Es gibt einen klaren Trend: Auch Behörden gehen dort hin, wo die Menschen sind. Sogar in Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder X (ehemals Twitter). Die Datenschutzbeauftragte in NRW findet das nicht richtig – und fordert die Behörden auf, die Netzwerke wieder zu verlassen. Denn die Gefahr, dass Daten abfließen, sei viel zu groß.
Wenn eins deutlich geworden ist in den letzten Jahren, dann, dass sich die großen Tech-Konzerne nicht zähmen lassen. Das hat viele Gründe. Zum Beispiel strukturelle. Die Unternehmen sitzen meist in den USA, verweisen bei Datenschutzthemen meist auf ihren Hauptsitz in Irland und führen Behörden gerne an der Nase herum.
Trotz DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) und dem Digital Services Act (DSA) von 2024 bleibt es vollkommen intransparent, welche Daten die Plattformen erheben, wo sie sie speichern und was sie damit anstellen. Was die Unternehmen einräumen, ist immer nur die Spitze des Eisbergs. Eine extrem intransparente Sache – auch wenn Meta inzwischen seine Cookie-Politik leicht transparenter gestaltet hat.
Datenschutzbeauftragte verlangt Löschung von Behörden-Accounts
Schlimm genug. Aber es gibt natürlich Situationen, da ist das besonders fatal. Etwa dann, wenn sich Behörden auf Facebook, Instagram oder TikTok präsentieren – und Bürgerinnen und Bürger dort vorbeischauen. Die Plattformen bekommen das mit und erstellen detaillierte Profile. Sollten die User dann auch noch Daten übertragen, etwa persönliche Daten, um etwas nachzufragen oder zu beantragen, ist jede Diskretion dahin.
Deshalb warnt die Landesdatenschutzbeauftragte NRW weiterhin ausdrücklich davor. Mehr noch: Sie fordert, dass sich Behörden aus den problematischen Netzwerken zurückziehen. Sie sollen „ihre Accounts bei Facebook löschen“. Damit erst gar kein Risiko entsteht, dass die Tech-Giganten Bürger ausspionieren. Indem Daten abgegriffen und missbraucht werden.
Neue Entwicklungen verschärfen das Problem
Die Lage hat sich seit 2024 sogar noch verschärft. Meta hat seine KI-Systeme massiv ausgebaut und nutzt jetzt alle verfügbaren Daten zur Entwicklung seiner Large Language Models. Das bedeutet: Jede Interaktion mit Behörden-Accounts fließt potentiell in das Training von KI-Systemen ein. Auch X unter Elon Musk hat seine Datennutzung für KI-Training stark ausgeweitet.
Besonders problematisch: Die neuen KI-Features der Plattformen analysieren nicht nur Texte, sondern auch Bilder und Videos. Wer ein Foto in einem Behörden-Post kommentiert oder teilt, gibt damit möglicherweise biometrische Daten preis, die von den KI-Systemen der Konzerne ausgewertet werden.
Alternative Kommunikationswege für Behörden
Dabei gibt es längst bessere Alternativen. Viele Behörden setzen inzwischen auf eigene Websites mit Newsletter-Systemen, die vollständig DSGVO-konform betrieben werden können. Auch Mastodon-Instanzen, die auf europäischen Servern laufen, bieten eine datenschutzfreundliche Alternative zu den großen US-Plattformen.
Einige Kommunen experimentieren bereits mit eigenen Apps oder nutzen die dezentralen Lösungen der öffentlichen Hand. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt Behörden seit 2025 explizit, auf selbst kontrollierte Kommunikationskanäle zu setzen.
Sicher ist sicher…
Das mag eine Unterstellung sein. Aber im Fall von Facebook und Co. muss man leider sagen: Was vorstellbar ist, das machen die Konzerne auch. Und was nicht vorstellbar ist, häufig genug auch. Nur unter enormem Druck der Politik räumen die Unternehmen Fehltritte ein – und unter noch größerem Druck werden unzumutbare Unzulänglichkeiten und Zumutungen (vielleicht) abgestellt.
Es liegt im Wesen der Sache, dass Kontrolle eher schwierig ist. Früher konnte man Akten beschlagnahmen und studieren. Beides ist heute praktisch unmöglich. Politik und Behörden müssen sich allzu oft auf Zusagen der Unternehmen verlassen. Wenn sie denn überhaupt reagieren. Die Tech-Giganten tricksen die Behörden gerne aus – auch mit ihren neuen KI-Systemen, die noch undurchschaubarer arbeiten als klassische Algorithmen.
Der Weg in die digitale Souveränität
Von daher ist es eine mehr als berechtigte Forderung, Behörden den Einsatz problematischer Sozialer Medien zu untersagen. Zumindest die Datenübertragung in den Netzwerken der US-Konzerne. Denn anderenfalls sind wir schon sehr nah der Dystopie des Thrillers „The Circle“. Da ging irgendwann auch nichts mehr ohne das omnipräsente Netzwerk.
Die Lösung liegt in digitaler Souveränität: Behörden müssen ihre Kommunikation wieder selbst in die Hand nehmen. Das kostet mehr als ein Facebook-Account, schützt aber die Grundrechte der Bürger. Und das sollte es uns wert sein.
Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026

