Der US-Konzern Microsoft rollt seit einiger Zeit ein komplett neues Outlook für Windows aus – und genau das sorgt für massive Kritik.
Berichten zufolge warnen Datenschützer inzwischen ausdrücklich davor, die neue Version einzusetzen. Der Grund: Die App soll Zugangsdaten und E-Mail-Inhalte an Microsoft-Server übertragen, selbst wenn ihr eigentlich einen ganz anderen Mail-Anbieter nutzt.
Das betrifft potenziell Millionen Nutzer in Deutschland – vom privaten Anwender bis zur kleinen Firma. Was steckt hinter den Warnungen? Wie problematisch ist das wirklich? Und was solltet ihr jetzt konkret tun?
Ich habe die Berichtslage für euch eingeordnet.
Was ist das neue Outlook und wie funktioniert es?
Microsoft ersetzt das klassische Outlook schrittweise durch eine neue App, die technisch stark auf der Weboberfläche von Outlook.com basiert. Optisch schick, funktional abgespeckt – und offenbar mit einem Datenschutz-Problem, das es in sich hat.
Wie die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) in einer Warnung berichtet, überträgt das neue Outlook Zugangsdaten und E-Mails auch dann an Microsoft-Server, wenn Nutzer ein Konto bei einem Drittanbieter wie GMX, Web.de, IONOS oder einem eigenen Firmen-Mailserver einrichten. Microsoft könnte auf diese Weise theoretisch Inhalte analysieren – von Passwörtern über Nachrichten bis zu Anhängen.
Auch das IT-Fachportal Serverstart weist in einem ausführlichen Beitrag darauf hin, dass beim Umstieg auf das neue Outlook Kontodaten und Mails über die Microsoft-Cloud laufen. Damit landen Daten bei einem US-Konzern, die vorher lokal auf eurem Rechner oder auf dem Server eures Mail-Anbieters blieben.
Eine offizielle Stellungnahme von Microsoft, die diese Praxis in dieser Deutlichkeit bestätigt oder widerlegt, liegt bislang nicht vor. Die Berichte stützen sich auf Analysen von Datenschützern und IT-Fachleuten – nicht auf eine Selbstauskunft des Herstellers.
Warum ist das neue Outlook ein Datenschutz-Problem?
Der Kern des Problems: Wer bislang bewusst nicht bei Microsoft Mail macht, sondern bei einem deutschen oder europäischen Anbieter, tut das oft aus gutem Grund. DSGVO-Konformität, Serverstandort EU, kein Zugriff durch US-Behörden über den CLOUD Act. All diese Vorteile könnten ins Wanken geraten, wenn die Mails am Ende doch bei Microsoft landen.
Für Unternehmen ist das besonders heikel. Wer geschäftliche Mails über das neue Outlook mit einem Drittanbieter-Konto abruft, riskiert laut den Berichten einen Verstoß gegen die DSGVO – gerade bei Berufsgeheimnisträgern wie Ärzten, Anwälten, Steuerberatern oder in der kirchlichen Verwaltung. Genau deshalb kommt die Warnung der EKiR nicht von ungefähr.
Aber auch Privatnutzer sollten aufhorchen. Zugangsdaten in fremden Händen sind immer ein Risiko – selbst wenn Microsoft sie „nur“ zur Synchronisation nutzt. Wird das Konto irgendwann kompromittiert, hängt daran plötzlich viel mehr als nur das Postfach.
Wie erkenne ich das neue Outlook? Einfache Merkmale
Microsoft blendet in vielen Windows-Versionen einen Schalter „Neues Outlook testen“ oben rechts in der klassischen App ein. Ein Klick genügt – und ihr seid drin. Die klassische Version bleibt aktuell noch parallel installierbar, aber Microsoft treibt den Umstieg aktiv voran.
- Neues Outlook: modernes, flaches Design, ähnelt der Web-Oberfläche von Outlook.com
- Klassisches Outlook: klassische Menüleiste mit Ribbon, volle Funktionsvielfalt, Teil von Microsoft 365
- Outlook (neu) als Windows-App: seit einiger Zeit vorinstalliert auf neuen Windows-11-Geräten
Falls ihr unsicher seid: Im Menü oben rechts findet ihr den Umschalter. Steht er auf „Neues Outlook: Ein“, nutzt ihr die kritisierte Variante.
Sichere E-Mail Alternativen zu Microsoft Outlook
Die gute Nachricht: Ihr seid nicht auf das neue Outlook angewiesen. Es gibt mehrere solide Wege, eure Mails datenschutzfreundlicher zu verwalten.
- Klassisches Outlook weiter nutzen: Wer Microsoft 365 abonniert hat, kann in den Einstellungen zurück auf die klassische Version wechseln. Sie wird laut Microsoft noch länger unterstützt.
- Mozilla Thunderbird: Kostenloser, quelloffener Mail-Client. Läuft komplett lokal, keine Zwangs-Cloud, unterstützt IMAP, POP3, PGP-Verschlüsselung.
- eM Client oder Betterbird: Kommerzielle bzw. Community-Alternativen mit ähnlichem Funktionsumfang wie Outlook.
- Web-Oberfläche des Mail-Anbieters: Wer GMX, Web.de, mailbox.org oder Posteo nutzt, ruft Mails einfach direkt über den Browser ab – ohne dass Microsoft dazwischenhängt.
Zusätzlich solltet ihr grundsätzlich prüfen, ob ihr Zwei-Faktor-Authentifizierung für eure Mail-Konten aktiviert habt und App-Passwörter statt eures Hauptpassworts nutzt, wo immer das geht. Falls das neue Outlook doch schon Zugangsdaten übertragen haben sollte, ist es sinnvoll, betroffene Passwörter zu ändern.
Solltet ihr das neue Outlook noch nutzen? Fazit
Solange Microsoft die Vorwürfe nicht klar entkräftet, gilt: Vorsicht ist die bessere Strategie. Wer sensible Kommunikation über Drittanbieter-Konten abwickelt – beruflich oder privat – sollte den Wechsel auf das neue Outlook derzeit nicht aktiv vollziehen und bei bereits erfolgtem Umstieg über einen Rückschritt nachdenken.
Das Grundproblem ist bekannt: Große Anbieter verschieben ihre Software zunehmend in die Cloud, oft ohne dass Nutzer das aktiv wollen. Bequemlichkeit gegen Datenhoheit – und der Preis wird selten transparent gemacht. Bleibt zu hoffen, dass Microsoft nachbessert und klare Antworten liefert, was genau mit den Zugangsdaten und Mail-Inhalten passiert. Bis dahin ist Skepsis berechtigt, und der Griff zu Thunderbird oder zur klassischen Outlook-Version die deutlich sicherere Wahl.
Quellen und Prüfstand
- Bericht: EKiR warnt vor der neuen Version von Microsoft Outlook (mav-gesa-ekir.de)
- Bericht: Outlook für Windows: Worauf beim Umstieg auf das neue Outlook geachtet werden sollte – ser… (serverstart.de)
Hinweis: Zu diesem Thema lag zum Redaktionsschluss keine offizielle Bestätigung der beteiligten Unternehmen vor. Die Angaben stützen sich auf Medienberichte.
Faktenprüfung: Alle überprüfbaren Aussagen wurden am 21.07.2026 automatisiert gegen die offiziellen Primärquellen abgeglichen. Stand des Artikels: 21.07.2026.