Im Sommer hat Facebook seine eigene Kryptowährung Libra angekündigt: Gemeinsam mit rund 20 Partnern will Facebook die Welt auf Kryptogeld einschwören. Doch der Widerstand nimmt zu: Regierungen, Notenbanken und Politiker stellen sich gegen die Pläne. Nun sind einige große Partner ausgestiegen. Allzu groß ist die Chance für Libra nicht mehr.

Vor ein paar Wochen hätte man den Eindruck bekommen können, wir hätten eine neue Weltwährung: Facebook hat mit Libra eine Kryptowährung angekündigt, die überall auf der Welt zum Einsatz kommen soll. Vor allem auf Mobilgeräten, aber nicht nur dort. Doch das Projekt wird immer schwächer. Nun sind weitere große Partner ausgestiegen: Das Auktionsportal eBay, der Zahldienst Stripe und die Kreditkartengesellschaften Mastercard und Visa haben die Reißleine gezogen. Sie sind ausgestiegen, machen nicht mehr mit. Auch Paypal ist vor kurzem bei Libra ausgestiegen. Die Schar der Unterstützer schrumpft.

Gegenwind aus der Politik hat zum Umdenken geführt

Die Erfolgschancen für Facebooks Libra als ernstzunehmende Währung gehen damit gegen Null. Eine ungewohnte Erfahrung für erfolgsverwöhnte IT-Konzerne aus dem Silicon Valley, die sich daran gewöhnt sind, dass man sie einfach machen lässt. Normalerweise sieht die Weltgemeinschaft ungerührt zu, wie die Konzerne existierende Branchen zerstören, tradierte Machtgefüge verschieben und Umsatzströme nach Kalifornien holen – in der Regel auf Kosten des Rests der Welt.

Bei Libra ist das nicht gelungen. Ich will kein Geheimnis daraus machen: Ich bin äußerst erleichtert, dass die Vernunft Einkehr hält. Schon nach Ankündigung der virtuellen Währung war ich ausgesprochen besorgt – und erschrocken, dass das Bundesfinanzministerium und andere Verantwortlichen (noch) keine Haltung hatten. Das hat sich mittlerweile geändert. Die US-Regierung und einige US-Politiker haben sich klar gegen den Libra ausgesprochen. Auch der EU-Finanzkommissar will die Kryptpwährung strikt regulieren. Bundesregierung und Notenbank haben mittlerweile ihre Missbilligung ausgedrückt.

Libra

Facebook sollte Libra dicht machen

Richtig so. Wenn etwas systemrelevant ist, dann wohl Währungen. Diese sollten immer unter der strengen Kontrolle von Regierungen und Zentralbanken stehen – und ganz sicher nicht den kommerziellen Interessen eines nicht beherrschbaren Konzerns (oder Konsortiums) überlassen werden. Die möglichen Folgen einer global und weit ausgerollten Kryptowährung sind unvorhersehbar. Die Signale von der US-Regierung und aus Europa haben bei einigen Partnern vermutlich nun die Hoffnung zerstört, mit Libra tatsächlich erfolgreich sein zu können.

Es sind bestimmt keine prinzipiellen Gründe oder eine veränderte Überzeugung, dass etwas falsch daran sein könnte, mit dem Libra zu kommen. Es sind wohl eher die schwindenden Hoffnungen, damit Kasse zu machen. Aber das ist am Ende egal.

Tipp: Im CosmoTech Podcast „Haste mal ’n Libra“ haben sich Dennis Horn, Sebastian Kirsch und ich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Hört unbedingt mal rein!