Meta gerät nicht aus den Schlagzeilen. Ständig gibt es neue Probleme: Probleme mit dem Datenschutz, Probleme mit der Privatsphäre, Probleme mit Hatespeech und Desinformation, um nur einige Beispiele zu nennen. Aber warum bleiben trotzdem alle dabei? Weil da so viel los ist, weil auch die anderen da sind. Es mangelt halt an Alternativen. Und an konsequenten Vorschriften. Derzeit macht Meta wieder eine PR-Kampagne. Sie wollen gute Stimmung.
Wie heißt es so schön in aktuellen PR-Spots von Meta:
„Wir bauen die Zukunft des sozialen Miteinanders.“
Zweifellos ein großes Versprechen. Aber auch ein hohles, wenn man sich die Realität anschaut. Diese Werbespots sind derzeit im Fernsehen, aber auch im Netz zu sehen – vor allem auf den eigenen Plattformen. Meta versucht, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. Damit das „f“ wieder für Fortschritt und Freunde steht, so die Botschaft.
PR-Kampagne passt zu Meta
Diese PR-Kampagne passt wirklich wunderbar zu Meta. Wachsweise Entschuldigungen, ohne wirklich konkret und konsequent etwas zu ändern.
„Wir nehmen unsere Verantwortung ernst“, heißt es in den aktuellen Kampagnen. Das ist wohl die Phrase schlechthin – seit Jahren dieselbe Leier.
„Wir arbeiten jeden Tag daran, unsere Plattformen sicherer zu machen.“ Das entspricht dem Mantra von Meta-Chef Mark Zuckerberg. Egal wo er auftritt, immer und überall sagt er: „Ich habe verstanden. Ich habe Fehler gemacht. Wir werden uns bessern!“
Diesem Trick ist Zuckerberg auch vor dem US-Kongress, dem US-Senat und der EU treu geblieben. Die neuen PR-Kampagnen bedienen also dieselbe Masche. Und die lautet: Meta bittet niemals um Erlaubnis, aber dafür immer um Entschuldigung. Mark Zuckerberg übernimmt nur ungern echte Verantwortung – und sein Konzern ganz genauso.
Kritik wird immer lauter
Die Kritik an Meta nimmt weiter zu. Experten wie die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen haben mit den „Facebook Files“ 2021 gezeigt, wie bewusst Meta schädliche Inhalte toleriert, um das Engagement zu steigern. Der amerikanische Internetpionier Jaron Lanier kritisiert Meta schon seit langem – und lautstark. Er nennt uns in seinem Buch zehn gute Gründe, wieso wir die sozialen Netzwerke verlassen sollten.
Denn Meta sammle nicht nur völlig unkontrolliert Daten im großen Stil, sondern manipuliere seine Nutzer außerdem. Vor allem durch extrem auf die Persönlichkeit zugeschnittene Werbung und Algorithmen, die gezielt polarisierende Inhalte bevorzugen. Außerdem machten Netzwerke wie Facebook und Instagram gezielt und gewollt abhängig. Auf solche fundamentale Kritik geht Meta mit keinem Wort konkret ein.
Stattdessen investiert der Konzern Milliarden in das Metaverse-Projekt – ein virtuelles Paralleluniversum, das bisher hauptsächlich Verluste eingefahren hat. Während die Kernprobleme der bestehenden Plattformen ungelöst bleiben.
Machtmonopol wird immer problematischer
Meta baut lieber seinen Machtbereich aus: Über drei Milliarden User bei Facebook, dazu WhatsApp mit mehr als zwei Milliarden Nutzern, Instagram mit ebenfalls über zwei Milliarden und der Facebook Messenger. Ein gigantisches Netzwerk. Eine bedenkliche Machtkonzentration, die auch Regulierungsbehörden weltweit zunehmend beschäftigt.
In der EU haben neue Gesetze wie der Digital Services Act (DSA) und der Digital Markets Act (DMA) Meta zu mehr Transparenz verpflichtet. Die Plattformen müssen jetzt offenlegen, wie ihre Algorithmen funktionieren und Nutzern mehr Kontrolle über ihre Feeds geben. Ein wichtiger Schritt, aber noch lange nicht genug.
„Meta hat mittlerweile in Teilen des sozialen Netzes Monopolcharakter. Es dominiert einen Großteil unserer Smartphones und unserer Kommunikation und legt einseitig die Regeln fest. Das sollten wir in einer Demokratie nicht akzeptieren.“
Wohl wahr. Der Gesetzgeber hat bereits erste Schritte unternommen, aber es braucht mehr. Es geht nicht nur darum, sich mit Nebenkriegsschauplätzen wie Hatespeech aufzuhalten, sondern darum, die Macht an sich aufzubrechen.
Interoperabilität als Lösung
Ein konkreter und praktikabler Vorschlag: Meta und andere große Plattformen müssen interoperabel werden. Das bedeutet: Die Netzwerke dürfen nicht mehr geschlossen sein. Wer Signal, Telegram oder andere Messenger nutzt, sollte auch mit WhatsApp-Usern Nachrichten austauschen können. Und wer ein anderes soziales Netzwerk nutzt, sollte auch Postings aus Facebook liken oder teilen können. Und umgekehrt.
Die EU hat bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen. Der Digital Markets Act verpflichtet große Plattformen dazu, ihre Dienste für andere Anbieter zu öffnen. WhatsApp muss beispielsweise bis 2027 Nachrichten von anderen Messengern akzeptieren können.
Das würde die Chancen für neue Netzwerke und innovative Alternativen enorm erhöhen. Denn dann könnten Nutzer zu anderen Plattformen wechseln, ohne ihre Kontakte zu verlieren.
Neue Alternativen entstehen
Tatsächlich sind in den letzten Jahren einige interessante Alternativen entstanden: Mastodon als dezentrales Twitter-Alternative, BeReal als authentischere Instagram-Variante, oder Signal als datenschutzfreundlicher WhatsApp-Ersatz. Diese Plattformen setzen auf andere Werte: Datenschutz statt Datensammlung, Chronologie statt manipulative Algorithmen, Transparenz statt Intransparenz.
Das Problem: Solange die großen Netzwerke geschlossen bleiben, haben neue Anbieter kaum eine Chance. Wer wechselt schon zu einer Plattform, wo die Freunde nicht sind? Interoperabilität würde dieses Problem lösen.
Die Frage ist: Werden die neuen Gesetze ausreichen, um echte Veränderungen zu bewirken? Oder bleiben es nur kosmetische Korrekturen, während Meta weiter seine PR-Kampagnen fährt und das Grundproblem bestehen bleibt? Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der Gesetzgeber ernst macht – oder ob es bei wohlklingenden Entschuldigungen und Marketing-Sprüchen bleibt.
Zuletzt aktualisiert am 08.03.2026









