YouTube ist längst mehr als nur eine Abspielstation für private Videos. Hier sind auch anspruchsvolle Produktionen zu sehen. Die Macher bekommen teilweise sogar Unterstützung von YouTube selbst. Besonders erfolgreich: How-to-Videos.

Was ist YouTube? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Klar, hier kann jeder Videos hochladen und sich auch jeder Videos anschauen.

Aber für welche Art von Content steht YouTube eigentlich? Die Frage stellt sich kaum jemand. Denn am Ende kann sich jeder genau das anschauen, was ihn/sie interessiert. Katzenvideos. Gamer-Videos. Influencer-Videos. Nachrichten vom WDR. How-to-Videos.

Rund 300 Stunden Videomaterial werden pro Minute bei YouTube hochgeladen. Unvorstellbare Mengen.

YouTube meint: How-to ist Trumpf

Da landen dann auch schon mal Videos von Terroristen im Netz, die stolz ihre Gräueltaten zeigen. Oder Videos von Amokläufern. Videos von Volksverhetzern und von Irren, die Kindern Angst machen wollen. Von politischen Agitatoren,  die das politische Meinungsbild verzerren wollen. Von Influencern, denen es nur um den eigenen Vorteil geht. Und, und, und. Eindeutig die Schattenseiten eines Videoportals, in dem eben jeder (nahezu) alles zeigen darf/kann.

Aber: Es gibt auch eine Menge wirklich gut gemachter How-to-Inhalte. Wie schäle ich eine Ananas? Wie verlege ich Fliesen? Wie löse ich meine Mathe-Hausaufgaben? Was macht die Zeitumstellung mit meinem Körper?

YouTube hat gerade auf einer Presseveranstaltung in Berlin versucht, den Eindruck zu erwecken, YouTube wäre vor allem ein How-to-Kanal. Das würde ich nun wahrlich nicht unterschreiben wollen. Aber es ist zweifellos richtig, dass es auf YouTube wirklich eine Menge interessanter, gut gemachter und nützlicher How-to-Videos gibt. Auch solche, die hervorragend Hintergründe erklären.

Deutscher Kanal mit 10 Mio. Subscribern

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der erfolgreichste YouTube-Kanal aus Deutschland in diese Kategorie fällt? Über zehn Millionen Subscriber hat Kurzgesagt – In a nutshell bereits vorzuweisen. Das hat den Betreibern aus München jetzt eine Auszeichnung („Diamond Button“) eingebracht. Der Kanal bietet wirklich exzellente, inhaltlich wie formal außerordentlich gelungene Erklärvideos. Allerdings in englischer Sprache – nur so lassen sich eben 10 Millionen Subscriber erreichen.

Rund 1.200 Stunden Arbeit stecken in einem einzelnen Video, hat mir Philipp Dettmer erklärt, Erfinder und Chef des Formats. Das glaube ich gerne und sofort. Wer sich die Video anschaut, denkt gleich: Bitte mehr davon. Doch solche Qualität ist nur möglich, wenn die Einnahmen stimmen. Die Agentur hinter Kurzgesagt hat einen Weg gefunden, um nicht nur von den Werbeeinnahmen leben zu müssen. Aber das ist nicht jedem möglich und gegeben.

Im Rahmen des YouTube-NextUp-Wettbewerbs bietet das Videoportal kleineren Videomachern Unterstützung: Sie lernen, wie gute Videos gemacht werden. Und hat jemand erst mal genügend Subscriber (10.000 und mehr), kann er/sie sogar kostenlos YouTube-Studios in Berlin nutzen.

Gut. YouTube sollte sich trotzdem auch stärker engagieren, Unrat aus seinem Angebot zu entfernen. Davon gibt es reichlich. Und vor allem müssten meiner Ansicht nach Kinder besser geschützt werden. Werbung für Kinder sollte tabu sein. Vielleicht sollte mal jemand How-to-Videos zu diesen Themen machen, damit YouTube dann weiß wie es geht.