Die Terrorgruppe geht nicht nur mit extremer Brutalität gegen die Menschen vor, sie rühmt sich auch noch damit – und nutzt die modernen Medien wie Internet oder Social Media, um ihre Taten zu verbreiten, um Angst und Schrecken zu verbreiten und PR in eigener Sache zu machen. Da landen Videos von enthaupteten US-Journalisten auf Facebook, Twitter und Co. – und es passiert nichts. Hat man jedenfalls den Eindruck, denn die grausamen Videos verbreiten sich ja. Aber muss das so sein?

Viele User fragen sich, wie die grausamen Videos überhaupt und dann auch noch immer wieder in die sozialen Netzwerke gelangen? Die Antwort ist einfach: Die Terroristen gehen mit der Zeit. Sie setzen nicht nur moderne Fahrzeuge und Waffen ein, sie machen sich auch die Möglichkeiten der modernen Medien zunutz. Sie wollen abschrecken und für sich werben. Weil Fotos und Videos in sozialen Netzwerken schnell dutzendfach kopiert werden, lässt sich die Verbreitungslawine nur schwer stoppen.

Das Problem: Selbst traditionelle Medien wie Fernsehsender oder Zeitungen haben Ausschnitte aus den Videos gezeigt oder Fotos gedruckt. Das hat den Effekt natürlich verstärkt, denn wer zensierte Bilder im Fernsehen sieht, der wird unnötig neugierig gemacht – und sucht dann womöglich gezielt im Netz. Die Medienberichterstattung hätte diskreter und indirekter sein müssen. So hat sie der Terrormiliz in die Hände gespielt.

Unterbinden ist schwierig, aber nicht unmöglich

Aber warum ist es so schwierig, die Verbreitung solcher furchtbaren Inhalte zu unterbinden? Das erste Enthauptungsvideo geistert noch heute durchs Netz. Das zweite ist zumindest etwas weniger stark verbreitet. Man muss sich schon anstrengen, es zu finden. Solche unerwünschten, grausamen Inhalte in sozialen Netzwerken zu filtern ist schwierig.

Anonymität im Netz erschwert die Arbeit, Inhalte werden blitzschnell kopiert. Außerdem ist es nicht ganz leicht, Bilder und Videos zu identifizieren. Wohlgemerkt schwierig, nicht unmöglich. Schließlich gelingt es auch Fotografen, missbräuchlich verwendete Fotos aufzuspüren und auch urherberrechtich geschützte Videos lassen sich finden. Es ist letztlivh alles nur eine Frage des Willens und des Aufwand.

Beim zweiten Enthauptungsvideo hat das mit dem Filtern offensichtlich schon besser geklappt. Die Betreiber der sozialen Netzwerke waren auf ihre Aufgabe vorbereitet und konnten so schneller reagieren. Sie haben zügig reagiert, sie haben Accounts gesperrt, Inhalte entfernt und so den Schneeballeffekt vermieden. Das zweite Enthauptungsvideo der Terroristen findet man nicht so leicht.

Ausweichen auf andere Plattformen

Doch ISIS gibt nicht auf. Die Gruppe setzt nun auch auf andere Verbreitungswege wie Diaspora, ein relativ unbedeutendes soziales Netzwerk, das aber aus Sicht der Terroristen einen entscheidenden Vorteil hat: Diaspora ist ein Peer to Peer Netzwerk ohne Zentrale. Hier lassen sich Inhalte nicht so leicht filtern oder sperren.

Diaspora

Aber auch die User wehren sich aktiv gegen die geschmacklosen Posts und Tweets. Unter dem Hashtag #ISISmediaBlackout protestieren sie gegen die Verbreitung solcher Videos. Sie klagen auch aktiv alle an, die beim Verbreiten mitmachen – auch Onlinedienste und Medien, die Ausschnitte aus dem Video veröffentlicht haben.

Die Onlinedienste und sozialen Netzwerke betonen einstimmig, dass sie alle die Verbreitung solcher Inhalte verhindern wollen. Allerdings wollen sie keine oder nur selten automatische Verfahren nutzen, um solche Inhalte zu identifizieren und zu sperren. Man verlässt sich lieber auf die Meldung durch User. Jeder, der solche Inhalte irgendwo im Netz entdeckt, sollte also unverzüglich den Provider informieren und auf Sperren der Inhalte drängen.