Ein häufig bemühtes Bonmot lautet: „Im Internet ist alles umsonst“. Doch so ganz stimmt das nicht. Den Zugang zum Internet zum Beispiel muss jeder selbst bezahlen (auch wenn der heute zweifellos nicht mehr die Welt kostet). Dafür gibt es dann aber in der Regel zumindest die Inhalte gratis: Wir können kostenlos Artikel lesen, in Archiven stöbern, in Chatbereichen plaudern, bunte virtuelle Karten schreiben oder sogar Datenbanken anzapfen. Auch für die meisten Angebote für Kinder und Jugendliche im Netz wird meistens kein Geld verlangt. Ganz schön praktisch.

Internetpräsenz kostet viel Geld

Aber wer zahlt eigentlich die Zeche? Wer kommt für die Kosten auf, die durch den Datenverkehr entstehen, wer entlohnt all die Grafiker, Layouter, Programmierer, Autoren und Techniker? Eine Frage, die im Grunde viel zu selten gestellt wird. Denn auch wenn Internet, E-Mail und die vielen anderen Dienste im Netz für den „Konsumenten“ nahezu gratis sind: Für die Anbieter ist so ein Auftritt im World Wide Web in der Regel mit Kosten verbunden, und zwar mit erheblichen.

Deshalb muss es für den Anbieter eine einleuchtende Motivation geben, diesen Schritt zu tun. Der vielleicht beste Grund heißt Kundenbindung. Denn es ist klar, dass heute eigentlich jeder im Netz vertreten sein muss. Außerdem wird ein Mindestmaß an Kundenservice erwartet. Einen Teil der Kosten würden die meisten Anbieter natürlich am liebsten wieder rein bekommen. Mittel- bis langfristig sollen sogar Profite erwirtschaftet werden. Nur wie?

Werbung soll Teil der Kosten einspielen

Werbung ist eine Möglichkeit, die sich bewährt hat. Deshalb präsentieren die meisten Webseiten diverse Werbebanner am oberen oder unteren Bildschirmrand. Die Spielregeln sind einfach: Je öfter eine Seite angeklickt wird, um so teurer ist die Werbefläche. Allerdings ist damit trotzdem kein Staat zu machen. Die Preise für Werbeinseln im Netz sind in letzter Zeit dramatisch gefallen. Reich wird damit niemand.

Aber müssen wird uns solche Werbung gefallen lassen? Im Grunde ja, denn das Prinzip ist so ähnlich wie beim Privatfernsehen. Auch da werden Filme und Informationssendungen in Reklame „eingebettet“. Längst haben wir uns daran gewöhnt und wissen: Die nervigen Unterbrechungen sind der Preis, den wir fürs Gratis-TV bezahlen. Nur öffentlich-rechtliche Sender kommen (fast) ohne Werbung aus, werden aber durch Gebühren finanziert. Ähnliches gilt für PayTV.

Ähnliches Modell wie beim Privatfernsehen

Der logische Umkehrschluss: Wer ohne lästige Werbung surfen möchte, muss früher oder später also auch dafür bezahlen – irgendwie. Entweder Gebühren, als monatliches Abo etwa oder konkret für jede in Anspruch genommene Leistung, oder eben, indem Reklame „ertragen“ wird.

Der große Unterschied zum Fernsehen: Dort ist das Verhältnis von Inhalt und Werbung bis auf die Sekunde genau geregelt. Im Internet hingegen kann (noch) jeder selbst bestimmen, wie viel Werbung dem Datensurfer zugemutet werden soll. So kommt es, dass manche Webseiten mehr PR enthalten als verwertbare Inhalte. Das dürfte zwar zweifellos viele User abschrecken, aber legal ist es.

Außerdem wird Netzwerbung immer aufdringlicher. Da poppen plötzlich neue Fenster auf, da flattern bunte Reklametafeln über den Bildschirm oder machen sogar Geräusche. Die PR-Industrie lässt sich ständig neue Sachen einfallen, um Aufmerksamkeit zu erregen – auf Kosten der Internetbenutzer, die dafür bezahlen müssen, dass die Werbung erst mal durch die Datenleitung kommt.

Spezialprogramme filtern Werbung heraus

Ganz schlaue Internetter benutzen deshalb so genannte „Werbefilter“. Spezialprogramme wie der kostenlos erhältliche Webwasher, die Werbung im Web erkennen und einen Großteil einfach ausknipsen. Plötzlich erscheinen die Webseiten ohne Reklametafeln auf dem Bildschirm, was die ganze Sache obendrein auch noch beschleunigt. Nur wenige Anzeigen können sich durch soclhe Filter mogeln.

Die Anbieter im Internet sehen das natürlich gar nicht gerne. Denn der Datensurfer nutzt dann ihr Angebot, schaut sich aber nicht die Werbung an. Einige Betreiber ziehen deshalb die Notbremse und sperren ihre Webseiten kategorisch für Datensurfer mit Werbefilter (die lassen sich nämlich in der Regel erkennen). Das wiederum regt manche Benutzer von Filterprogrammen – erstaunlicherweise – auf.

Doch diese Freiheit muss es im Internet geben: Der User soll selbst entscheiden, welche Webseiten er ansteuern möchte. Und der Anbieter kann umgekehrt bestimmen, unter welchen Bedingungen er diesen Besuch zulassen möchte.