Apple-Patent: Fernabschaltung der Fotofunktion – was wurde daraus?

von | 30.06.2016 | Tipps

Apple hat ein neues Patent zugesprochen bekommen: Der Hersteller will per Infrarot Anweisungen und Informationen an Smartphones verschicken. Auf diese Weise lassen sich drahtlos wichtige Infos verteilen – aber auch explizit Funktionen in Geräten sperren. Angedacht ist das Deaktivieren der Fotofunktion per Infrarotanweisung.

So ein Smartphone ist ein teurer Spaß. Die meisten von uns blättern mehrere hundert Euro dafür hin, auch wenn die Kosten oft in der Mobilfunkrechnung versteckt sind. Trotzdem gehören uns die teuer erkauften Geräte nicht wirklich: Apple, Google und Microsoft behalten die nahezu vollständige Kontrolle, denn sie entscheiden, was wir mit dem Smartphone anstellen können. Bei Apple ist das besonders ausgeprägt: Apple hat die strengsten Regeln und einen App-Store, in dem jede einzelne App kontrolliert wird.

Apple Patent: Fotofunktion per Infrarot abschaltbar

Apple Patent: Fotofunktion per Infrarot abschaltbar

Fernkontrolle per Infrarot: Was damals Science-Fiction war

Selbst das Entfernen bereits gekaufter Apps beherrscht Apple – mittlerweile eine gängige Praxis bei allen großen Anbietern. Doch die Kontrolle geht weiter: Apple hat bereits 2016 ein Patent erhalten, das damals alle iPhone-Besitzer hellhörig machte: Eine Technik, die es möglich machen soll, mit einem Infrarot-Sender alle Smartphones im Raum fernzusteuern.

Der konkrete Gedanke: Auf einem Konzert, in einem Museum oder Theater soll die Foto- und Videofunktion des Smartphones deaktiviert werden können, wenn der Betreiber es so will. Richtig gelesen: Keine Fotos oder Filme mehr mit der eigenen Kamera, weil der Veranstalter dagegen ist. Der Befehl zum Gehorsam kommt von einem Infrarot-Sender.

Von der Theorie zur Realität: Moderne Umsetzung

Was damals noch futuristisch klang, ist heute technisch längst machbar. Während die ursprüngliche Patentidee auf Infrarot setzte, nutzen moderne Veranstaltungsorte inzwischen andere Methoden: Geofencing über GPS, WLAN-basierte Blockaden oder sogar spezielle Smartphone-Hüllen mit RFID-Technologie. Konzerte von Stars wie Beyoncé oder Comedy-Shows nutzen bereits „Yondr“-Pouches – spezielle Taschen, die Smartphones physisch blockieren.

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Theoretisch wäre es auch ausreichend, die per GPS und WLAN ermittelten Standortdaten zu verwenden und so die Ausschaltung zu provozieren. Aber weil man sein Smartphone ja offline schalten könnte, ist so ein Infrarot-Sender vor Ort die sicherere Variante. Außerdem könnte man beides kombinieren.

Der aktuelle Stand: Was ist aus dem Patent geworden?

Obwohl Apple das Patent 2016 erhielt, wurde die Infrarot-Technologie nie in iPhones implementiert. Stattdessen haben sich andere Ansätze durchgesetzt: iOS verfügt heute über „Focus“-Modi und Standortbeschränkungen, die ähnliche Effekte erzielen können. Auch gibt es in neueren iOS-Versionen Funktionen, die automatisch Wasserzeichen hinzufügen oder Aufnahmen in bestimmten Bereichen unterbinden.

Viel wichtiger ist jedoch die gesellschaftliche Entwicklung: 2026 diskutieren wir intensiv über digitale Souveränität. Die EU hat mit dem Digital Services Act und Digital Markets Act Rahmen geschaffen, die solche einseitigen Kontrollen durch Tech-Konzerne begrenzen. Das Recht auf vollständige Kontrolle über das eigene Gerät ist zu einem wichtigen Verbraucherthema geworden.

Die positiven Anwendungsmöglichkeiten

Die Manipulation des eigenen Gerätes, angeordnet durch Infrarot-Sender, sind das „Worst Case“-Szenario. Grundsätzlich sind auch nützliche Dinge mit der Technologie möglich: Der Sender könnte zum Beispiel Informationen übertragen, etwa über ein Kunstwerk, das man sich im Museum anschaut. Man bräuchte dann nur das Smartphone daneben zu halten, und jeder, der das Exponat fotografiert, bekommt automatisch Infos dazu geliefert.

Moderne Museen nutzen heute QR-Codes, NFC-Tags oder AR-Apps für ähnliche Zwecke. Die Vision von automatisch übertragenen Metadaten ist längst Realität – nur eben mit nutzerfreundlicheren Technologien als der damals geplanten Infrarot-Fernsteuerung.

Das größere Problem: Wem gehört euer Smartphone wirklich?

Das Apple-Patent von 2016 war ein Weckruf, aber das eigentliche Problem ist viel fundamentaler: Auch 2026 kontrollieren die großen Tech-Konzerne unsere Geräte weitaus stärker, als die meisten Nutzer ahnen. Apple kann nach wie vor Apps fernlöschen, Updates erzwingen oder Funktionen deaktivieren. Google macht das Gleiche bei Android.

Die gute Nachricht: Die Sensibilität für diese Themen ist gestiegen. Alternative Betriebssysteme wie GrapheneOS oder /e/OS gewinnen an Popularität. Auch politisch tut sich was: Das EU-Parlament arbeitet an einem „Right to Digital Self-Determination“, das Nutzern mehr Kontrolle über ihre Geräte geben soll.

Wieder mal ein Patent, das der zahlende Kunde ganz sicher eher nicht braucht. Ein Autohersteller, der an einer Funktion arbeitet, die das Fahren mit dem Auto unmöglich macht, weil jemand anders das will, der würde zu Recht gesteinigt. Bei Smartphones haben wir uns an diese Fremdbestimmung gewöhnt – höchste Zeit, das zu ändern.

Zuletzt aktualisiert am 07.04.2026