Streng genommen gibt es eCommerce in Deutschland schon seit den 80er Jahren. Damals hat die Deutsche Bundespost noch das “Bildschirmtextsystem” betrieben, besser bekannt als Btx. Ein geschlossener Onlinedienst, der zwar nur über magere grafische Fähigkeiten verfügte, aber von Anfang an ein eigenes Bezahlsystem vorgesehen hat – über die Telefonrechnung. Schon sehr früh, lange vor dem Internet, konnten deutsche Btx-Benutzer online Theaterkarten bestellen, Bücher kaufen, Reisen buchen, in kostenpflichtigen Datenbanken recherchieren und vieles andere mehr. Die erste Form von eCommerce in Deutschland.

Der Startschuss für den eCommerce im Internet, so wie wir ihn heute kennen, ist 1994/1995 gefallen. Denn damals wurde das Internet für die Wirtschaft geöffnet, Bill Clinton und Al Gore wollten es so. Vorher war das Internet völlig frei von kommerziellen Aspekten jeder Art. Mit der Öffnung für die Wirtschaft kam ein regerechter Goldrausch auf: Alle drängten ins Netz – und machten sich Gedanken, wie sie im weltweiten Datenverbund, so hieß das damals, Geschäfte machen können.

Bereits 1994 wurde in Seattle das erste Online-Warenhaus gegründet: Amazon. Anfangs noch ein reiner Online-Buchhändler, mittlerweile eins der größten Warenhäuser weltweit mit einem Jahresumsatz von 34,2 Milliarden Dollar – und der wichtigste Buchhändler weltweit.

Viele haben versucht, es Amazon nachzumachen, aber niemanden ist es gelungen, den Vorsprung von Amazon aufzuholen.

Das Online-Auktionshaus eBay ist wenig später, 1995 gestartet. eBay hat die Art und Weise revolutioniert, wie Menschen einkaufen: Durch Handeln. Außerdem konnte erstmals jeder mit vergleichsweise wenig Aufwand weltweit seine Waren anbieten.

Es folgte ein regelrechter Ansturm aufs Web: Alle wollten ins Internet, alle wollten online Geschäfts machen. Zahllose Portale mit unaussprechlichen Namen sind gestartet – und viele innerhalb kürzester Zeit wieder verschwunden. Die Internet-Blase hat vielen Investoren eine Menge Geld gekostet.

Eine Branche war übrigens immer ganz weit vorne, immer unter den ersten, wenn es darum ging, online etwas zu verkaufen: die Erotikbranche. Sie hat als erster für digitale Inhalte wie Fotos, Chats oder Videos Geld verlangt, lange bevor man online Musik einkaufen oder Videos online ausleihen konnte.

Heute ist es für alle Hersteller, Händler und Anbieter mehr oder weniger selbstverständlich, online Geschäfte zu machen. Jeder hat eine Filiale im Internet, mindestens eine. Und kämpft um Aufmerksamkeit, um Kunden. Was nicht einfach ist, denn noch nie war es so einfach, die Preise zu vergleichen, noch nie so egal, wo man einkauft. Der eCommerce hat die Art und Weise verändert, wie wir einkaufen – für immer.

2 Kommentare
  1. Michael Karl
    Michael Karl sagte:

    Was ich besonders bemerkenswert finde ist die Tatsache, dass als echte Bigplayer nur Ebay und Amazon geblieben sind. Auch die “Großen” in Deutschland wechseln immer wieder, und bleiben nicht lange am Ball.

    Wenn man bedenkt, dass in der Anfangszeit des Internets eigentlich alles über die Telefonrechnung lief, dieses Verfahren heutzutage aber nicht mehr denkbar ist, wird die Entwicklung moderner Zahlungsverfahren noch wichtiger.

  2. Kay
    Kay sagte:

    An die ersten BTX-Geräte in den 80ern kann ich mich noch gut erinnern. Im Siemens-Museum München standen damals schon die ersten Geräte, um die moderne Siemens-Technologie, die Zukunft zu zeigen. Und die waren online und durften benutzt werden. Stundenlang hab ich an dem Teil gesessen, Kataloge bestellt und mir Seiten in Monochrom (grün) angesehen. Schon damals gab es von Beate Uhse ein Online-Erotikauftritt, der kostenpflichtig war. Für ein paar DM konnte man sich die doch sehr pixeligen Erotikfotos freischalten lassen. Aber auch große Firmen wie Sony waren schon präsent. Für mich als 15-jähriger war das eine unbezahlbare und unglaublich faszinierende Technologie. Ich denke, da hat mich der Virus “Internet” bereits infiziert, der mich heute auch beruflich begleitet. Auch bei Ebay war ich Käufer und Verkäufer erster Stunde, habe viele Start-Ups auf- und absteigen sehen.
    E-Commerce fasziniert mich noch heute und ich freue mich auf eine tolle, praktische Zukunft voller Überraschungen und Fortschritte.

    Gruß, Kay Steeger

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