Moderne Handys sind heute nicht nur Fotoapparat, sondern immer öfter auch Videokamera in einem Gerät. Die Bildqualität kann sich mittlerweile durchaus sehen lassen. Selbst Hollywood hat die ultrakompakten Videokameras für sich entdeckt. Selbst hochwertige Serien und Filme werden heute mit Smartphones aufgenommen.

Mit “Goldilocks” ist nun tatsächlich die erste professionell hergestellte Serie an den Start gegangen, die ausschließlich mit iPhones gedreht wird (und dem baugleichen iPod Touch). Die Handykamera sorgt für ungewöhnliche, teilweise sogar spektakuläre Blickwinkel. Die Produzenten nutzen geschickt die Möglichkeiten, die so eine kompakte Kamera bietet. Sie verstecken beispielsweise ein in Plastikfolie eingepacktes iPhone in einem Weinglas. Dort wird erst ein Wein eingeschenkt – und dann aus dem Weinglas heraus ein Mord beobachtet, und der Zuschauer sieht das! Mit einer normalen Kamera sind solche Aufnahmen undenkbar, da diese viel zu groß wären, um sie in einem Weinglas unterzubringen.

In anderen Szenen wird die Kamera an ein Motorrad montiert, und der Zuschauer rast nur wenige Zentimeter über den Asphalt durchs nächtliche Los Angeles… Wer das für pure Spielerei hält, täuscht sich: Der Zuschauer bekommt neue Perspektiven geboten. Letztlich passen sich die professionellen Filmemacher an die Sehgewohnheiten an: Auf Youtube und den anderen Videoportalen kennen wir viele solcher Perspektiven schon länger, weil Privatleute auf diese Weise drehen.
Goldilocks” wird von Profis gespielt, ist modern inszeniert, aufwändig geschnitten und wird auch von Profis nachbearbeitet. Die Drehbilder sind packend, die Schnitte rasant – das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Ein schönes Experiment, bei dem Filmschaffende unter anderem herauszufinden versuchen, ob speziell für Mobilgeräte hergestellte Filme oder Serien angenommen werden und wie solche Filme gemacht sein müssen. “Behind the Scenes”-Videos zeigen, wie die einzelnen Episoden entstanden sind.

“Goldilocks” wird aber nicht nur anders gedreht, sondern soll auch anders angeschaut werden: Im Web und auf Smartphones, also unterwegs. Es gibt sogar eine kostenlose App, die neue Folgen der “Mobile Series” anzeigt, sobald sie verfügbar sind. Darum reicht die Bildqualität eines iPhone auch völlig aus. Acht Folgen sind derzeit geplant.

Es gibt weitere Beispiele für gut und sogar professionell gemachte Filme, die mit Smartphones hergestellt werden, etwa den Kurzfilm “Apple of My Eye“. Der Kurzfilm ist komplett mit dem iPhone 4 gedreht und wurde sogar auf dem iPhone geschnitten und vertont. Auch das ist heute möglich, mit der iMovie App. Das Ergebnis ist beachtlich. Experten sprechen angesichts der neuen Möglichkeiten bereits von einem neuen “Indie Genre”, einer neuen Art, Filme zu drehen.

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Apple of My Eye from Michael Koerbel on Vimeo.

Auch auf die Leinwand haben es Smartphone-Filme bereits geschafft. Der Dokumentarfilm “Teheran without permission” wurde komplett mit dem Handy gedreht. In erster Linie aus Sicherheitsgründen, denn in Teheran darf man nicht ohne weiteres mit einer echten Kamera drehen. Aber die Regisseurin des Films, Sepideh Farsi, schätzt auch noch andere Vorteile des Drehens mit dem Smartphones. Sie meint, man könne auf diese Weise den Menschen besonders nahe kommen, weil sie sich nicht beobachtet fühlen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=o9ME5_ZzeKI

Beeindruckend auch der nur acht Minuten lange Spielfilm, in dem Stars wie Edward Westwick, Frauenschwarm aus “Gossip Girl”, oder Dev Patel, der Bollywood-Star aus “Slumdog Millionair”, standen gemeinsam vor der Handy-Kamera – für eine, wenn auch kurze, Filmproduktion. Der Film “The Commuter” (Der Pendler) wurde komplett mit dem Nokia N8 HD gedreht. Die Filmqualität ist beeindruckend.

Der rund acht Minuten lange Film ist derzeit auf Youtube der Hit. Letztlich soll der Film zeigen, welche Bildqualität moderne Handys heute bereits bieten… Ein Werbefilm für die Handys des Herstellers – aber durchaus sehenswert.

httpv://www.youtube.com/profile?user=nokiauk&feature=iv&annotation_id=annotation_717512#p/u/1/_MBAhm3JqSI