eScooter sind derzeit total angesagt: In vielen Städten stehen sie scharenweise herum – und warten nur darauf, mit dem Smartphone ausgeliehen zu werden. Ein Aspekt, der dabei gerne außer Acht gelassen wird: der Datenschutz. Denn die Verleiher von eScootern sammeln jede Menge Daten – und können damit eine Menge anstellen. Wir erfahren es nur nicht.

Wenn es diesen Sommer einen Trend gibt, dann den: eScooter. Die mit E-Kraft betriebenen Roller sind mittlerweile nicht mehr nur in Paris, London oder Kopenhagen zu sehnen, sondern auch bei uns im Land – ob in Köln, Düsseldorf, Bonn, Herne oder Münster. Es ist schon viel über die bis zu 20 km/h schnellen Roller gesagt und geschrieben worden. Doch über einen ganz wesentlichen Aspekt macht sich kaum einer Gedanken: Was ist mit den Daten, die dabei anfallen?

Die Bewegungsdaten sind sehr wertvoll

Allerdings: Es fallen Daten an. Jede Menge. Das fängt schon mal damit an, dass ohne Smartphone gar nichts geht. Wer eScooter leihen will, braucht eine App. Hier ist eine Registrierung erforderlich – und Zahldaten müssen auch hinterlegt werden. Natürlich bekommt der Verleiher jeden einzelnen Ausleihvorgang mit: Wann und wo einen eScooter geliehen, wohin gefahren, wo wieder abgemeldet? Wer ist nebenher gefahren? Wen getroffen?

Alles Daten, die der Verleiher mühelos ermitteln kann. Ich habe den in Düsseldorf tätigen Verleiher Tier darauf angesprochen. Er versichert, die Daten nur zur „Optimierung unseres Services“ zu erheben – und auszuwerten.

Aber solche Versprechungen kennt man ja. Fakt ist: Die Daten sind enorm wertvoll. Von Fahrradverleihern aus China wissen wir, dass sie mit dem Verkauf der Kundendaten mehr verdienen als mit dem Ausleihvorgang. Früher oder später wird das bei den eScootern wohl genauso sein.

Datenschutz: Kein Thema für die Datenschutzbeauftragte

Gerne hätte ich mit der Datenschutzbeauftragten von NRW über das Thema gesprochen. Ich habe mehrmals angefragt- aber offensichtlich will sich die Behörde mit dem Thema erst beschäftigen, wenn mal wieder etwas passiert ist. Derzeit hat die Landesdatenschutzbeauftragte – die diesen Titel wohl kaum verdient hat, wenn sie unsere Daten nicht schützt – nichts zu diesem Thema zu sagen. Ganz so, als ob eMobilität und Sharing Economy noch kein Thema bei uns wären.

Ich habe deshalb ausführlich mit dem ehemaligen Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein Thilo Weichert über das Thema gesprochen (siehe Video, das komplette Gespräch). Er sieht hohe Risiken. Zum einen, weil die Daten sehr wertvoll sind. Zum anderen, weil die erfassten Daten nicht transparent sind. Und: Weil die großen Konzerne künftig immer mehr Systeme kontrollieren: ÖPNV, Rad, Roller, eScooter, Leih-Auto… Alle Daten könnten zusammenfließen – und am Ende auch für den Staat interessant sein.

Über das Thema wird viel zu wenig debattiert. Deshalb bin ich im Angeklickt der Sache auf den Grund gegangen – und deshalb gibt es auch schon bald einen Cosmotech-Podcast zum Thema.

Datenschutz bei eScootern: Interview mit Thilo Weichert