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The beauty of a second: Online-Festival der Ein-Sekunden-Filme

30.11.2011 | Von Jörg Schieb

Tipps

Im Internet ist ein Kurzfilmfestival der besonderen Art gestartet, das sich „The Beauty of a Second“ nennt. Hier werden Kurzfilme gezeigt, die jeweils nur eine Sekunde lang sind. Eine Sekunde. Mehr nicht. Wie viel Leben, wie viel Geschichte, wie viele Momente kann man in eine Sekunde reinpacken – und wie sieht das aus?

Unter www.montblanconesecond.com ist der Kurzfilmfestival zu erreichen. Hinter dem Projekt steckt der Schreibgerätehersteller Montblanc, der vor 190 Jahren einen Chronografen auf den Markt gebracht hat, daher die Idee für das Projekt. Wer die Webseite aufruft, bekommt gleich einen Einführungsfilm zu sehen, der sehr atmosphärisch ist und Lust macht auf das Projekt. Der Filmemacher Wim Wenders fungiert als Schirmherr – und erklärt, worum es bei dem Projekt geht.

Wenders will die schönsten Kurzfilme finden, die jeweils lediglich eine Sekunde dauern. Kurzclips im besten Sinne also. Ob man in der Sekunde wirklich eine gedrehte Sekunde zeigt oder im Zeitraffer ein längeres Geschehen oder in Zeitlupe ein kürzeres, das spielt keine Rolle. Wenders erklärt auch, was man drehen soll: Alles, was einem wichtig ist, eine schöne, aufregende, lebendige, emotionale Sekunde. Was diesen Kriterien entspricht, liegt im Auge des Betrachters, und das ist das Spannende an der Sache.

Auf der Projektseite können Hobbyfilmer ihre Clips hoch laden. Einzige Bedingung: Nicht länger als eine Sekunde. Man kann sich auf der Homepage schon ansehen, was die User hochgeladen haben. Da sind teilweise wunderbare Filmschnipsel darunter, es macht richtig Spaß, sich die eingereichten Kurzclips anzusehen.

Eingeladen mitzumachen ist jeder: Profis, Amateure, Filmmacher, Fotografen, jeder der sich darauf versteht, die Schönheit, das Besondere einer Sekunde einzufangen. Es kommt nicht darauf an, technisch perfekte Bilder abzuliefern, sondern ein waches Auge zu haben, originell zu sein, eben, schöne Momente einzufangen. Wenn einem beides gelingt, also schöne Momente zu finden, die dann auch noch anspruchsvoll und schön eingefangen werden, ist das natürlich besonders schön und willkommen.

Jeder Besucher kann sich die Filme auf der Webseite anschauen. Weil die Clips so kurz sind, wäre es natürlich mühsam, jeden einzelnen Beitrag einzeln anzuklicken und anzuschauen, deshalb gibt es fertige Playlisten, die man abrufen kann, etwa alle eingereichten Filme eines Tages. Wer mag, kann aber auch eigene Playlisten anlegen und diese dann mit den anderen Usern teilen. Viele Einsenkünder sind eher mittelmäßig, nichts Besonderes.

Es gibt aber auch reichlich schöne Aufnahmen, richtig schöne Aufnahmen: das Aufleuchten einer Glühbirne, das Durchfahren einer Kurve einer Wasserrutsche, das Ziehen an einer Zigarette, ein Uhrwerk von Innen, der Sprung in einen See und vieles andere mehr.

Und weil es ein Festival ist, gibt es am Ende tatsächlich auch Gewinner. Und eine Jury, der Wim Wenders vorsteht. Der Wettbewerb besteht aus drei Runden. Von jeder Runde kommen die jeweils 20 besten Filme weiter. Am Ende entsteht ein 60 Sekunden langer Zusammenschnitt, der im Januar auf der Berlinale vorgestellt und erstmals gezeigt wird.
Wim Wenders soll außerdem aus den 60 besten Beiträgen einen Gewinner bestimmen. Und weil die User aus den bestehenden Beiträgen über die Playlisten auch wieder eigene Werke zusammenstellen können, soll Wim Wenders auch die beste Compilation, die schöne Zusammenstellung würdigen.

Das Projekt „The Beauty of a Second“ erinnert an vergleichbare Projekte, die es im Internet bereits gegeben hat, das bekannteste Projekt ist zweifellos „Life in a day“, eine Art weltweite Youtube-Collage, die im vergangenen Jahr gestartet ist. Hier konnten User Filme hochladen, die an einem ganz bestimmten Tag, dem 24. Juli 2010 aufgenommen wurden. Daraus wurde dann ein Dokumentarfilm, der das Leben an eben diesem Tag auf der ganzen Welt zeigen sollte.

Daraus ist ein wunderbarer 95-minütiger Dokumentarfilm geworden, der nicht nur einige Tage auf Youtube zu sehen war, sondern auch im Kino gezeigt wurde. Ein schönes Mitmach-Projekt, bei dem auch bekannte Filmemacher und Regisseure mitgemacht haben. Hollywood hat das Internet für sich entdeckt und experimentiert ein wenig herum, wie man die Menschen zum Mitmachen bewegen kann. Ich finde das sympathisch.




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