Die Leute stellen sich immer mehr Alexa-Geräte zu Hause hin. Klar, denn vieles davon ist praktisch – aber ist es auch sicher? Eher nicht. Vor allem, wenn man weiß, dass Amazon auch Gesichtserkennung kann. Manche Alexa-Geräte sind mit Kameras ausgestattet. Die Regeln für Gesichtserkennung formuliert der Onlineriese gerade sogar selbst.

Amazon nur ein Onlineshop? Von wegen. Jeff Bezos‘ Konzern streckt seine Tentakeln in alle Richtungen aus. Dass Amazon über eine eigene KI-Software zur Gesichtserkennung verfügt, weiß kaum jemand: AWS Recognition heißt der Dienst.

Jeder kann den Service bei Amazon buchen. Als Cloud-Lösung – für wenige Euro im Monat. Wer das System mit Fotos füttert, kann von der KI-Software im Blitztempo Gesichter in Fotoaufnahmen oder sogar Videos erkennen (lassen). Recognition funktioniert tadellos: Ich habe es ausprobiert. Sie erkennt Gesichter, schätzt das Alter, verrät ob die Person auf dem Foto lächelt oder glücklich ist – und vieles mehr. Die KI-Software für die eigenen Zwecke zu nutzen, ist vergleichsweise einfach.

Auch Amazon kann nach Gesichtern suchen

Das Beispiel zeigt, wie einfach es heute ist, nach Gesichtern zu suchen. Die entsprechenden Funktionen liegen in der Cloud bereit – für vergleichsweise kleines Geld. Einige Polizeibehörden in den USA nutzen diesen Service bereits, etwa in Florida oder Oregon. Das System leistet gute Hilfe bei der Fahndungsarbeit. Die Behörden laden also Fotos bei Amazon hoch, um andere Fotos oder möglicherweise sogar Live-Video-Streams auf bekannte Gesichter zu durchforsten.

Nicht ganz ohne Beigeschmack, finde ich, wenn einer der größten Datensammler der Erde – der gerade erst diverse neue Alexa-Geräte vorgestellt hat, um an noch mehr Daten zu kommen -, von Behörden frei Haus mit Gesichtsdaten versorgt wird.

Zwar will niemand unterstellen (ich auch nicht), dass sich Amazon als Konzern bei seinen Cloud-Diensten bedient. Aber: Wer weiß… Wir haben in der Branche schon so manches erlebt. Außerdem gibt es immer wieder Sicherheitslecks. Misstrauen schadet also nicht.

Was es braucht, sind klare Regeln – vor allem bei einem so sensiblen Thema wie der Gesichtserkennung. Das sieht sogar Amazon-Chef Jeff Bezos so.

„Gesichtserkennung ist ein perfektes Beispiel für etwas, das wirklich positive Auswirkungen hat, so dass man es nicht bremsen will‘, fügte Bezos hinzu. ‚Aber gleichzeitig gibt es auch Potenzial für einen Missbrauch der Technologie, so dass man Vorschriften will.“
Jeff Bezos

Amazon arbeitet selbst an den Regulierungen

Aber was macht Amazon? Formuliert nun selbst Regeln und sogar potenzielle Gesetze zur Regulierung. Allen Ernstes: Amazon schreibt gemeinsam mit Microsoft auf, wie die Regeln aus ihrer Sicht aussehen sollten. Das ist so, als würde ich dem Finanzminister aufschreiben, wie ich mir eine gerechte Steuerpolitik vorstelle (Journalisten sind von der Steuerpflicht befreit!), oder wenn ich meiner Stadt die Parkregeln diktieren könnte. Schön wäre das schon. Aber würde man mich lassen? Wohl eher nicht…

Große Konzerne aber haben mehr Erfolg darin, Politiker zu „überzeugen“. Wie genau die Regeln aussehen sollen, die Amazon da ausarbeitet, ist nicht bekannt. Für Amazon typisch wäre aber: Es ist alles erlaubt, was technologisch geht und dem Unternehmen Profit bringt. Nur bei extremem Widerstand oder strengen Regulierungen ändert sich was.

Was sagt nun Amazon dazu? Ich wollte es natürlich wissen. Doch – wie leider immer bei Amazon – gab es nichts, auch kein Gespräch, nur ein Link auf einen Blogeintrag. Das muss dann aber auch wirklich reichen.