Soziale Netzwerke wie Facebook, Youtube, Twitter, Instagram und Co. eignen sich hervorragend, um Desinformation und Falschmeldungen zu verbreiten. Auch im großen Stil. Gerade hat Facebook gleich mehrere iranische und russische Netzwerke auf Facebook und Instagram identifiziert und stillgelegt. Die Face-Accounts haben gezielt US-Bürger ins Visier genommen, um politische Botschaften zu verbreiten. Kein Einzelfall.

Facebook hat gleich mehrere Netzwerke stillgelegt, die auf Facebook und Instagram gezielt politische Kampagnen streuen wollten.

Im aktuellen Fall handelt es sich um einen Verbund aus Fake-Accounts, die bei Facebook und Instagram aufgemacht wurden. Die Betreiber dieser Netzwerke haben einen Wohnsitz in den USA angegeben: Das ist heute zwingend notwendig, wenn man auf Facebook politische Werbung machen will, also für Postings bezahlt, die politische Inhalte haben.

Diese Fake-Accounts haben sich gezielt US-Bürger rausgepickt und sie mit politischen Botschaften konfrontiert. Das ist verboten. Deshalb sucht Facebook heute gezielt nach solchen Profilen, um sie stillzulegen. Wenn das passiert – wie jetzt – ist das zwar gut, aber natürlich wurde dann schon Schaden angerichtet. 

Es sind nicht nur die USA betroffen. Die Cyber-Sicherheitsexperten bei Facebook haben aktuell auch Manipulationen in nordafrikanischen und lateinamerikanischen Ländern entdeckt.

Facebooks Maßnahmen

Künftig sollen Anzeigen in Netzwerken wie Facebook oder Instagram strenger kontrolliert werden. Facebook will die Quellen transparenter machen. Nachrichten aus staatlich kontrollierten Medien will Facebook künftig entsprechend kennzeichnen. Wird das Video eines Nachrichtensenders wie Russia Today gezeigt, erscheint ein Hinweis, dass es sich um eine staatlich kontrollierte Quelle handelt.

Außerdem will Instagram künftig Hinweise zeigen, wenn ein User Inhalte verbreiten will, die von externen, unabhängigen Fakten-Checkern bereits widerlegt oder als falsch eingestuft wurden. Beides zusammen soll dazu führen, dass sich Falschmeldungen nicht so rasant verbreiten. Außerdem versucht Facebook, Netzwerke und Fake-Accounts schneller zu erkennen und zu sperren.

Lassen sich tatsächlich Wahlen beeinflussen?

Bewiesen und belegt sind unzählige Versuche. Nicht nur unzählige geschaltete Anzeigen bei Facebook, sondern auch der Cambridge Analytica Skandal: Hier wurden Daten missbraucht, um ganz gezielt politische Botschaften zu verbreiten. Aber ob die Facebook-Nutzer später tatsächlich anders gewählt haben, das ist durchaus umstritten.

Aber aus einem ganz einfachen Grund: Wie sollte sich das wissenschaftlich nachweisen lassen? Man bräuchte ja Kontrollgruppen, die einen werden manipuliert, die anderen nicht – und dann müsste man auch noch herausfinden, ob die Personen anders gewählt haben und ob es tatsächlich nur an den Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken gelegen hat.

Unbestreitbar scheint jedoch wohl, dass durch gezielte Manipulation und Desinformation das breite, gesellschaftliche Meinungsbild verändert, die Stimmung aufgeheizt und somit auch Einfluss auf die politische Situation genommen wird.  Das ist auch der Grund, wieso immer noch Staaten und politische Gruppierungen in solche Manipulationsversuche investieren – wie gerade erst wieder aufgedeckt.

Falschinformationen erkennen

Genau das ist das Problem: In Sozialen Netzwerken sieht fast alles gleich aus – egal, ob irgend jemand privat etwas schreibt, oder jemand, der Experte ist – oder eine dem Ausland finanzierte Agentur im großen Stil manipulieren will. Genau das macht die Sozialen Netzwerke so gefährlich. Es ist eben nicht so, dass für 5 Mio. Dollar Spots auf Facebook geschaltet werden: „Wählt Trump“ oder „Geht nicht zur Wahl“, sondern es werden die Stärken der Sozialen Netzwerke genutzt, um sehr subtil Stimmung zu machen.

Anhand der Daten ist bekannt, wer konservativ oder liberal denkt. Waffenfreunde bekommen andere Meldungen gezeigt als Waffengegner. Es werden gezielt Spannungen erhöht, Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Interessen gegeneinander aufgebracht. Das geht in Sozialen Netzwerken leicht, weil die Interessen und Ansichten bekannt sind. Ein perfides System, das gut funktioniert. Herauszufinden, ob da jemand manipulieren will, ist nicht leicht, das muss man sagen.

Aber irgendwie geht es ja doch: Andererseits wüssten wir doch gar nichts von Manipulationsversuchen. Dazu muss aber genau untersucht werden: Welche Botschaften werden verteilt. Wer wird angesprochen. Versuchen sich verschiedene Fake-Accounts gegenseitig zu unterstützen?

Sind möglicherweise Bots im Einsatz, die zwar täuschend echt aussehende Botschaften publizieren, aber dann doch auffallen, sie sie immer gleich oder ähnlich reagieren? Stimmen die Angaben zum Betreiber? Man muss viele Dinge beachten, um Fake-Accounts und Betrügern auf die Spur zu kommen.

 

Falschinformationen erkennen

Neu sind diese Methoden nicht. Auf Facebook selbst zB werden Falschinformationen schon länger weniger häufig gezeigt. Wenn externe Fakten-Checker eine Nachricht widerlegen, kennzeichnet Facebook diese mit einem Hinweis auf die Fakten-Checke. Das soll jetzt auch bei Instagram passieren. Aber neu ist auch das nicht: Google zeigt schon lange die Ergebnisse von Faktenprüfern in den Suchergebnissen.

Auch YouTube kennzeichnet schon lange bekannte staatliche Quellen, etwa Videos vom russischen Staatsfernsehen. Facebook führt nichts wirklich Neues ein, sondern übernimmt Methoden, die schon bekannt sind.

Dass Facebook das gerade lautstark ankündigt, liegt daran, dass nächstes Jahr in den USA wieder gewählt wird – und Mark Zuckerberg Senat und Kongress Besserung versprochen hat. Die erhebliche Wahlmanipulation von 2016 soll sich nicht wiederholen. Facebook steht unter Beobachtung – deswegen einige Maßnahmen, die das eindämmen sollen.

Nur hemmen, nicht löschen

Aber warum denn erkannte Falschmeldungen nur einschränken und nicht löschen/sperren?

Facebook versteht sich aber immer als Plattform und will am liebsten gar nichts verhindern oder löschen. Das sei ein Eingriff in die Meinungsfreiheit. Offiziell erklärt Facebook allerdings nicht, wieso nicht gelöscht wird.

Die Wahrheit ist: Facebook profitiert davon, wenn es im Netzwerk brummt. Und zwar egal ob über das Frühstück diskutiert wird, über einen Promi oder über Wahrheiten oder Lügen. Falschmeldungen verbreiten sich besonders schnell und besonders effektiv – das haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, vermutlich weil….

Facebook verdient also eine Menge Geld daran. Deshalb macht das Netzwerk nur das, was nicht zu vermeiden ist. Ein ehrliches Interesse besteht meiner Ansicht nach nicht, das Problem zu beseitigen – sofern es überhaupt beseitigt werden kann.