In Sachen Überwachung gibt es einen ungekürten Weltmeister: China. Hier werden nicht nur mit Hochdruck neue Technologien zur Überwachung entwickelt, sondern auch gleich eingesetzt. Widerstand aus der Bevölerung ist nicht zu befürchten. In einigen Schulen müssen die Schüler jetzt spezielle Westen tragen, die mit Überwachungs-Chips ausgestattet sind.

China zeigt der Welt, was in puncto Überwachung alles möglich ist. Nicht nur technisch, sondern generell. Von komplett überwachten Innenstädten, in denen Wohl- und Fehlverhalten aller Bürger registriert und durch Gesichtserkennung auch gleich entsprechend verbucht werden kann, haben wir schon gehört – ein erster erkennbarer Auswuchs von Künstlicher Intelligenz (KI).

Doch die Überwachung geht munter weiter: In einigen chinesischen Provinzen tragen Schüler mittlerweile mit speziellen Chips ausgestattete Jacken. Damit lassen sich die Schüler stets genau orten. Angeblich nur, wenn sie sich auf dem Schulgelände befinden. Kommen sie pünktlich? Befinden sie sich in den richtigen Räumen? Stehen sie aufrecht oder liegen sie faul herum? Die Jacke verrät’s …

Chinesische Schüler müssen spezielle Schuluniform tragen

In jeder „intelligenten Uniform“ ein Chip

Jeder muss seine „intelligente Uniforn“ auf dem Schulgelände tragen. Die Jacken sollen den Schülerinnen und Schülern angeblich den Alltag erleichtern und ihr Lernverhalten verbessern. Ist das nicht fürsorglich? Gezieltes Dauer-Tracking durch Zauberjacke statt Gesichtserkennung auf dem Schulgelände. Doch der angebliche Komfort ist nur vorgeschoben. In Wahrheit geht es um Überwachung total.

Das Ziel: Artige Mitbürger. Denn wer ständig überwacht wird und sich darüber im Klaren ist, der verhält sich anders. Angepasster. Das weiß jeder, der „The Circle“ gelesen hat – oder die Macht der Sozialen Netzwerke zu Ende denkt und die Enthüllungen von Edward Snowden noch nicht völlig vergessen hat.

KI wird in China im Eiltempo weiter entwickelt. Vor allem dort, wo sie zur Überwachung eingesetzt werden kann. Aus Cities werden „Smart Cities“. Aus einem Campus ein „Smart Campus“. Zwar werden weder Städte noch Universitäten smart, nur weil jeder jederzeit überwacht wird. Aber der Staat ist besser im Bilde. Er weiß viel mehr – smart ist das nicht.

KI kann nicht nur überwachen, sondern sogar schon selbst Fotos erstellen

Wer an smart glaubt, ist alles andere als smart

„Smart“ ist natürlich nur das Verkaufsargument für die Überwachungsapparatur. Denn wer will sich schon wehren, wenn etwas „smart“ werden soll? Eben! Künstliche Intelligenz verarbeitet die ungeheuren Datenmengen, die durch Gesichtserkennung oder getrackte Chip-Jacken anfallen, ohne mit der virtuellen Wimper zu zucken. Was dabei herauskommt? Wem das alles dient? Das erfahren die Überwachten nicht. Sie sollen sich freuen, dass sie in einer „smarten“ Welt leben. Klasse.

Wir sollten von China lernen. China macht vor, welche Konsequenzen es haben kann, wenn alles gemacht wird, was technisch möglich ist – ohne jede Debatte über Chancen, Risiken und gesellschaftliche Folgen. Wir sollten hier bei uns nicht denselben Fehler machen. Es empfiehlt sich jedenfalls nicht, den Chinesen alles nachzumachen, nur um „nicht den Anschluss zu verlieren“, wie es gerne heißt.