Das Internet verbindet heute die ganze Welt miteinander. Einzelne Länder und Kontinente sind mit leistungsfähigen Datenkabeln verbunden, die fast alle durch die Weltmeere verlegt wurden. Experten befürchten: Auch hier droht Sabotage – und Spionage.
Man macht sich als ganz normaler Benutzer verständlicherweise kaum Gedanken darüber. Aber wie kommen eigentlich all die Daten aus der Firmenzentrale von Google in Kalifornien auf unsere Rechner? Wie schafft es eine E-Mail in so kurzer Zeit von Krefeld nach Sidney? Und wie ist es möglich, praktisch live mit Menschen in Übersee zu sprechen?
Ohne Unterseekabel wäre das Internet von heute nicht mehr denkbar. Rund 95% des globalen Datenverkehrs im Internet läuft durch spezielle Datenkabel, die in den Weltmeeren versenkt sind und die Welt so mit einem dichten Datennetz überzieht.
Seit Edward Snowden wissen wir: Der US-Geheimdienst belauscht Seekabel
Über 600 Unterseekabel mittlerweile im Einsatz
Solche Datenkabel sind armdick, manche haben sogar den Umfang eines Oberschenkels. Das Meiste davon sind diverse Schutzschichten, um die eigentlichen Datenkabel – früher Kupfer, heute feine Glasfaser – ausreichend zu schützen vor Kälte, an den Kabel knabbernden Tieren oder unachtsam ins Wasser geworfene Anker.
Viele dieser Kabel sind etliche Tausende Kilometer lang. Mittlerweile gibt es über 600 solcher Unterseekabel mit einer Gesamtlänge von mehr als 1,5 Millionen Kilometern. Aneinandergereiht könnte man damit über 35 Mal den Äquator umwickeln. Und es werden immer mehr Kabel – allein in den letzten drei Jahren sind über 80 neue Verbindungen hinzugekommen.
Europa holt bei Datenleitungen langsam auf
Ein zunehmendes Problem: Die meisten dieser Kabel werden heute von US-Konzernen wie Google, Meta, Microsoft oder Amazon verlegt – oder von chinesischen Unternehmen wie Huawei. Die haben die Kontrolle über die Strecken, die Kabel selbst und natürlich auch über die Daten, die dadurch transportiert werden.
Die bereits 2021 fertiggestellte chinesische Datentrasse „Peace“ ist über 12.000 Kilometer lang und verbindet Asien mit Pakistan, Afrika und Europa. Eine der kürzesten Datenrouten von Europa nach Asien mit gigantischer Kapazität: Die Datenkabel können über 90.000 Stunden Netflix-Inhalte pro Sekunde übertragen.
Die Chinesen bauen gerade eine 12.000 Kilometer lange Datentrasse
Europa hat aber mittlerweile reagiert: Das 2025 gestartete „Digital Gateway Europe“ Programm fördert europäische Kabelverbindungen. Projekte wie das „EuroAfrica Gateway“ schaffen neue Verbindungen unter europäischer Kontrolle. Auch die Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Partnern wie Japan und Südkorea wurde ausgebaut.
KI verstärkt Spionage bei Datenleitungen
Die verlegten Kabel sind weiterhin angreifbar. Unterseekabel abzuhören ist laut Experten „schon eine jahrzehntalte Praxis in der Spionage und auch beim Militär. Es gibt spezielle Unterwasser-Drohnen, Spionage-U-Boote, Tiefseeroboter und auch Schiffe, die darauf optimiert sind.“ Mit solchen Unterwasserwerkzeugen können Datenkabel gezielt attackiert, sabotiert oder auch abgehört werden. Unbemerkt.
Neu ist dabei der Einsatz von KI-gestützten Überwachungssystemen. Moderne Spionagesoftware kann mit maschinellem Lernen auch verschlüsselte Datenströme analysieren und Muster erkennen. Das macht das Abhören noch effizienter.
Russland hat seine Unterwasser-Spionagekapazitäten seit 2022 deutlich ausgebaut. Experten beobachten verstärkte Aktivitäten russischer Spezialschiffe in der Nähe kritischer Kabelverbindungen, besonders in der Ostsee und im Nordatlantik.
Quantenkryptografie als neue Schutzebene
Das wichtigste Gegenmittel bleibt konsequente Verschlüsselung aller relevanten Inhalte. Aber die Methoden werden immer ausgefeilter: Erste Unterseekabel nutzen bereits Quantenkryptografie-Technologie, die theoretisch unknackbar ist. China und die USA testen solche quantensichere Verbindungen bereits in kleineren Projekten.
Europa plant bis 2027 ein eigenes Quantenkommunikationsnetz, das über spezielle Quantenseekabel laufen soll. Diese „EuroQCI“ (European Quantum Communication Infrastructure) könnte Europa unabhängiger von ausländischen Datentrassen machen.
Zudem setzen sich Standards wie „Security by Design“ immer mehr durch – Software und Protokolle werden von Grund auf sicher entwickelt. Wer schon keine Kontrolle über die Datentrassen besitzt, sollte wenigstens die Daten selbst kontrollieren.
Droht bei Sabotage ein Internetausfall?
Ein weiteres durchaus realistisches Szenario: Sabotage von Unterseekabeln. Auch dazu könnten Drohnen und Schiffe eingesetzt werden. Die jüngsten Vorfälle mit beschädigten Kabeln in der Ostsee (2023 und 2024) zeigen, dass solche Angriffe Realität sind.
Doch eine lahmgelegte Datenleitung führt nicht gleich zum Ausfall des Internets. Denn das Ur-Internet (Arpanet) wurde in Kriegszeiten entwickelt – mit dem klaren Ziel, unzerstörbar zu sein. Es ist strukturell im Internet eingeplant: Fallen einzelne Datentrassen aus, „suchen“ sich die Daten einen anderen Weg. So lange es genügend alternative Routen gibt, ist das kein Problem.
Würden allerdings mehrere Datentrassen gleichzeitig zerstört, droht irgendwann zumindest eine Überlastung der noch bestehenden Datenleitungen. Deshalb arbeiten Regierungen weltweit an besseren Überwachungs- und Schutzsystemen für diese kritische Infrastruktur.
Neue Technologien verändern das Spiel
Spannend wird auch die Rolle von Satelliten-Internet wie Starlink oder dem europäischen IRIS² Projekt. Diese könnten als Backup-Systeme dienen, falls Unterseekabel ausfallen. Allerdings haben sie noch nicht die Kapazität, den gesamten Datenverkehr zu übernehmen.
Künstliche Intelligenz hilft auch beim Schutz: KI-Systeme überwachen die Kabel kontinuierlich auf Anomalien und können Angriffe oder Sabotage früher erkennen. So lassen sich Probleme oft beheben, bevor sie größeren Schaden anrichten.
Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026