Man kann auf verschiedene Arten fasten. Es müssen nicht immer Süßigkeiten und Alkohol sein, auf die man verzichtet. Eine immer beliebtere Möglichkeit ist, auf zu viel Digitales zu verzichten. Das ist durchaus keine schlechte Idee – besonders in einer Zeit, in der wir durchschnittlich über 4 Stunden täglich am Smartphone verbringen.
Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei – die Fastenzeit beginnt.
Nicht wenige denken darüber nach, ob sie nicht auch mal „digital fasten“ sollten. „Digital Detoxing“ nennt sich das: Digitales Entgiften. Und meint: Weniger Smartphone, TikTok, Instagram, WhatsApp, YouTube und ständige Push-Benachrichtigungen. Im Idealfall natürlich eine komplette Pause.
Das könnte den ganzen Organismus mal so richtig schön „entgiften“. Angesichts des heute üblichen Medienkonsums – der Durchschnittsmensch greift alle 6 Minuten zum Handy und verbringt täglich über 4 Stunden damit – wohl keine schlechte Idee. Studien zeigen: Diese permanente Stimulation kann zu Konzrationsproblemen, Schlafstörungen und sogar zu depressiven Verstimmungen führen.

Detoxing: Gibt’s denn eine App dafür?
Wer nun fragt: „Gibt’s denn eine App dafür?“ – und das wurde ich ernsthaft schon gefragt! –, macht deutlich, wie tief das Problem sitzt. Offenbar können sich viele von uns nicht mal mehr ansatzweise vorstellen, wie sich Dinge ohne Handy, App oder Internet lösen lassen. Selbst bei solchen Herausforderungen, die wir ohne Digitalisierung gar nicht hätten.
Die Frage zeigt schon, wie verdreht wir heute sind. Mit einer App die App-Sucht bekämpfen wollen … Es braucht aber nicht unbedingt eine App. Jeder von uns kann bequem überprüfen, wie oft er oder sie sein Smartphone nutzt – und wie viel Zeit dabei drauf geht. „Bildschirmzeit“ heißt die Funktion auf dem iPhone, „Digital Wellbeing“ unter Android.
Wer sie aktiviert, bekommt übersichtliche Statistiken: Wie lange online gewesen in der letzten Woche, wie viel pro Tag. Und mit welchen Apps wurde wie viel Zeit verbracht? Seit 2024 zeigen beide Systeme auch detaillierte Aufschlüsselungen nach App-Kategorien und können sogar Nutzungslimits für bestimmte Apps setzen. Das alles sind aufschlussreiche Informationen.
Auf Wunsch kommt einmal der Woche sogar ein kompletter Bericht. Die meisten sind erstaunt, was da zusammenkommt. Die Funktion muss aber konkret eingeschaltet und aktiviert werden, damit sie funktioniert und Daten sammelt.
Nur die wenigsten machen mit
Laut einer aktuellen Bitkom-Studie von 2025 sind mittlerweile 18 Prozent der Deutschen bereit, sich auf Digital Detoxing einzulassen – ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Jahren. 28 Prozent können es sich überhaupt nicht vorstellen. 31 Prozent haben es versucht, aber nicht durchgehalten. Also: Besonders hoch ist der Anteil der Handy-Besitzer, die bewusst mal eine Pause machen, immer noch nicht.
Interessant: Besonders die Generation Z (16-25 Jahre) experimentiert zunehmend mit digitalen Pausen. Viele berichten von „Notification Fatigue“ – der Erschöpfung durch ständige Benachrichtigungen. Apps wie BeReal, die bewusst auf weniger Aktivität setzen, oder der Trend zu „Dumb Phones“ zeigen: Ein Umdenken findet statt.
Die Realität: Kompletter Verzicht ist meist illusorisch
Ich denke sowieso: Wer das ganze Jahr über deutlich zu viel scrollt oder ständig online ist und nach Aschermittwoch mal eine Pause einlegt, hat dadurch noch keinen gesunden Lebensstil. Die eine Übertreibung durch eine andere Übertreibung ausgleichen – das funktioniert natürlich nicht. Kompletter Verzicht geht für viele gar nicht, allein aus beruflichen Gründen.
Viel wichtiger wäre es, sich generell zu zügeln. Mehr darauf zu achten: Muss ich jetzt wirklich daddeln? Muss ich jedes Reel ansehen? Jede Nachricht sofort beantworten? Aber das ganze Jahr über – nicht nur in der Fastenzeit verzichten und danach wieder ungehemmt weiter.
Praktische Tipps für den digitalen Alltag
Statt radikalem Verzicht helfen oft schon kleine Änderungen: Handy nicht mit ins Schlafzimmer nehmen. Push-Benachrichtigungen reduzieren. Feste Zeiten für Social Media festlegen. Oder der „Airplane Mode“ für eine Stunde am Tag.
Viele schwören mittlerweile auf „Focus Modi“ – sowohl iOS als auch Android bieten inzwischen intelligente Systeme, die automatisch Benachrichtigungen filtern können. Arbeitszeit, Freizeit, Schlafenszeit – für jede Situation lassen sich eigene Profile erstellen.
Besonders effektiv: Das Handy bewusst in einen anderen Raum legen. Studien zeigen, dass allein die Sichtbarkeit des Smartphones die Konzentration um bis zu 20 Prozent reduziert. Auch wenn es stumm geschaltet ist.
Digital Wellness als Dauerzustand
Das Ziel sollte „Digital Wellness“ sein – ein bewusster, ausgewogener Umgang mit digitalen Medien. Nicht komplette Abstinenz, sondern Kontrolle darüber, wann und wie wir Technologie nutzen. Apps sollen uns dienen, nicht umgekehrt.
Dabei geht es nicht darum, Technikfeind zu werden. Digitale Tools können unser Leben bereichern, uns vernetzen und produktiver machen. Aber eben dosiert und mit Bedacht – nicht als permanente Berieselung rund um die Uhr.
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Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026
