75 Jahre Barcode: Warum die Striche überleben

von | 09.10.2017 | Digital

Wir sehen sie jeden Tag, nehmen sie aber kaum wahr: Barcodes. Seit über 75 Jahren gibt es die Strichcodes – und sie sind längst nicht so langweilig, wie ihr vielleicht denkt. Während QR-Code, NFC und KI-basierte Bilderkennung dem klassischen Barcode Konkurrenz machen, erlebt er gleichzeitig eine überraschende Renaissance.

Barcode, Strichcode, Balkencode – wir verwenden unterschiedliche Bezeichnungen dafür. Die meisten von uns wissen: Die unterschiedlich breiten Striche auf der Verpackung stehen für einen eindeutigen Code.

Jedes Produkt hat so einen Produktcode. Den können moderne Kassen einlesen (scannen) und so den Preis ermitteln. Richtig. Aber weil der Barcode mittlerweile über 75 Jahre alt ist, lohnt sich ein genauerer Blick. Denn die Sache ist deutlich interessanter und zukunftsträchtiger, als es scheint.

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Bereits 1949 erfunden – heute wieder hochaktuell

Fangen wir mit etwas Unerwartetem an: Ihr könnt Barcodes hören, denn Barcodes sind Musik. Die App Barcodas verwandelt jeden Strichcode in Melodien – einfach Barcode scannen und zuhören. Das funktioniert, weil Barcodes im Grunde visuelle Morse-Codes sind.

Erfunden wurden die Barcodes bereits 1949. Die Studenten Norman Joseph Woodland und Bernard Silver suchten nach einer Lösung, damit Registrierkassen im Supermarkt Preise automatisch erkennen. Ihre geniale Idee: Das Morse-Alphabet visuell darstellen – dicke und dünne Striche statt langer und kurzer Töne.

Im Oktober 1949 beantragten sie das Patent, 1952 wurde es erteilt. Doch erst in den 70ern kam der Barcode flächendeckend in US-Supermärkten zum Einsatz. Das Morse-Alphabet ist also keineswegs Geschichte – es begegnet uns täglich millionenfach.

Von Europa über QR bis zu modernen Hybrid-Lösungen

In Europa startete der Barcode 1976 mit der EAN (Europäische Artikelnummer). Besonders hartnäckig waren die Aldi-Filialen: Aldi Süd führte Barcode-Scanner erst 2000 ein, Aldi Nord sogar erst 2003.

Der nächste Evolutionsschritt waren QR-Codes in den 90ern aus Japan. Diese 2D-Barcodes speichern deutlich mehr Informationen und lassen sich in alle Richtungen scannen. Smartphones können sie problemlos lesen – was während der Corona-Pandemie für kontaktlose Speisekarten und Check-ins sorgte.

2026 erleben wir eine interessante Entwicklung: Statt QR-Codes zu verdrängen, ergänzen sie klassische Barcodes perfekt. Viele Produkte tragen heute beide Codes – den EAN-Barcode für Kassensysteme und QR-Codes für zusätzliche Verbraucherinformationen.

KI und Computer Vision verändern alles

Amazon Go war nur der Anfang. 2026 setzen immer mehr Händler auf KI-basierte Bilderkennung. Kameras identifizieren Produkte automatisch – ohne jegliche Codes. Rewe, Edeka und sogar kleinere Supermärkte testen „Just Walk Out“-Technologien.

Doch überraschend: Barcodes verschwinden trotzdem nicht. Sie dienen als Backup-System, wenn KI-Erkennung versagt, und bleiben Standard für Logistik und Lagerhaltung.

NFC und Smart Labels auf dem Vormarsch

Near Field Communication (NFC) revolutioniert ebenfalls den Handel. Smart Labels übertragen nicht nur Preise, sondern Herkunft, Nährwerte, Allergiehinweise und sogar Rezeptvorschläge direkt aufs Smartphone.

Viele Lebensmittelhersteller experimentieren mit programmierbaren Etiketten, die ihr Mindesthaltbarkeitsdatum in Echtzeit anzeigen. Das reduziert Lebensmittelverschwendung drastisch.

Blockchain meets Barcode

Ein spannender Trend 2026: Blockchain-Integration in Barcodes. Jeder Code wird zur unfälschbaren Identität eines Produkts. Verbraucher können die komplette Lieferkette nachverfolgen – vom Rohstoff bis ins Regal.

Besonders bei Bio-Produkten, fairer Mode und Elektronik etabliert sich diese Transparenz als Kaufkriterium.

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Die Zukunft ist hybrid

Statt einer Technologie wird sich ein Mix durchsetzen: Klassische Barcodes für schnelle Kassenprozesse, QR-Codes für Verbraucherinfos, NFC für Premium-Erlebnisse und KI für nahtloses Einkaufen.

Der über 75 Jahre alte Barcode bleibt also relevant – als Teil eines intelligenten Ökosystems, das Handel und Verbrauchern gleichermaßen dient.

Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026