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Facebook in Europa verzeichnet Nutzerschwund

Wäre Facebook ein Land, es wäre das größte der Erde. Mit mehr Bürgern als Indien oder China. 2,24 Milliarden Nutzer weltweit hat die Firmenzentrale vor einigen Tagen in ihrem Quartalsbericht gemeldet. So viele wie noch nie. Facebook wächst weiterhin rasant – nur nicht in Europa. Hier ist die Zahl der User, wenn auch minimal, zurückgegangen. Kommt auf Facebook das Ende des Booms zu?

In Europa kehren zumindest einige Menschen Facebook den Rücken. Facebook meldet in Europa im letzten Quartal 375 Millionen monatlich aktive User. Als aktiv gilt, wer sich mehr als einmal im Monat bei Facebook anmeldet.

Im Quartal davor waren es 376 Millionen. Die Zahl der aktiven User ist also um eine Million gesunken. Das klingt erst mal nicht dramatisch und ist auch nicht gleich dramatisch, aber widerspricht so vollständig dem irrsinnigen Wachstum, das man im Silicon Valley kennt und erwartet.

Das Vertrauen schwindet

Es gibt aus meimer Sicht zwei Gründe, wieso in Europa die Zahlen sinken. Natürlich ist ein Markt irgendwann auch gesättigt. Mehr als alle Menschen in einem Land kann man nicht zu Usern machen. Doch entscheidend ist in Europa zweifellos, dass der zurückliegende Cambridge-Analytica-Skandal hier bei uns in Europa für das größte Aufsehen gesorgt hat.

In den USA war man auch „not amused“, aber in Europa gab es Empörung. Vielen Menschen reicht es einfach – und sie gehen. Hinzu kommt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die seit Mai 2018 in Kraft ist und Facebook wie andere Onlinedienste zwingt, die Dinge offener zu legen.

Dadurch bekommen die Menschen klarer mit, was Facebook eigentlich macht – nämlich: Daten sammeln. Vielen gefällt das nicht und sie nutzen Facebook nicht mehr.

Problem für alle Sozialen Netzwerke

Ist das für Facebook und andere Social Media Dienst ein Problem – oder angesichts der noch geringen Zahlen eher egal?

Egal ist das ganz sicher nicht. Der kometenhafte Aufstieg der Facebook-Aktie wird nun natürlich in Frage gestellt. Es wird auch gefragt, ob sich die Probleme, die Facebook in Europa hat, nicht früher oder später auch in anderen Regionen ergeben könnten. WhatsApp zum Beispiel hat durchaus auch in anderen Ecken der Welt ein Problem.

Auch WhatsApp in der Kritik

In Indien ist WhatsApp in der Kritik, weil der Messenger-Dienst beim Verbreiten von Falschnachrichten geholfen hat, die am Ende zu Lynchmorden geführt haben. WhatsApp als Verteilstation für Fake-News und Unsinn. Ähnlich in Brasilien: Hier wurden vor der Wahl viele Falschmeldungen rausgehauen, um dem politischen Gegner zu schaden.

Ein klarer Fall von Wahlmanipulation – über WhatsApp. Die Wahlbehörde hat dort 100.000 WhatsApp-Konten sperren lassen, aber WhatsApp hat nicht gerade kooperiert, sondern nur widerwillig den Anweisungen der Behörden Folge geleistet. Das ist alles keine gute Werbung – und lässt die Frage lauter werden, wie denn mit WhatsApp Geld verdient werden soll.

Gibt es denn Alternativen?

Das am schnellsten wachsende und an Popularität gewinnende sogenannte Soziale Netzwerk ist Instagram. Hier strömen die Leute in Heerscharen rein. Hier haben wir ganz andere Probleme als bei Facebook, vor allem mit Influencern und Schleichwerbung. Aber hier gehen viele hin – allerdings gehört Instagram auch zu Facebook.

Echte Alternativen, die nicht in der Hand von Großkonzernen sind, gibt es nicht. Google+ hat vor kurzem seine Tore geschlossen. Alternative Netzwerke wie Ello oder Diaspora gibt es zwar. Allerdings gibt es hier praktisch keine Inhalte:

Man ist nahezu allein, wenn man dort ist. So funktioniert ein Soziales Netzwerk aber nicht. Je mehr Menschen um einen herum sind, desto besser. Das ist die magnetische Sogkfragt, die bereits erfolgreiche Netzwerke wie Facebook, YouTube, WhatsApp oder Instagram haben.

 

Also Facebook auf immer und ewig?

Die Dinge können sich schnell entwickeln. Facebook hat die Welt lange genug an der Nase herumgeführt. Gut möglich, dass sich das nun endlich rächt – was verdient wäre. Mark Zuckerberg macht sich auch bereits Gedanken über das Facebook der Zukunft, denn die Timeline – also die Zeitleiste, in der alle Beiträge chronologisch auftauchen –, hat sich auch schon verbraucht.

Es werden immer öfter Stories veröffentlicht. Das ist bei Instagram so, bei WhatsApp und Facebook. Also kurze Bilderfolgen, die wie Geschichten wirken. Facebook muss und wird sich überlegen, wie die wiederum zu Geld zu machen sind. Und die User werden sich überlegen, ob sie sich das gefallen lassen.

 

 




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