Mancher Beobachter wundert sich vielleicht, mit welcher Härte Apple, immerhin mittlerweile das wertvollste Unternehmen aller Zeiten, gegen den einstigen Partner und Zulieferer Samsung vorgeht. Gleich dutzendfach stehen Apple und Samsung weltweit vor Gericht – und streiten darüber, ob runde Ecken geschützt sind, wie ein “Home”-Bildschirm aussehen darf, wie sich Smartphone und Tablet bedienen lassen. Apple wirft Samsung immer wieder vor, abgekupfert zu haben.

Es geht um Marktanteile – und Umsatz

Dabei geht es nur vordergründig um Patente und Lizenzen. Worum es eigentlich geht, ist Marktanteile. Apple will seine Marktposition im Bereich Smartphone und Tablets mit aller Macht verteidigen, während andere Hersteller das Ziel haben, ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu ergattern. Vor allem der Tablet-Markt ist ein Milliardengeschäft: Experten erwarten hier in den nächsten Jahren enorme Wachstumsraten. Die Folgegeschäfte sind dabei noch interessanter als der eigentliche Absatz der Hardware. Denn längst sind Smartphones und Tablets mobile Einkaufsstationen.

Wer erst mal ein Smartphone oder Tablet in Betrieb hat, der will dem Gerät auch Leben einhauchen. Genau das geht aber nahezu ausschließlich über die Online-Portale der jeweiligen Hersteller: Wer iPhone oder iPad mit Inhalten versorgen will, muss zu Apple gehen. Google Play hingegen ist die wichtigste Anlaufstelle für alle, die ein Android-Gerät im Einsatz haben, egal von welchem Hersteller es kommt.

Microsoft hingegen hat kürzlich seinen “Windows Marketplace” eröffnet und kredenzt hier ebenfalls digitale Inhalte – für Smartphones mit Windows Mobile und schon bald auch für das neue “Surface”-Tablet von Microsoft.

Portalbetreiber kassiere immer ordentlich mit

Die Welt wird aufgeteilt in einige wenige Online-Portale. Und was wird hier nicht alles verkauft: Apps, Musik, eBooks, Filme. Apple hat eindrucksvoll vorgemacht, wie gut und nachhaltig sich damit Geld verdienen lässt. Wer sein iPad oder iPhone aktiviert, hängt an der Nabelschnur von Apple, kann sich nahezu ausschließlich hier mit Inhalten versorgen. Apple wacht streng darüber, dass sich das auch nicht ändert. Google und Microsoft eifern dem Vorbild nach, gehen ganz ähnlich vor. Die drei Großen der Branche versuchen, den Markt weitgehend unter sich aufzuteilen – und es könnte ihnen gelingen.

Egal, was verkauft wird, ob Musik, eBooks, Apps oder Filme – immer kassieren die Portalbetreiber mit, bis zu 30 Prozent. Und weil sich die Zahl der Smartphones und Tablets derzeit explosionsartig entwickelt – an jedem Tag werden mittlerweile über eine Million neue Android-Smartphones aktiviert -, entwickelt sich auch der Markt für digitale Güter enorm. Die Onlineportale entwickeln sich zu wahren Goldgruben.

Die meisten User bleiben treu – weil es günstiger ist

Kein Wunder also, dass Apple, Google und Microsoft mit allen Mitteln versuchen, ihre jeweilige Konkurrenz aufzuhalten, da sind auch Rechtsstreitigkeiten vor Gericht kein Tabu. Es wird um jeden User gekämpft, denn der Mensch an sich ist träge. Hat er erst mal ein Smartphone mit iOS, Android oder Windows 8 im Einsatz, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch das Tablet mit demselben Betriebssystem ausgestattet ist (oder umgekehrt). Die meisten User bleiben in der jeweiligen “Welt”, sie wollen nicht ständig umdenken – und niemand kann ihnen das verübeln.

Abgesehen davon: Wer auf einem iPad eine App kauft oder bei iTunes einen Musiktitel erwirbt, der kann seinen Einkauf heute – Cloud sei Dank – auch auf dem iPhone oder Mac nutzen, oder in umgekehrter Reihenfolge. Man muss also nur einmal bezahlen, kann die Inhalte aber auf verschiedenen Geräten nutzen. Verlockend! Google und Microsoft gehen ganz ähnlich vor. Bedeutet aber auch: Wer ein iOS-Smartphone hat, wird nicht ohne weiteres ein Android-Tablet benutzen, schon allein deswegen, weil alle Apps, Musiktitel und eBooks ansonsten neu gekauft werden müssten.

Daher sollte man sich wohl überlegen, womit man einsteigt, welche Welt man als erstes betritt – ob iOS, Android oder Windows. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man dieser Welt lange Zeit treu bleibt.