Bei Massenereignissen wie der Fußball-EM fällt es besonders deutlich auf – und auch ins Gewicht: Manchmal hört man die Nachbarn früher jubeln als sich selbst – weil bei denen das Tor eher fällt. Wie kann das sein?
Wie kann es passieren, dass mein Nachbar ein Tor eher sieht als ich selbst?
Ganz einfach: Es gibt heute die unterschiedlichsten Ausspielwege. Früher haben wir alle über Antenne geschaut, da waren wir alle gleich. Doch heute schauen wir über Antenne, DVB-T, Kabelanschluss, Satellit, IP-TV (also Fernsehen übers Internet) oder direkt in einer Smartphone-App. Jeder dieser Wege braucht eine unterschiedliche Zeit, um bei uns anzukommen. Und das sind erhebliche Unterschiede: Experten haben von der schnellsten bis zu langsamsten Technik 56 Sekunden gemessen. Bei guten Spielen kann in dieser Zeitspanne ohne weiteres ein weiteres Tor fallen.

Fußball; Pixabay

Das heißt; Nicht die Fernseher sind schuld – sondern die Art und Weise, wie die Fernsehsignale kommen?
Die Geräte, die wir benutzen, spielen schon auch eine Rolle. Die Geräte sind heute fast alle digital. Auch große Flachbildschirme brauchen heute durchaus schon mal ein paar Sekunden, um die Signale – egal auf welchem Weg sie kommen – zu verarbeiten, bevor sie auf dem Bildschirm zu sehen sind. Das allein kann schon einen Unterschied machen. Dann ist es aber so, dass ein Bildsignal im Kabelnetz eine andere Zeit braucht als über Satellit oder übers Internet. Dadurch potenzieren sich die Unterschiede noch einmal.

Kann man denn sagen, welcher Übertragungsweg der schnellste ist – und welcher der langsamste?
Klar, kann man sagen. Beispiel Ein Spiel im ZDF. Nahezu zeitgleich jubeln hier die Fans, die Satellit SD (also geringe Auflösung), Satellit HD oder das neue DVD-T2 HD verwenden. Es folgen DVB-T, Kabel analog und Kabel HD und SD. Man kann also schon mal klar sagen: Kabel ist langsamer als Satellit.

Warum? Weil die Signale in der Regel sowieso per Satellit verteilt werden, dann von den Kabelbetreibern eingefangen und verteilt werden müssen. Wer moderne Methoden zum Fernsehen benutzt wie Entertain (Fernsehen per Internet), kommt erst danach dran: Das macht schon 11 Sekunden aus. Noch langsamer sind Streamingdienste und Apps. Zattoo braucht 30 Sekunden, TV.de und ZDF Mediathek fast 38 Sekunden. Der Onlline-Streamingdienst Magine bracht sogar 57 Sekunden.

Jubel Checker

Das sind erhebliche Unterschiede. Kann ich denn zu Hause selbst rausfinden, wo ich in punkto Verzögerung liege?
Ja, es gibt einen Jubel-Checker. Das ist eine kostenlos erhältliche App für iOS und Android. Die muss man laden – und dann die App über das Mikrofon mithören lassen, egal ob man Fernsehen, App oder was auch immer benutzt. Das funktioniert aber nur, wenn gerade ein Spiel live übertragen wird. Die App hört mit, wertet die Jubelschreie im Gerät aus – und sagt einem dann, wie viele Sekunden man hinter dem eigentlichen Live-Signal hinter hinkt.