Bluetooth-CODECs 2026: Warum HiRes-Audio trotzdem stottert

von | 31.12.2019 | Digital, Tipps

Gerade erst haben wir den Abschied von der Vinyl-Schallplatte verwunden und mit Verwunderung deren Revival zur Kenntnis genommen, da kam schon die nächste Revolution: Streaming und hochauflösende Audiodateien haben CDs längst abgelöst. Die Herausforderung liegt allerdings darin, diese auch in optimaler Qualität hören zu können. Wir zeigen euch, woran es scheitern kann.

Immer mehr Endgeräte verzichten auf die Kopfhörerbuchse und setzen stattdessen vollständig auf Bluetooth. Die neueste Generation von Smartphones, Tablets und sogar Laptops kommt oft ohne 3,5mm-Klinke aus. Wenn ihr nun erwartet, dass der Klang ähnlich gut ist wie bei einer Kabelverbindung, dann kann das sein. Muss es aber nicht!

Am Ende gibt es vier Faktoren, die den Klang bestimmen:

  1. Die Qualität des Quellmaterials: Eine schlecht abgemischte Aufnahme klingt auch auf der besten Hardware und der besten Klangübertragung nicht gut. Und wenn das Original gut ist, dann muss es die Ausgabedatei nicht sein. Erwartet von einer MP3 (bei der das Quellmaterial stark komprimiert wird) nicht Studioklang. FLAC und WAV in 16bit und 44.1KHz bieten mindestens CD-Qualität. Master-Qualität mit 24bit/96KHz oder sogar 24bit/192KHz geht noch darüber hinaus und wird heute von Apple Music, Amazon Music HD, Tidal HiFi Plus und Qobuz unterstützt.
  2. Das Wiedergabegerät: Je höher auflösend und detailreich die Aufnahme ist, desto größer sind die Dateien und desto mehr Last liegt auf dem Wiedergabegerät. Moderne Smartphones haben hier deutlich aufgeholt und können problemlos HiRes-Audio verarbeiten. Für absoluten Studiosound gibt es spezialisierte Digital Audio Player (DAPs) von Herstellern wie Astell&Kern, FiiO oder iBasso.
  3. Der Kopfhörer: Je billiger der Kopfhörer, desto schlechter der Klang. Das stimmt aber nur bedingt. Vor allem ist Klang subjektiv: Was dem einen die Bässe, ist dem anderen die Transparenz und Luftigkeit. Probiert verschiedene Kopfhörer aus!
  4. Die Bluetooth-Übertragung: Hier wird’s technisch – und das ist oft der Flaschenhals.

Bluetooth-CODECs: Das Herzstück der kabellosen Übertragung

Die Punkte 3 und 4 sind im Zusammenspiel ein immer wiederkehrender Problempunkt: Für die Übertragung von Musik gibt es verschiedene CODECs. Dieser Begriff ist eine Mischung aus Decoder und Encoder: Die Musik wird für die Übertragung vom Player umgewandelt und vom Kopfhörer wieder zurück umgewandelt.

SBC (Subband Codec) ist der Standard-CODEC, den jedes Bluetooth-Gerät unterstützt. Er komprimiert stark und bietet nur moderate Qualität – etwa vergleichbar mit MP3 in niedriger Bitrate.

AAC (Advanced Audio Coding) ist Apples bevorzugter CODEC und bietet bessere Qualität als SBC, besonders bei iOS-Geräten. Android-Geräte unterstützen AAC oft weniger optimal.

aptX von Qualcomm gibt es mittlerweile in mehreren Varianten: Das klassische aptX bietet CD-ähnliche Qualität, aptX HD schafft sogar HiRes-Audio mit 24bit/48KHz. aptX Adaptive passt die Bitrate dynamisch an die Verbindungsqualität an – clever!

aptX Lossless ist seit 2022 der neue König und überträgt wirklich verlustfrei – allerdings nur über Bluetooth 5.2 oder neuer und mit entsprechend kompatiblen Geräten.

LDAC von Sony ist Googles Antwort auf aptX und kann theoretisch bis zu 990 kbps übertragen – dreimal mehr als aptX HD. In der Praxis schaltet LDAC aber oft auf niedrigere Bitraten herunter.

LC3 ist der neueste Standard für Bluetooth LE Audio und wird die Zukunft prägen. Bessere Qualität bei weniger Energieverbrauch – perfekt für True Wireless Earbuds.

Das Problem: Nicht jeder spricht mit jedem

Wenn der Player und der Kopfhörer nicht denselben hochwertigen CODEC unterstützen, dann einigen sich beide auf das kleinste gemeinsame Element. Und das ist meist SBC – mit entsprechenden Qualitätseinbußen.

Ein iPhone mit AirPods Pro nutzt AAC und klingt hervorragend. Dieselben AirPods an einem Android-Smartphone mit schlechter AAC-Implementierung? Deutlich weniger beeindruckend. Umgekehrt nutzen viele Android-Phones aptX HD, aber die AirPods verstehen nur AAC und SBC.

Störungen: Der Feind des HiRes-Sounds

Wenn beide Geräte einen hochwertigen CODEC wie LDAC oder aptX HD unterstützen, dann wird eine hohe Datenmenge per Bluetooth übertragen. Das funktioniert nur, wenn die Funkverbindung stabil ist. Da kann schon das WLAN-Modul des Smartphones dazu führen, dass die Wiedergabe stottert.

Bluetooth und WLAN teilen sich nämlich das 2,4-GHz-Band. In städtischen Gebieten mit vielen WLAN-Netzen, Mikrowellen und anderen Funkquellen wird’s schnell eng. Moderne Bluetooth-Versionen (5.0 und neuer) sind robuster, aber nicht immun.

Praxis-Tipps für besseren Sound

CODEC-Kompatibilität prüfen: Schaut in den Bluetooth-Einstellungen eures Smartphones nach, welcher CODEC aktiv ist. Android zeigt das in den Entwickleroptionen an.

Störquellen minimieren: Ist die Wiedergabe hakelig, schaltet andere Funkgeräte in der Nähe aus. Das WLAN am Smartphone könnt ihr testweise deaktivieren.

Abstand halten: Je näher Smartphone und Kopfhörer, desto stabiler die Verbindung. Smartphones in der Hosentasche funktionieren besser als im Rucksack.

Aktuell bleiben: Firmware-Updates für Kopfhörer bringen oft Verbesserungen bei der CODEC-Unterstützung.

Die gute Nachricht: Die Bluetooth-Audio-Welt entwickelt sich rasant. Was vor zwei Jahren noch Zukunftsmusik war, ist heute Standard. aptX Lossless und LC3 werden kabellosen Sound auf ein neues Level heben – wenn die Geräte mitspielen.

Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026