Meta will Kinder als Nutzer – trotz aller Risiken

von | 05.06.2014 | Social Networks

Seit Jahren gilt bei Meta (ehemals Facebook): Zutritt erst ab 13 Jahren. Wer jünger ist, darf offiziell kein Konto bei Mark Zuckerbergs Plattformen eröffnen, nicht mal mit Zustimmung der Eltern. Was natürlich nicht bedeutet, dass Meta keine so jungen User hätte: Die machen sich einfach bei der Anmeldung etwas älter. Überprüft wurde das jahrelang kaum.

Inzwischen hat sich die Lage dramatisch verschärft. Meta steht unter enormem Druck von Regulierungsbehörden weltweit, den Jugendschutz ernst zu nehmen. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz durch TikTok, YouTube und andere Plattformen, die erfolgreich jüngere Zielgruppen ansprechen. Die Lösung: offizielle Kinderkonten mit elterlicher Kontrolle.

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Was bei Instagram Kids schiefging

Bereits 2021 versuchte Meta mit „Instagram Kids“ eine Plattform für unter 13-Jährige zu entwickeln. Das Projekt wurde nach massiven Protesten von Elterngruppen, Politikern und Jugendschutzorganisationen gestoppt. Interne Studien hatten gezeigt, dass Instagram bei Teenagern zu Depressionen und Körperbildstörungen beitragen kann.

Der Aufschrei war berechtigt: Whistleblowerin Frances Haugen hatte enthüllt, dass Meta sehr wohl wusste, wie schädlich die Plattformen für junge Nutzer sein können – und trotzdem nichts unternahm.

Neue Strategie: Familien-Accounts und strenge Kontrollen

Heute verfolgt Meta einen anderen Ansatz. Statt separater Kinder-Plattformen setzt das Unternehmen auf verknüpfte Familienkonten. Die Idee: Eltern und Kinder haben separate Profile, die aber technisch miteinander verbunden sind. Eltern können so kontrollieren, was ihre Kinder sehen, mit wem sie interagieren und wie lange sie online sind.

Das System funktioniert über mehrere Sicherheitsebenen:
– Eltern müssen ihre Identität und das Verwandtschaftsverhältnis nachweisen
– Alle Freundschaftsanfragen an Kinder müssen von den Eltern genehmigt werden
– Zeitlimits und Pausenzeiten sind verpflichtend
– Bestimmte Inhalte werden automatisch gefiltert
– Direct Messages mit Fremden sind komplett gesperrt

Rechtliche Hürden und der COPPA-Konflikt

Der amerikanische Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA) macht es Unternehmen schwer, Daten von Kindern unter 13 Jahren zu sammeln. Die Zustimmung der Eltern muss „verifiable“ sein – also überprüfbar. Das bedeutet mehr als nur ein Häkchen bei „Ja, ich bin der Vater“.

Meta arbeitet deshalb mit Verifizierungssystemen, die Ausweisdokumente, Kreditkarteninformationen oder sogar Videoanrufe nutzen. Aufwendig, aber rechtlich notwendig. In der EU verschärft der Digital Services Act (DSA) die Anforderungen zusätzlich.

Warum Meta trotzdem auf Kinder als Zielgruppe setzt

Die Antwort ist simpel: Geld und Zukunftssicherung. Junge Nutzer sind loyaler und bleiben länger auf Plattformen. Wer mit 10 Jahren anfängt, Instagram zu nutzen, wird wahrscheinlich auch mit 30 noch dabei sein. Außerdem sind Kinder und Teenager oft Early Adopters neuer Features.

Dazu kommt der Konkurrenzdruck. TikTok dominiert bei Gen Z und Gen Alpha. YouTube zieht mit YouTube Kids bereits seit Jahren jüngere Nutzer an. Meta kann es sich nicht leisten, eine ganze Generation an die Konkurrenz zu verlieren.

Kritik von Datenschützern und Psychologen

Experten bleiben skeptisch. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz warnt vor der „Kommerzialisierung der Kindheit“. Kinderpsychologen kritisieren, dass soziale Medien die Entwicklung beeinträchtigen können – egal wie gut die Kontrollen sind.

Professor Dr. Paula Bleckmann von der Universität Bremen forscht zu Mediennutzung bei Kindern: „Das Problem ist nicht nur der Inhalt, sondern das süchtig machende Design der Plattformen selbst. Likes, Kommentare und endlose Feeds aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn – bei Kindern noch stärker als bei Erwachsenen.“

Was Eltern wissen sollten

Falls Meta seine Kinder-Strategie tatsächlich umsetzt, sollten Eltern genau hinschauen:
– Welche Daten werden gesammelt und wie lange gespeichert?
– Wie funktioniert die Werbung bei Kinderkonten?
– Welche Kontrollen haben Eltern wirklich?
– Was passiert mit den Daten, wenn das Kind 13 wird?

Experten raten: Lieber später anfangen und dafür bewusster. Alternative Plattformen wie JumpStart oder Kidzui bieten ähnliche Funktionen ohne Datenhunger der Tech-Giganten.

Ausblick: Der Kampf um die nächste Generation

Ob Meta seine Pläne durchzieht, hängt stark von der politischen Entwicklung ab. In den USA wird über eine Verschärfung von COPPA diskutiert. Die EU plant weitere Jugendschutzregeln. Gleichzeitig wächst der öffentliche Druck auf alle Social-Media-Konzerne.

Klar ist: Der Kampf um junge Nutzer wird härter. Meta, TikTok, YouTube und neue Player kämpfen um die Aufmerksamkeit der Generation, die mit Smartphones aufgewachsen ist. Eltern stehen dabei vor der schwierigen Aufgabe, ihre Kinder zu schützen, ohne sie komplett von der digitalen Welt auszuschließen.

Zuletzt aktualisiert am 19.04.2026