Was ist eigentlich die re:publica?

von | 04.06.2023 | Digital

Einmal im Jahr findet sie in Berlin statt: die re:publica. Die größte Digitalkonferenz Europas vereint KI-Experten, Netzaktivisten und Digital-Pioniere. Hier entstehen die wichtigsten Debatten zu Digitalisierung, Bürgerrechten und Tech-Politik.

Die re:publica ist die jährlich stattfindende Leitkonferenz für Internet, Digitalisierung, Medien und Gesellschaft. Seit ihrer Gründung 2007 in Berlin hat sie sich zur bedeutendsten Digitalkonferenz Europas und einer der wichtigsten weltweit entwickelt. 2026 steht die Veranstaltung vor ihrem 20-jährigen Jubiläum und prägt nach wie vor die digitalpolitische Agenda.

Die re:publica ist Rreffpunkt und bietet Dutzende Veranstaltungen; Copyright: re:publica Berlin

Die re:publica ist Rreffpunkt und bietet Dutzende Veranstaltungen

Von der Blogger-Szene zur KI-Revolution

Die Wurzeln der re:publica reichen zurück ins Jahr 2006, als das Barcamp Berlin die deutsche Blogger- und Internetaktivistenszene elektrisierte. Die informelle Konferenz zeigte: Es gibt enormen Hunger nach offenem Austausch über den digitalen Wandel. Johnny Haeusler, Markus Beckedahl und Tanja Haeusler erkannten das Potenzial und gründeten 2007 die re:publica.

Was als Nischen-Event für einige hundert Digital-Enthusiasten begann, entwickelte sich zur internationalen Großkonferenz. Die re:publica 2025 zog über 25.000 Teilnehmer aus 80 Ländern an – von KI-Forschern über Datenschutzaktivisten bis hin zu Tech-CEOs und Politikern. Die Konferenz hat alle großen digitalen Umbrüche begleitet: vom Aufstieg der sozialen Medien über die Snowden-Enthüllungen bis zur aktuellen KI-Revolution.

Besonders beeindruckend ist die Evolution der Themen: Während 2007 noch über Bloggen und frühe soziale Netzwerke diskutiert wurde, stehen heute Künstliche Intelligenz, Quantencomputing und die Regulation von Tech-Giganten im Mittelpunkt.

Die re:publica ist Rreffpunkt und bietet Dutzende Veranstaltungen; Copyright: re:publica Berlin

KI, Klimatech und digitale Gerechtigkeit: Die Themen 2026

Die re:publica 2026 spiegelt die aktuellen Mega-Trends wider. Künstliche Intelligenz dominiert mit über 150 Sessions – von Large Language Models über AI Governance bis zu ethischen Fragen autonomer Systeme. Besonders heiß diskutiert wird die EU AI Act-Umsetzung und ihre Auswirkungen auf Innovation.

Klimatech ist das zweite Schwerpunktthema: Wie können digitale Technologien die Klimakrise bekämpfen? Smart Cities, nachhaltige Rechenzentren und Green Computing stehen im Fokus. Gleichzeitig wird kritisch über den CO2-Footprint von KI-Systemen und Kryptowährungen debattiert.

Digitale Gerechtigkeit rundet das Programm ab. Algorithmic Bias, Platform Regulation und die Macht der Tech-Konzerne beschäftigen Aktivisten und Politiker gleichermaßen. Der Digital Services Act und Digital Markets Act der EU haben neue Realitäten geschaffen – die re:publica analysiert deren Wirkung.

Neu sind die „Future Labs“: Interaktive Workshops zu Quantencomputing, Brain-Computer-Interfaces und Web3-Technologien. Hier könnt ihr selbst experimentieren und die Zukunft anfassen.

Die re:publica ist Rreffpunkt und bietet Dutzende Veranstaltungen; Copyright: re:publica Berlin

Global vernetzt: Von Berlin in die Welt

Die re:publica ist längst global geworden. Neben dem Berliner Flaggschiff gibt es etablierte Ableger in Dublin, Accra, Thessaloniki und seit 2024 in São Paulo. Diese regionalen Events bringen lokale Perspektiven ein und fördern den globalen Süd-Nord-Dialog.

2025 startete das „re:publica Global Network“: Lokale Communities in über 30 Städten organisieren kleinere Events nach dem re:publica-Modell. Von Mumbai über Mexico City bis Montreal entstehen so regionale Digitalkonferenzen mit globaler Vernetzung.

Die Hauptkonferenz in Berlin musste mehrfach umziehen, um dem Wachstum gerecht zu werden. Seit 2023 findet sie im neu errichteten „Digital Hub Berlin“ statt – einem nachhaltigen Konferenzzentrum, das speziell für Tech-Events konzipiert wurde.

Politische Wirkungskraft und Agenda-Setting

Die re:publica ist weit mehr als eine Konferenz – sie ist ein politischer Faktor. Hier werden Gesetzesentwürfe erstmals öffentlich diskutiert, bevor sie in Parlamente gelangen. Die „Berlin Digital Declaration“ von 2024 beeinflusste maßgeblich die EU-Regulierung von Foundation Models.

Politiker aller Couleur nutzen die re:publica als Bühne. 2025 debattierten dort erstmals EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und OpenAI-CEO Sam Altman über AI Safety. Solche Diskussionen prägen die öffentliche Meinung und politische Entscheidungen.

Besonders einflussreich sind die Arbeitsgruppen, die zwischen den Konferenzen aktiv bleiben. Sie erarbeiten Policy Papers, organisieren Stakeholder-Dialoge und beraten Regierungen. Die AG „Algorithmic Accountability“ war federführend bei der Entwicklung von KI-Prüfstandards.

Kultur trifft Technologie

Ein Alleinstellungsmerkmal der re:publica ist die Verbindung von Tech und Kultur. Die „Art & Code“-Stage zeigt, wie Künstler KI-Tools nutzen, um neue Ausdrucksformen zu schaffen. Generative Art, AI-Musik und interaktive Installationen machen abstrakte Technologien erlebbar.

2026 gibt es erstmals eine „Metaverse Gallery“, in der virtuelle Kunstwerke in immersiven Umgebungen gezeigt werden. Besucher können mit VR-Headsets digitale Welten erkunden und mit AI-generierten Charakteren interagieren.

Die re:publica bleibt damit ihrer DNA treu: Technologie nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Auswirkungen ganzheitlich zu diskutieren. Sie ist Seismograph, Impulsgeber und Vernetzungsplattform zugleich – unverzichtbar für alle, die die digitale Zukunft mitgestalten wollen.

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026