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#Throttlegate: Apple muss 25 Mio. EUR Strafe zahlen

von | 10.02.2020 | Hardware

Apple hat mit seinem Betriebssystem iOS ältere iPhone-Modelle mit schwächelndem Akku künstlich ausgebremt. Angeblich, um die Geräte zu schützen – und den Akku zu schonen. Das mag sein. Aber die Betroffenen wurden weder ausreichend informiert, noch hatten sie eine Wahl. Diese Praxis kostete Apple weltweit Milliarden an Strafen und Entschädigungen. Ein Lehrstück über Transparenz und Verbrauchermacht!

Wir kaufen unsere Smartphones, zahlen mitunter 1.500 EUR und mehr dafür – aber gehören sie uns auch? Nein, es sind die Hersteller, die die Kontrolle darüber behalten.

Zum Beispiel, indem sie (mitunter klammheimlich) Updates ihrer Betriebssysteme installieren, die überraschende Funktionen und teilweise auch Einschränkungen enthalten. Indem sie entscheiden, welche Apps im App-Store angeboten werden – oder möglicherweise sogar vom einen auf den anderen Tag herausfliegen und dann auf dem Smartphone nicht mehr funktionieren. Apple und Google haben jede Menge Macht.

Weltweite Strafen in Milliardenhöhe

Genau das kam Apple in den vergangenen Jahren teuer zu stehen. Was 2020 mit einer französischen Strafe von 25 Millionen EUR begann, entwickelte sich zu einem globalen Rechtsdebakel. Die französische Verbraucherschutzbehörde „Direction générale de la Concurrence, de la Consommation et de la Répression des fraudes (DGCCRF)“ war nur der Anfang. Apple musste wegen der künstlichen iPhone-Drosselung zwischen 2017 und 2023 weltweit über 2 Milliarden USD an Strafen und Entschädigungen zahlen.

Die Causa „Batterygate“ oder „Throttlegate“ hat Geschichte geschrieben: Apple drosselte durch iOS-Updates die Leistung von iPhone 6, 6 Plus, 6s, 6s Plus, SE und später auch iPhone 7 und 7 Plus, wenn deren Batterien alterten. Die Begründung: Schutz vor unerwarteten Abstürzen bei Leistungsspitzen.

Sammelklagen und neue Gesetze

Kritiker warfen Apple vor, durch die künstliche Drosselung Nutzer zum Kauf neuer iPhone-Modelle zu drängen. Apple selbst beharrte darauf, die Geräte schützen zu wollen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen – aber das Hauptproblem war die mangelnde Transparenz.

Die Folgen waren weitreichend: In den USA entstanden Sammelklagen mit Entschädigungen von bis zu 500 USD pro betroffenem Gerät. Die EU verschärfte ihre Regelungen zum „Recht auf Reparatur“ und zur Batterie-Transparenz. Seit 2024 müssen Smartphone-Hersteller in Europa detailliert über Batterie-Management-Systeme informieren und Nutzern die Wahl lassen.

Was hat sich seit 2020 verändert?

Apple reagierte zunächst mit dem „Battery Health Management“ in iOS 13, das Nutzern mehr Kontrolle über die Leistungsdrosselung gab. Aber erst nach Jahren rechtlicher Auseinandersetzungen kam echte Transparenz: iOS 18 zeigt detaillierte Informationen über Akkuzyklen, Kapazitätsverluste und Performance-Eingriffe.

Der Digital Markets Act (DMA) und Digital Services Act (DSA) der EU haben die Machtverhältnisse verschoben. Apple musste 2024 erstmals alternative App Stores in Europa zulassen und gibt Nutzern mehr Kontrolle über ihr Gerät. Die Zeiten, in denen Konzerne heimlich über unsere Geräte entscheiden, sind vorbei.

Lehrstück für die Tech-Industrie

Das Throttlegate-Debakel wurde zum Wendepunkt in der Tech-Regulierung. Andere Hersteller wie Samsung, Google und OnePlus führten proaktiv transparente Batterie-Management-Systeme ein. Die Angst vor ähnlichen Strafen wirkt.

Für Verbraucher bedeutet das: Mehr Macht über die eigenen Geräte. Moderne Smartphones zeigen detaillierte Akkuinformationen, bieten Wahlmöglichkeiten bei Performance-Einstellungen und müssen bei wichtigen Änderungen explizit um Erlaubnis fragen.

Die 25 Millionen EUR Strafe von damals waren nur der Anfang. Sie leiteten einen Kulturwandel ein, der Big Tech dazu zwingt, Nutzer als Partner statt als unmündige Kunden zu behandeln. Ein Sieg für Transparenz und Verbrauchermacht – auch wenn er teuer erkauft wurde.

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Ausblick: Mehr Regulierung kommt

Die Geschichte ist nicht zu Ende. 2026 treten weitere EU-Regelungen in Kraft, die Smartphone-Herstellern noch strengere Transparenzpflichten auferlegen. Nutzer erhalten ein Recht auf vollständige Kontrolle über Performance-Einstellungen, Batterie-Management und System-Updates.

Apples Throttlegate war schmerzhaft – aber letztendlich ein Gewinn für alle Smartphone-Nutzer. Es zeigt: Verbraucherschutz funktioniert, wenn Behörden mutig genug sind, auch gegen Tech-Giganten vorzugehen.

Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026

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