Bezahlen mit dem Smartphone? Wird immer beliebter… Doch schon bald soll es sogar eine neue Währung geben: Facebook Libra. Wir haben hier im Medienmagazin schon über den angekündigten Start von Mark Zuckerbergs Cyber-Währung gesprochen. Doch nun regt sich Widerstand, vor allem in den USA. Parlament und Präsident wollen die Einführung nicht tatenlos hinnehmen.

Das US-Parlament hat schon wenige Tage nach der Ankündigung von Facebook einen offenen Brief an Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg geschrieben – und darin nicht nur ernsthafte Bedenken geäußert, sondern das Unternehmen sogar aufgefordert, den Libra erst mal zu stoppen. Jetzt hat sich auch US-Präsident Donald Trump in der Sache geäußert, wie üblich auf Twitter. Er fordert eine klare Regulierung aller Kryptowährungen und eine Bankenlizenz für Facebook Libra und andere Kunstwährungen wie den Bitcoin.

Ich finde das völlig richtig. Denn vom Bitcoin wissen wir: Ein echtes Zahlungsmittel ist er nicht – außer im Darknet für illegale Geschäfte. Der Kurs ist extrem volatil, schwankt also wie verrückt, teilweise um mehrere Tausend Dollar am Tag. Aber das ist nicht das Schlimmste.

Der Chef der amerikanischen Notenbank Jerome Powell warnte im Zusammenhang mit Kryptowährungen gerade erst vor einer Gefährdung der Privatsphäre, vor Geldwäsche, lückenhaftem Verbraucherschutz und vor Risiken für die Finanzstabilität. Das sind alles mehr als begründete Aspekte, die man durchdenken muss – vor allem bei einer Kryptowährung wie Libra, die sich anschickt, weltweit zum Einsatz zu kommen.

Schweigen in der Deutschen Politik

Bislang gar nichts. Keine Äußerungen aus Europa – obwohl es klare und berechtigte Signale aus den USA gibt. Ich habe beim Bundesfinanzministerium angefragt. Mehrmals. Kein Statement – außer wachsweise Formulierungen wie: „Müssen wir erst beobachten“ und Hinweise auf Finanzaufsicht und Notenbank. Ein armseliges Statement, denn die Regierung ist dafür verantwortlich, Haltung zu entwickeln und Regeln aufzustellen. Bei den Kryptowährungen duckt sie sich weg.

Begründete Bedenken

Ich finde: Die Bedenken sind begründet.

Niemand weiß, wie z.B. der Libra konkret aussehen soll. Es wird behauptet, es fallen keine Gebühren an und die Währung sei für Menschen ohne Bankkonto. Aber es wird nicht erklärt, wie das gehen soll. Um an Libra zu kommen, muss man Dollar, Euro, Yen wechseln – und das geht nur über Bank- oder Mobilfunkkonto.

Und da fallen natürlich Gebühren an. Bei Facebook liegt natürlich der Verdacht nahe, dass der Konzern vor allem an Nutzerdaten interessiert ist. Versprochen ist, dass keinerlei Informationen über Geldtransaktionen gespeichert oder ausgewertet werden. Wer jedoch mit Facebook, Facebook Messenger, WhatsApp oder Instagram auf sein Libra-Konto zugreift und damit bezahlt, der liefert zumindest indirekt jede Menge interessanter Daten bei Facebook ab. Mark Zuckerbergs Konzern wird schon nicht zu kurz kommen.