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Digitalisierung und Klimaschutz: Wie IT zum Klimakiller wird

von | 24.06.2019 | Digital

Klima und Klimaschutz sind mittlerweile das wichtigste Thema unserer Zeit. Das ist gut so, denn auch ohne Wissenschaft muss doch jedem denkenden Menschen klar sein: Ressourcen wie Kohle, Öl und Gas sind endlich – und Atomenergie ist gefährlich.

Wer sich keine Gedanken über Energienutzung macht, handelt unverantwortlich. Welche Auswirkungen der CO2-Ausstoß auf das Klima hat, ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Digitalisierung spielt dabei eine immer größere Rolle – sowohl als Problem als auch als Teil der Lösung.

Einfluss der Digitalisierung auf das Klima

Die Digitalisierung hat einen enormen Einfluss auf das Klima – und der wird oft unterschätzt. Die Zahlen sind beeindruckend: 2026 verursacht die IT-Branche bereits etwa 4 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Das entspricht ungefähr dem CO2-Ausstoß der gesamten Luftfahrtindustrie.

Dabei sind es nicht nur die offensichtlichen Stromfresser. Die Herstellung von Smartphones, Laptops und IT-Infrastruktur verschlingt Unmengen an Energie und seltenen Erden. Ein einziges Smartphone benötigt in der Produktion etwa 85 Kilogramm CO2 – bevor es überhaupt eingeschaltet wird. Bei über 1,4 Milliarden verkauften Smartphones weltweit pro Jahr wird das schnell zu einem massiven Klimafaktor.

Auch der Betrieb des Internets kostet jede Menge Energie. Rechenzentren verbrauchen mittlerweile rund 1 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. In Deutschland sind es sogar 16 Prozent des gesamten Energiebedarfs, der für IT und Kommunikation aufgewendet wird – Tendenz stark steigend.

Streaming und KI als neue Klimakiller

Besonders problematisch: Der explodierende Datenverbrauch. Videos machen heute über 80 Prozent des Internet-Traffics aus. Eine Stunde Netflix in 4K verursacht etwa 6,1 Kilogramm CO2 – so viel wie eine 18 Kilometer lange Autofahrt. Forscher haben berechnet, dass es klimatechnisch oft schlechter ist zu streamen als – wie früher – physische Medien zu nutzen. Schon allein, weil der Konsum explodiert ist.

 

Musik und Videos streamen: Nicht unbedingt klimafreundlich

Noch dramatischer wird es durch KI und Künstliche Intelligenz. Das Training großer Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude verbraucht so viel Strom wie eine Kleinstadt. Eine einzige ChatGPT-Anfrage benötigt etwa zehnmal so viel Energie wie eine Google-Suche. Microsoft musste 2025 sogar stillgelegte Atomkraftwerke reaktivieren, um den Energiehunger ihrer KI-Rechenzentren zu stillen.

Die Kryptowährung Bitcoin verbraucht jährlich so viel Strom wie ganz Argentinien. Ethereum hat 2022 durch den Wechsel von „Proof of Work“ zu „Proof of Stake“ seinen Energieverbrauch um 99,9 Prozent reduziert – ein Hoffnungsschimmer, dass Lösungen möglich sind.

Green IT: Lösungen sind möglich

Trotz aller Probleme kann die Digitalisierung auch Teil der Lösung sein. Smart Grids optimieren Stromnetze und reduzieren Verluste. KI hilft bei der Wettervorhersage für Windkraftanlagen und optimiert Energieverbrauch in Gebäuden. Videokonferenz-Tools haben Millionen von Geschäftsreisen ersetzt.

Ein wichtiger Schritt ist, Rechenzentren komplett mit regenerierbaren Energien zu betreiben. Google ist seit 2017 CO2-neutral, Microsoft will bis 2030 CO2-negativ werden. Apple betreibt alle Rechenzentren mit 100 Prozent erneuerbarer Energie. Amazon Web Services hinkt noch hinterher, obwohl sie mit 32 Prozent Marktanteil der größte Cloud-Anbieter sind.

Wir als Nutzer haben durchaus Einfluss. Wer bei einem grünen Hosting-Anbieter seine Website betreibt, Netflix nur in HD statt 4K schaut oder sein Smartphone länger nutzt, leistet einen Beitrag. Green-IT ist längst kein Marketing-Buzzword mehr, sondern eine Notwendigkeit.

Interview mit Martin Baumann (BUND) auf der Klimakonferenz

Was können wir konkret tun?

Die gute Nachricht: Jeder kann sofort anfangen. Smartphones und Laptops länger nutzen, Streaming bewusster einsetzen, bei Cloud-Diensten auf grüne Anbieter setzen. Auch die Politik ist gefragt: Rechenzentren sollten ihre Abwärme für Fernwärme nutzen müssen, energieeffiziente Hardware steuerlich gefördert werden.

Die Digitalisierung wird nicht verschwinden – im Gegenteil. Aber wir können sie klimafreundlicher gestalten. Das ist nicht nur möglich, sondern notwendig. Denn ohne nachhaltige IT gibt es keinen erfolgreichen Klimaschutz.

Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026

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