Smart City Index: Wie smart sind unsere Städte?

von | 22.09.2022 | Digital

Der Branchenverband Bitkom erstellt jedes Jahr einen „Smart City Index“ deutscher Städte. Mitmachen können alle Großstädte ab 100.000 Einwohner. Die Städte müssen diverse Angaben zu unterschiedlichsten Aspekten machen – und werden dann bewertet. Wie digital sind deutsche Städte und Gemeinden im Jahr 2026?

Der Smart City Index ist das Digitalranking der deutschen Großstädte und mittlerweile ein etabliertes Benchmarking-Instrument. Experten der Bitkom Research haben dafür in fünf Themenbereichen über 12.000 Datenpunkte erfasst, überprüft und qualifiziert – von KI-gestützten Bürger-Services über autonome Mobilitätsangebote und intelligente Verkehrssteuerung bis hin zur flächendeckenden 5G-Verfügbarkeit. Die konkreten Ergebnisse sind auf der Homepage des Bitkom für jede Stadt einzeln abrufbar.

Untersucht wurden alle deutschen Städte ab 100.000 Einwohnern. Den Indexwerten liegen sowohl öffentlich zugängliche Datenquellen als auch neue IoT-Sensordaten und Real-Time-Analytics zugrunde. Allen Städten wurde die Gelegenheit gegeben, die erhobenen Informationen zu überprüfen und zu kommentieren. Diese Möglichkeit haben mittlerweile 87 Prozent der Städte in Anspruch genommen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren.

Fünf Kategorien sind relevant bei der Beurteilung

Fünf Kategorien sind relevant bei der Beurteilung

Erweiterte Kriterien für die Bewertung 2026

Die aktuellen 42 Indikatoren berechnen sich aus 148 Parametern pro Stadt und insgesamt 12.247 Datenpunkten. Sie sind normiert, d. h. auf eine Skala von 0 bis 100 übersetzt. Pro Indikator bedeutet der Indexwert von 100 den höchsten erreichten Wert, nicht aber einen theoretisch erreichbaren Wert. Beispiel: München hat laut aktueller Zulassungsstatistik einen Anteil von 18,7 Prozent E-Fahrzeugen an allen zugelassenen Fahrzeugen. Das ist der höchste Wert unter allen untersuchten Städten. Damit erreicht München im Indikator „Anteil E-Fahrzeuge“ den Maximalwert 100.

Mit dem Smart-City-Index vergleicht der Branchenverband Bitkom jährlich (nun bereits zum neunten Mal) den Grad der Digitalisierung in deutschen Großstädten ab 100.000 Einwohnern. Dazu werden 148 Parameter in fünf übergeordneten Themenbereichen abgefragt: Verwaltung, Energie/Umwelt, Mobilität, IT-Infrastrutur und Gesellschaft.

Neu hinzugekommen sind 2026 Kriterien wie der Einsatz von KI-Chatbots in der Verwaltung, die Verfügbarkeit autonomer Shuttle-Services, smarte Müllentsorgungssysteme, digitale Gesundheitsdienste und die Integration von Blockchain-Technologie für sichere Bürgerdienste. Auch die Cybersecurity-Infrastruktur und der Datenschutz fließen stärker in die Bewertung ein.

Hamburg, Düsseldorf, Dresden: Ein interessantes Ranking

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Datenerhebung wird präziser

Die Methodik wurde über die Jahre verfeinert. Die Städte melden weiterhin selbst die entsprechenden Daten, aber das Bitkom Research Team setzt heute zusätzlich auf automatisierte Datenerhebung durch APIs und IoT-Sensoren. Dadurch werden die Daten objektiver und weniger abhängig von der Selbsteinschätzung der Städte.

Trotzdem bleibt ein wichtiger Kritikpunkt bestehen: Ob eine gemeldete Einrichtung wie ein „digitales Bürgeramt“ auch tatsächlich zuverlässig und für die Bürger zufriedenstellend funktioniert, fließt noch immer nicht ausreichend in die Bewertung ein. Hier wären Nutzerbewertungen und Zufriedenheitsstudien wünschenswert.

Nachhaltigkeit rückt in den Fokus

Ein wichtiger Fortschritt: Der Bereich Nachhaltigkeit wurde 2026 deutlich ausgebaut. Neben „smarter“ LED-Straßenbeleuchtung und Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge fließen jetzt auch intelligente Verkehrslenkung zur CO2-Reduktion, smarte Klimakonzepte für öffentliche Gebäude, Luftqualitäts-Monitoring in Echtzeit und kreislaufwirtschaftliche Ansätze in die Bewertung ein.

Besonders interessant: Städte können Bonuspunkte sammeln, wenn sie Carbon-Neutral-Strategien mit messbaren Zielen umsetzen oder Bürgerbeteiligung über digitale Plattformen fördern. Das zeigt: „Smart“ bedeutet nicht nur digital, sondern auch nachhaltig und partizipativ.

Objektivität bleibt Diskussionspunkt

Die Methodik wird nach wie vor diskutiert. Denn lässt sich eine „Smart City“ überhaupt objektiv messen, beurteilen und in einer Liste vergleichen? Im Detail eher nicht. Michael Pfefferle, mittlerweile Direktor Smart City und Nachhaltigkeit bei Bitkom, sieht den Sinn des Index vor allem darin, „erfolgreiche Digitalisierungsprojekte sichtbar zu machen und Städte zum Lernen voneinander zu motivieren“.

Kritiker bemängeln, dass der Index zu technikorientiert sei und die tatsächlichen Bedürfnisse der Bürger nicht ausreichend berücksichtige. Andererseits hat sich das Ranking als wichtiges Benchmarking-Tool etabliert, das Städte tatsächlich zu mehr digitalen Innovationen anspornt.

Glasfaser und 5G als Grundvoraussetzung

Für die Menschen direkt relevant ist die Verfügbarkeit von Glasfaser und 5G-Mobilfunk. Hier hat sich Deutschland deutlich verbessert: 2026 verfügen bereits 78 Prozent der Haushalte über Glasfaseranschlüsse, 5G ist flächendeckend in allen Großstädten verfügbar. Spitzenreiter bei der Breitbandversorgung ist aktuell Frankfurt am Main, gefolgt von Hamburg und München.

Die Pandemie-Jahre haben gezeigt, wie elementar schnelle Internetverbindungen für Homeoffice, digitale Bildung und Telemedizin sind. Städte, die früh in die digitale Infrastruktur investiert haben, konnten ihre Bürger deutlich besser durch die Krise führen.

Neue Technologien verändern das Ranking

2026 beeinflussen völlig neue Technologien das Smart-City-Ranking: Edge Computing für Echtzeit-Datenverarbeitung, Digital Twins für Stadtplanung, autonome Drohnen für Lieferservices und erweiterte Realität (AR) für Tourismus und Navigation. Auch der Einsatz von Quantencomputing für komplexe Verkehrsoptimierung fließt erstmals als Bonuskriterium ein.

Die Corona-Pandemie hat außerdem gezeigt, wie wichtig resiliente digitale Infrastrukturen sind. Deshalb werden jetzt auch Kriterien wie digitale Katastrophenwarnung, Contact-Tracing-Systeme und die Fähigkeit zum schnellen Hochskalieren digitaler Services bewertet.

Trotz aller Fortschritte gibt es noch Luft nach oben: Deutschland belegt im internationalen „Smart City Index“ des IMD Business School aktuell Platz 12 – deutlich besser als früher, aber noch nicht Weltspitze. Die Städte, die heute in KI, nachhaltige Mobilität und Bürgerbeteiligung investieren, werden die Smart Cities von morgen sein.

Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026