Warum muss heute eigentlich alles in den Geräten verklebt, verlötet und direkt fest eingebaut sein? Das macht die Geräte zwar kompakter – aber wir bezahlen einen hohen Preis. Wir können keine Bauteile ersetzen, keine Reparaturen durchführen und nicht den Speicher erweitern… Schlecht!
Keine Sorge: Wenn ich „Weg mit dem Kleber“ rufe, meine ich natürlich nicht den geschätzten Kollegen und Anchor von ZDF Heute. Ich meine den Kleber bei Hardware jeder Art. Denn es ist eine Unsitte, dass heute alles geklebt wird – anstatt zu schrauben oder stecken. Die meisten Hersteller verkleben und verlöten alles: CPU verlötet, SSD-Festplatte verklebt, RAM fest eingebaut, Grafikkarte auf der Platine – selbst der Akku ist immer häufiger fest eingebaut. Es ist ein Desaster.
Kleben statt Schrauben = Reparatur unmöglich
Klar, durch diese modernen Methoden werden die Geräte kompakter. Aber es bringt auch enorme Nachteile mit sich: Es ist praktisch unmöglich, eine Komponente auszutauschen, etwa wenn sie defekt ist. Selbst ein „Reinschauen“ ins Gerät ist oft nicht möglich, dann nämlich, wenn das Chassis fest verklebt ist mit der Platine. Bedeutet: Defektes Bauteil – unnützes Gerät. Schrott. Müll. Umweltbelastung.
Auch ein Aufrüsten des Arbeitsspeichers: Immer öfter nicht möglich. Etwa bei den aktuellen MacBook Pro und MacBook Air Modellen von Apple. Selbst bei den neuesten M4-Geräten ist der Arbeitsspeicher fest auf dem Chip integriert. Wer so ein Gerät kauft, muss sich also von vornherein sicher sein, es mit genügend RAM und ausreichend Festplattenspeicher auszustatten. Denn eine spätere, nachträgliche Korrektur ist nicht möglich. Für die Hersteller eine tolle Sache: Entweder, man kauft gleich genug RAM (zu teilweise absurd hohen Preisen) – oder muss später ein neues Gerät kaufen. Upgrade geht nicht.
Denkt denn niemand an Nachhaltigkeit?
EU-Recht auf Reparatur: Erste Fortschritte
Immerhin: Die Europäische Union hat 2024 das „Recht auf Reparatur“ durchgesetzt. Hersteller müssen nun für bestimmte Gerätekategorien Ersatzteile und Reparaturmöglichkeiten anbieten. Smartphones, Tablets und Laptops sind seit Anfang 2025 davon betroffen. Das bedeutet: Akkus müssen austauschbar sein, wichtige Komponenten dürfen nicht unnötig verklebt werden.
Die Realität hinkt aber noch hinterher. Viele Hersteller nutzen jede Gesetzeslücke und interpretieren die Vorgaben sehr großzügig zu ihren Gunsten. Framework zeigt mit seinen modularen Laptops, wie es richtig geht: Jede Komponente lässt sich tauschen, vom RAM über die SSD bis hin zu den Anschlüssen. Sogar das Display und die Tastatur sind austauschbar. Ein Musterbeispiel für nachhaltiges Design.
Microsoft hat nachgebessert – aber nicht überall
Microsoft ist für seine Surface-Notebooks lange Zeit kritisiert worden. Die aktuellen Surface Laptop 7 und Surface Pro 11 Modelle mit Snapdragon X Elite Prozessoren zeigen Verbesserungen: Die Geräte lassen sich öffnen, da sie verschraubt statt verklebt sind. Die SSD ist austauschbar, der Akku lässt sich mit etwas Geschick wechseln. Aber der RAM bleibt fest verlötet. Bei iFixIt gibt es mittlerweile sechs von zehn Punkten – früher waren es null.
Bei einer Smartwatch oder einem Smartphone, das unbedingt wasserdicht sein muss, verstehe ich die Notwendigkeit zu verkleben noch einigermaßen. Wobei auch hier Fairphone beweist, dass es anders geht. Bei einem Notebook und erst recht bei einem Desktop-Gerät aber ganz sicher nicht. Hier wittere ich Geschäftemacherei – auf Kosten der Umwelt.
Die Handy-Industrie denkt um
Selbst bei Smartphones tut sich was: Samsung hat beim Galaxy S25 (erschienen Januar 2026) erstmals seit Jahren wieder einen austauschbaren Akku verbaut – zumindest bei der „Eco“-Variante. Google experimentiert beim Pixel 10 Pro mit modularen Komponenten. Und Fairphone bleibt sowieso Vorreiter mit komplett reparierbaren Geräten.
Apple hingegen macht weiter auf stur. Das iPhone 17 ist genauso verklebt wie seine Vorgänger. Immerhin gibt es seit 2025 das „Self Service Repair“ Programm auch in Deutschland – allerdings zu Preisen, die eine Reparatur oft unwirtschaftlich machen.
KI-Hardware verschärft das Problem
Ein neues Problem zeichnet sich ab: KI-optimierte Hardware. Die neuen NPUs (Neural Processing Units) werden fest in die Hauptprozessoren integriert. Das macht ein Aufrüsten für neue KI-Features unmöglich. Wer heute einen Laptop ohne NPU kauft, kann ihn in zwei Jahren für aktuelle KI-Anwendungen vergessen. Ein Teufelskreis.
Manche Hersteller experimentieren mit KI-Erweiterungskarten – ähnlich wie Grafikkarten. Aber das sind noch Nischenlösungen.
Was können wir tun?
Deshalb wäre es dringend erforderlich, dem Konsumenten bei der Kaufentscheidung zu helfen. Eine Art Umweltampel für Hardware – ein „Reparability Score“. Kann sie repariert werden? Können Komponenten ausgetauscht werden? Ist eine Rücknahme und fachgerechte Entsorgung vorgesehen? Nur wer ausreichend Punkte sammelt, bekommt ein „Grün“.
iFixIt macht das bereits seit Jahren vor. Ihr Reparierbarkeits-Index sollte Pflicht werden bei jedem Gerätekauf. Frankreich hat so etwas bereits eingeführt – Deutschland hinkt hinterher.
Immer mehr aktuelle Geräte verdienen aber ein „Rot“. Und das ist ein Problem für uns alle.
Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026

