Messen sind dazu da, um Konsumenten zu zeigen, was sie unbedingt brauchen. Und manchmal klappt das auch: So manche Messeneuheit wirkt wie ein Magnet – und später als Umsatzgarant. Doch auf dem Mobile World Congress (MWC) zeigen die Hersteller mittlerweile Geräte, die faszinieren und verstören zugleich. Foldables sind längst Realität geworden – aber war das wirklich eine gute Idee?
Der Mobile World Congress (MWC) im sonnendurchfluteten Barcelona zeigt, wohin die Reise bei Smartphones, Tablets und Mobilfunk geht. Und ein Trend hat sich seit 2019 tatsächlich etabliert: Faltbare Handys sind aus der Nische herausgekrochen und haben sich einen festen Platz im Premium-Segment erobert. Samsung dominiert mit der Galaxy Z-Serie, aber auch Google, OnePlus, Oppo und andere chinesische Hersteller haben nachgezogen.
Foldables sind erwachsen geworden – aber zu welchem Preis?
Was 2019 noch als fragiles Experiment begann, ist heute ausgereifte Technologie. Die aktuellen Foldables überleben tatsächlich den Alltag: Die Displays halten hunderttausende Faltzyklen aus, die Scharniere sind robuster, und die Software hat endlich gelernt, mit den wandelbaren Bildschirmen umzugehen.
Samsung hat mit dem Galaxy Z Fold6 und Z Flip6 Standards gesetzt, während Google mit dem Pixel Fold zeigt, wie KI-Features und faltbare Displays zusammenspielen. OnePlus, Oppo und Honor mischen mit eigenen Interpretationen mit – von Book-Style-Foldables bis hin zu kompakten Flip-Phones ist alles dabei.
Doch der Preis ist noch immer astronomisch: Premium-Foldables kosten zwischen 1.800 und 2.500 Euro. Das ist mehr als die meisten für ihren Laptop ausgeben. Die Frage bleibt: Rechtfertigt der „Wow-Faktor“ wirklich diese Investition?
Der praktische Nutzen: Marketing oder echte Innovation?
Nach sieben Jahren Foldables auf dem Markt können wir ehrlich bilanzieren: Ja, sie funktionieren. Ja, sie sind praktisch – wenn man wirklich auf einem Gerät arbeiten und konsumieren will. Ein Z Fold ersetzt tatsächlich das kleine Tablet für unterwegs. Ein Z Flip passt in jede noch so kleine Handtasche.
Aber die Wahrheit ist auch: Die meisten Nutzer verwenden ihre Foldables 90% der Zeit wie ein normales Smartphone. Das innere Display wird hauptsächlich für Videos, Gaming oder gelegentliches Multitasking genutzt. Für den Alltag – Nachrichten, Anrufe, Fotos – reicht das Außendisplay völlig.
Die Kameraqualität hinkt bei den meisten Foldables immer noch den besten Standard-Smartphones hinterher. Zu wenig Platz, zu viele Kompromisse bei der Hardware. Wer die beste Fotografie will, greift nach wie vor zu iPhone Pro oder Galaxy S-Ultra-Modellen.
Was ist mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung?
Hier wird es problematisch: Während alle Welt über Klimaschutz und Nachhaltigkeit redet, pushen die Hersteller Luxusgeräte, die das genaue Gegenteil verkörpern. Foldables sind komplexer zu reparieren, die Displays sind empfindlicher, und der ökologische Fußabdruck ist durch die aufwendige Produktion deutlich größer.
Gleichzeitig gibt es durchaus positive Entwicklungen: Fairphone zeigt mit modularen Designs, wie nachhaltige Smartphones aussehen können. Auch Apple, Samsung und Google verlängern ihre Software-Support-Zyklen – manche Geräte bekommen sieben Jahre Updates. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Aber warum diskutieren wir nicht intensiver über wirklich wichtige Features: Reparierbarkeit, austauschbare Akkus, recycelbare Materialien? Diese Themen fristen auf Messen wie dem MWC noch immer ein Nischendasein.
KI macht den Unterschied – nicht das faltbare Display
Die wirklich spannende Entwicklung passiert nicht beim Hardware-Design, sondern bei der künstlichen Intelligenz. Google Pixel-Geräte können Anrufe in Echtzeit übersetzen, Objekte aus Fotos entfernen und Texte automatisch zusammenfassen. Samsung integriert KI-Features für Produktivität und Kreativität. Apple’s iPhone nutzt maschinelles Lernen für Fotografie und Akkumanagement.
Diese Software-Innovationen verbessern den Alltag echter Menschen – nicht nur den von Tech-Enthusiasten mit zu viel Geld. Ein 300-Euro-Smartphone mit cleveren KI-Features ist für die meisten Nutzer wertvoller als ein 2.000-Euro-Foldable ohne praktischen Mehrwert.
Fazit: Innovation ja, aber für wen?
Foldables haben ihre Berechtigung gefunden – als Nischenlösung für Power-User, die wirklich zwei Geräte in einem brauchen. Für alle anderen sind sie nach wie vor teure Spielereien.
Die Smartphone-Industrie sollte sich fragen: Entwickeln wir für unsere Ego oder für echte menschliche Bedürfnisse? Günstige, langlebige Geräte mit cleverer Software wären revolutionärer als jedes noch so beeindruckende Klapp-Display.
Aber hey – ohne spektakuläre Neuheiten wäre der MWC auch nur eine weitere langweilige Technikmesse. Und das will ja auch niemand.
Zuletzt aktualisiert am 05.03.2026


