eine Rezension verfassen und eine Bewertung vergeben. Wer einen neuen Titel eintragen möchte, muss nur ein Stichwort eingeben. Die Suchfunktion hilft mit einer Vervollständigung, das passende Werk zu finden. Praktisch: Ein Klick führt direkt zu verschiedenen Buchhandlungen und Online-Shops – nicht nur Amazon, sondern auch zu lokalen Anbietern und anderen Buchplattformen.
Das eigene Profil – auf Wunsch mit Foto und Links zur eigenen Webseite – ist öffentlich und für jeden einsehbar. Selbst Nutzer ohne Konto können es aufrufen und die Bücherliste sehen. Lesetagebu.ch ist damit auch eine Art soziales Netzwerk für Bücherfreunde, allerdings ohne den üblichen Social-Media-Stress.
Schlanke Alternative zu Goodreads und Co.
Die Plattform steht in Konkurrenz zu großen Bücherseiten wie etwa Goodreads oder LovelyBooks. Diese sind aber laut Diekmeier völlig überladen und bieten teils unnötige Funktionen – zumindest aus seiner Sicht. Deswegen wollte er eine schlanke Alternative entwickeln, die die wichtigsten Features in einer einfachen Nutzeroberfläche vereint. Das ist ihm mit Lesetagebu.ch gelungen.
Besonders in Zeiten von Cookie-Bannern, Tracking und komplexen Datenschutzbestimmungen punktet die deutsche Plattform mit Einfachheit. Die Seite kommt mit minimalen Daten aus, verzichtet auf aggressive Werbung und konzentriert sich aufs Wesentliche: das Verwalten der eigenen Bücherliste.
Mobile App und neue Features
Inzwischen gibt es auch eine mobile App für iOS und Android, die das Erfassen von Büchern noch einfacher macht. Mit der Smartphone-Kamera lassen sich ISBN-Codes scannen, um Bücher automatisch hinzuzufügen. Besonders praktisch beim Buchkauf oder in der Bibliothek.
Neue Features umfassen außerdem:
– Export der eigenen Bücherliste als CSV oder PDF
– Leseherausforderungen und Jahresstatistiken
– Verbesserte Suchfunktion mit Filtern nach Genre, Bewertung oder Lesestatus
– Integration von E-Books und Hörbüchern
– Datenschutzkonforme Synchronisation zwischen Geräten
Warum digitale Lesetagebücher Sinn machen
Abseits von Lesetagebu.ch gibt es noch andere Tools für Buchliebhaber. Apps wie StoryGraph oder Bookly haben ähnliche Ansätze, setzen aber oft auf andere Schwerpunkte – etwa detaillierte Lesestatistiken oder KI-basierte Buchempfehlungen. Wer es ganz analog mag, kann natürlich auch zu Papier und Stift greifen.
Doch gerade bei mehreren hundert gelesenen Büchern zeigen digitale Lösungen ihre Stärken: Suchfunktionen, Backup-Möglichkeiten und die Option, Listen mit anderen zu teilen. Außerdem lassen sich Trends erkennen – welche Genres ihr bevorzugt, wie sich euer Leseverhalten über die Jahre entwickelt hat oder wie viele Seiten ihr pro Monat schafft.
Fazit: Minimalistisch und funktional
Lesetagebu.ch bleibt seinem minimalistischen Ansatz treu. Keine überflüssigen Social-Features, keine aufdringliche Werbung, keine komplizierten Algorithmen. Stattdessen eine saubere, deutsche Alternative für alle, die ihre Bücher ordentlich verwalten wollen, ohne von Features erschlagen zu werden.
Für Gelegenheitsleser reicht vielleicht eine einfache Liste im Smartphone. Wer aber ernsthaft den Überblick über seine Bibliothek behalten will, findet hier ein durchdachtes Tool – kostenlos und ohne Schnickschnack.
Zuletzt aktualisiert am 06.04.2026

