Derzeit sind sie wieder häufiger zu hören: Begriffe wie „Troll“, „Trollfabrik“, „Trollarmee“ oder „Putin-Bots.“ Hier mal eine (kompakte) Erklärung, was sich hinter den Begriffen eigentlich verbirgt – und wie sich das Phänomen 2025/26 entwickelt hat.
Ein Troll ist ein unberechenbares Fabelwesen in der nordischen Mythologie, dem man lieber nicht begegnen möchte. Der Begriff selbst ist schon sehr alt. Es gab ihn schon im Mittelhochdeutschen.
Heute bezeichnet „Troll“ eine echte Person, die in der Netz-Kommunikation durch Provokation, Störung, Beleidigungen und schiere Häufigkeit der Kommunikation auffällt. Trolle rüpeln sich durchs Netz: Sie melden sich überall zu Wort, meist mit wenig hilfreichen Kommentaren – und weil sie das sehr aktiv tun, erschweren sie jede angenehme oder sinnvolle Kommunikation.
Es gibt sehr viele Trolle, sie können auf X (ehemals Twitter), Threads, BlueSky oder Mastodon Hashtags kapern, Diskussionen erschweren, auf TikTok manipulative Videos verbreiten oder in Discord-Servern für Chaos sorgen. Es ist so ziemlich jede Art von Störung denkbar. Trolle agieren unter ihrem echten Namen, im Namen anderer, unter Pseudonym oder auch anonym.

Trolle: Fabelwesen, denen man nicht begegnen möchte
Trollarmee und Trollfabrik
Der Troll gehört schon immer zum Internet. Er ist ein lästiges, aber bisweilen auch unterhaltsames Phänomen.
Doch es gibt auch staatlich kontrollierte Trolle, die gezielt Propaganda verbreiten. Es sind so viele, dass von einer Trollfabrik oder Trollarmee die Rede ist. Weil ein regelrechtes Heer von Trollen – bezahlt vom Kreml, aber auch von anderen autoritären Regimen – in westlichen Netzwerken und Plattformen unterwegs sind, um überall Desinformation zu platzieren und so die öffentliche Meinung zu manipulieren.
Mit Falschbehauptungen, Fake-News und Deep-Fakes, die praktisch überall platziert werden.
KI-gestützte Propaganda: Die neue Generation
Das machen längst nicht mehr nur echte Menschen, sondern verstärkt auch KI-gesteuerte Systeme. 2025/26 haben sich die Methoden dramatisch verfeinert: Large Language Models wie GPT-4, Claude oder Gemini werden gezielt für Desinformationskampagnen eingesetzt. Diese KI-Trolle können menschenähnliche Texte in dutzenden Sprachen verfassen, auf aktuelle Ereignisse reagieren und sogar persönliche Gespräche führen.
Besonders perfide: Sie passen ihren Schreibstil automatisch an die jeweilige Zielgruppe an. Auf LinkedIn schreiben sie businessmäßig, auf Reddit locker und auf Telegram verschwörungstheoretisch. Das macht sie schwerer erkennbar als die früheren, plumpen Putin-Bots.
Multimediale Manipulation
Die neuen Trollfabriken setzen nicht mehr nur auf Text. Mit Tools wie Midjourney, DALL-E oder Stable Diffusion entstehen täuschend echte Bilder von nicht existierenden Ereignissen. Video-KIs wie Runway oder Pika Labs produzieren gefälschte Nachrichtensendungen. Besonders kritisch: KI-generierte Stimmen und Videos von Politikern, die Aussagen tätigen, die sie nie gemacht haben.
Auf TikTok und YouTube Shorts verbreiten sich solche manipulativen Inhalte binnen Stunden millionenfach. Die Plattformen kämpfen mit immer ausgefeilterer Erkennungstechnologie dagegen an – aber es ist ein Katz-und-Maus-Spiel.
Wer steckt dahinter?
Neben Russland betreiben auch China, Iran, Nordkorea und andere autoritäre Staaten professionelle Desinformationskampagnen. Aber auch private Akteure mischen mit: PR-Agenturen bieten „Astroturfing“ als Dienstleistung an, politische Parteien kaufen Bot-Netzwerke, und selbst Unternehmen manipulieren öffentliche Meinungen über ihre Produkte.
Die EU hat mit dem Digital Services Act (DSA) strengere Regeln eingeführt. Plattformen müssen verdächtige Accounts melden und Transparenz über algorithmische Empfehlungen schaffen. Doch die Trollfabriken passen sich schnell an neue Regulierungen an.
Wie ihr euch schützt
Achtet auf diese Warnsignale: Profile ohne persönliche Informationen, die nur politische Inhalte teilen. Accounts, die auffällig oft und zu allen Tageszeiten posten. Identische oder sehr ähnliche Texte von verschiedenen Nutzern. Emotionale, polarisierende Sprache ohne sachliche Argumente.
Nutzt Faktenchecker wie Correctiv, Mimikama oder die ARD-faktenfinder. Überprüft Quellen und fragt euch: Wer profitiert von dieser Information? Bei verdächtigen Videos helfen Tools wie InVID oder Microsoft Video Authenticator.
Das Phänomen der Trollfabriken wird uns noch lange beschäftigen – aber mit gesunder Skepsis und den richtigen Werkzeugen lassen wir uns nicht so leicht manipulieren.
Zuletzt aktualisiert am 22.02.2026
