Immer am Jahresende verrät YouTube, welche Videos besonders häufig angeschaut wurden. Außerdem wird ein eigenes Video erstellt, in dem alle populären YouTube-Filmchen zitiert werden . YouTube Rewind. Leider gibt es immer mehr Flachsinn und Banalitäten auf YouTube.

Wer wissen möchte, was bei der Community so ankommt, der schaue sich das populärste Video auf YouTube im Jahr 2015 an: Eine 4-Jährige fährt in einem pinkfarbenen Plastikauto vor und dance-moved dann mit Familie, Freunden und Mama zu Silentos Hit „Watch Me“. Niedlich. Aber 116 Millionen Klicks.

Niedlich ist das Stichwort: Was niedlich ist, der hat Chancen auf hohe Klickzahlen. So wie der Affe ist, der sich schlapp lacht, als ihm ein Zoobesucher einen Zaubertrick zeigt.

Niedlich. Oder das Video, in dem die ganz Wohnung zu einem Bällebad wird, während Mama einkaufen geht – und wenn sie nach Hause kommt, auf den Streich reagieren darf. Nur einige Beispiele, was dieses Jahr angesagt war und angesagt ist.

youtube-logo-3d

Von Schwachsinn bis Flachsinn

Sonderlich anspruchsvoll ist nichts der Top10. Schlimmstenfalls Schwachsinn, bestenfalls Flachsinn – das ist in etwa die Bandbreite der zehn populärsten YouTube-Videos des Jahres 2015. Das Bedenkliche daran: Allein diese zehn Videos wurden 25 Millionen Stunden lang angeschaut, produziert von Kanälen mit rund 40 Millionen Abonnenten.

Ohne jeden Erkenntnisgewinn. Ausschließlich Banalitäten. Ist das nicht traurig, wo es doch immer heißt, das Internet bringe uns allen das Wissen der Welt nach Hause? Besonders wichtig scheint das den meisten nicht zu sein. Es geht wohl eher um Unterhaltung. Die Bildqualität wird immer besser, das inhaltliche Niveau immer schlimmer.

altes-youtube-logo1

YouTube Rewind

Zwar hat YouTube diese zehn populärsten Videos optisch einfallsreich und produktionstechnisch durchaus opulent in seinem traditionellen YouTube Rewind Video zusammengesetzt. Aber auch das ist wieder pure Unterhaltung. Ich befürchte: Dieser Erfolg motiviert noch mehr Menschen in aller Welt, das ohnehin schon niedrige Niveau weiter zu unterbieten.

Denn das Netz belohnt das Geistlose: Niveau stört nur. Und Nachdenken lenkt vom Klicken ab. Ich will wirklich keine Spaßbremse sein, ich mag auch schon mal einen intelligenten Sketch, gut gemachte Comedy. Aber so ausschließlich, in dieser Dichte, mit dieser Wucht? Da mache ich mir Sorgen.

Fernsehen macht kräftig mit

Auch wenn man genauer hinschaut, wird es nicht besser. Es gibt  natürlich erfreuliche Ausnahmen. LeFloid ist so eine Ausnahme. Hier denkt jemand nach, LeFloid will was bewegen. Er hat ein Anliegen. Auch das Video mit Barack Obama, der Tweets vorlesen muss, in denen er gedisst wird, hat etwas.

Denn das ist gelungene Satire: Der mächtigste Mann der Welt liest Kommentare vor, in denen er selbst kritisiert wird. Allerdings ist dieses Video aus der Fernsehsendung Jimmy Kimmel Live.

VIeles kommt aus dem Fernsehen

Vier Videos der Top Ten kommen aus dem Fernsehen. Was zeigt: Das Fernsehen versucht, sich dem YouTube-Publikum anzudienen. Was auf der einen Seite richtig ist, angesichts dessen, was bei YouTube aber so ankommt, auch wieder Sorgen bereiten sollte.

Wenn Schmink-Shopping-Kanäle wie Bibis Beauty Palace zum Besten gehört, was das deutschsprachige YouTube hervorbringt, mache ich mir halt Sorgen. Um Relevanz geht es bei YouTube nicht. Auch nicht darum, Erkenntnisgewinn anzustreben. Es geht einzig und allein um Klicks. Um Guckzeit. Denn das lässt sich in Euro konvertieren. Es wird nicht mal der Versuch unternommen, das zu kaschieren oder zu relativieren. Warum auch. Es stört ja keinen.