Wenn wir Werbebotschaften im E-Mail-Briefkasten vorfinden, und wer kennt das nicht, sprechen wir von „Spam“. Ein Synonym für „unerwünscht zugeschickte Werbepost“. Weil E-Mails nahezu kostenlos verschickt werden können, werden auch viele Spam-Nachrichten auf den Weg gebracht. Immer mit dem Versuch, uns irgendetwas zu verkaufen: Ein Hotelzimmer, eine Versicherung, ein Potenzmittel, die neueste Software, Kryptowährungen oder dubiose Trading-Plattformen. Vor knapp 48 Jahren wurde die erste Spam-Mail verschickt – und heute gibt es sie immer noch, allerdings in völlig neuen Dimensionen.
Vor knapp 48 Jahren wurde die erste Spam-Nachricht verschickt. Damals hieß das Internet noch Arpanet und war ein in erster Linie militärisches Netzwerk. Allzu viele User gab es damals noch nicht, aber E-Mail schon.
Am 3. Mai 1978 verschickte Gary Thuerk von der Digital Equipment Corporation eine Mail, in der er ein DECSystem-20 bewerben wollte. Er lud die Empfänger zu einer Werbeveranstaltung ein. Nach 320 verschickten Mails brach der Mail-Server zusammen. Gelohnt hat es sich trotzdem: Nach der Überlieferung konnte der Mann Rechner im Wert von 13 Millionen Dollar verkaufen. Die erste Werbe-Mail der Welt war also außerordentlich erfolgreich.

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KI macht Spam gefährlicher denn je
Die Zeiten haben sich drastisch geändert. Laut aktuellen Studien sind zwischen 45 und 85 Prozent aller eintreffenden E-Mails Spam. Der Anteil schwankt je nach Anbieter und Schutzmaßnahmen erheblich. Das wirklich Bedrohliche: Moderne Spam-Mails werden zunehmend mit KI-Tools erstellt und sind dadurch perfider denn je.
Künstliche Intelligenz ermöglicht es Spammern, personalisierte Nachrichten in Massen zu erstellen, die kaum noch von echten E-Mails zu unterscheiden sind. ChatGPT, Claude und Co. können überzeugende Texte in jeder Sprache generieren, komplette Phishing-Kampagnen entwerfen und sogar auf Social-Media-Profile zugeschnittene Betrügereien entwickeln. Was früher durch schlechte Grammatik und offensichtliche Fehler entlarvt wurde, wirkt heute oft täuschend echt.
Besonders gefährlich: KI kann auch Stimmen klonen und deepfake Videos erstellen. So entstehen multimediale Spam-Kampagnen, die weit über simple E-Mails hinausgehen. Voice-Phishing („Vishing“) über WhatsApp-Sprachnachrichten oder gefälschte Video-Calls von vermeintlichen CEOs gehören bereits zum Arsenal moderner Cyberkrimineller.

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Der Kampf wird mit KI geführt
Zum Glück rüsten auch die Verteidiger auf. Moderne Spam-Filter setzen auf Machine Learning und neuronale Netzwerke. Google, Microsoft, Apple und andere große E-Mail-Anbieter verwenden längst KI-basierte Systeme, die verdächtige Muster in Echtzeit erkennen.
Diese Systeme analysieren nicht nur Text und Absender, sondern auch Verhaltensweisen: Wird eine E-Mail-Adresse plötzlich für Massensendungen genutzt? Ähneln sich die Nachrichten verdächtig? Werden Links geklickt, die zu bekannten Malware-Seiten führen? All das fließt in die Bewertung ein.
Zusätzlich wurden in den letzten Jahren neue Authentifizierungs-Standards eingeführt: SPF, DKIM und DMARC machen es erheblich schwieriger, Absender zu fälschen. Viele große E-Mail-Provider akzeptieren seit 2024 nur noch Mails von verifizierten Absendern.
Dennoch: Der Kampf bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel. Während Filter intelligenter werden, passen sich auch die Spammer an.

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Neue Spam-Kanäle erobern den Alltag
E-Mail ist längst nicht mehr der einzige Kanal. WhatsApp, Telegram, Instagram Direct Messages, LinkedIn – überall landen mittlerweile Spam-Nachrichten. Besonders perfide: Fake-Profile in sozialen Netzwerken, die monatelang Vertrauen aufbauen, bevor sie zuschlagen.
SMS-Spam hat ebenfalls massiv zugenommen. Gefälschte Paket-Benachrichtigungen, angebliche Banknachrichten oder Corona-Testnachrichten fluten die Handys. Hier helfen oft nur noch strikte Filter oder das komplette Blocken unbekannter Absender.
Auch Messenger-Apps sind betroffen: Spam-Bots schreiben automatisiert Millionen von Nutzern an, oft mit Links zu dubiosen Krypto-Plattformen oder Dating-Seiten.
Was kostet Spam heute wirklich?
Völlig kostenlos war es nie, Mails im großen Stil zu verschicken. Heute ist es sogar teurer geworden: Wer eine Million E-Mails verschicken will, muss mehrere Tausend Euro investieren – wenn er es legal über seriöse Anbieter macht.
Spammer greifen deshalb zu anderen Mitteln: Gehackte Server, kompromittierte Cloud-Accounts oder Botnetze aus infizierten Smartphones. Die Beschaffung von E-Mail-Adressen läuft über Datenlecks, gehackte Websites oder spezialisierte Broker im Darknet.
Interessant: Der Preis für eine Million „frische“ E-Mail-Adressen liegt bei etwa 100-500 Euro. Für zusätzliche Informationen wie Namen, Telefonnummern oder Interessen zahlen Kriminelle deutlich mehr.
Warum Spam sich noch immer lohnt
Trotz aller Filter: Ein kleiner Prozentsatz der Empfänger reagiert weiterhin. Die Erfolgsquote liegt zwar nur bei 0,001 bis 0,01 Prozent, aber bei Millionen verschickter Nachrichten reicht das.
Besonders lukrativ sind heute Krypto-Scams, Romance-Scams und CEO-Fraud (gefälschte Chef-E-Mails). Ein einziger erfolgreicher Romance-Scam kann Zehntausende Euro einbringen. Ein gelungener CEO-Fraud, bei dem sich Betrüger als Geschäftsführer ausgeben und Überweisungen anweisen, bringt oft sechsstellige Summen.
Etwa 5% aller Spam-Nachrichten enthalten heute Schadcode – deutlich mehr als früher. Ransomware, Banking-Trojaner oder Crypto-Miner werden so verbreitet.
Der Begriff „Spam“ – eine zeitlose Geschichte
Die Herkunft des Begriffs „Spam“ ist legendär: Er geht auf das Dosenfleisch „SPAM“ (Spiced Pork and Ham) zurück, das seit den 1930er Jahren existiert. Berühmt wurde der Begriff durch einen Sketch von Monty Python aus dem Jahr 1970.
In dem Sketch fragt eine Frau in einem Café nach dem Menü. Die Bedienung antwortet immer wieder „Spam“ – in jeder erdenklichen Kombination. Als sie protestiert, dass sie kein Spam mag, stimmt ein Chor von Wikingern das „Spam-Lied“ an und übertönt jede normale Unterhaltung.
Genau diese Eigenschaft – lästig, überall präsent und normale Kommunikation störend – machte „Spam“ zum perfekten Begriff für unerwünschte E-Mails. Was als Fleisch-Sketch begann, beschreibt heute ein Milliardengeschäft mit der digitalen Belästigung.
Zuletzt aktualisiert am 09.03.2026





