Corona, Corona, Corona: Die Medien sind voll davon. Das Netz natürlich auch. Doch während sich professionelle Redaktionen darum bemühen, Panik zu vermeiden und seriöse von unseriösen Meldungen und Nachrichten zu unterscheiden, landet im Netz alles – einfach so. Niemand kontrolliert es. So gibt es viele Horrorgeschichten und auch Verschwörungstheorien, die Panik erzeugen können. Oder es werden Heilmittelchen vorgestellt, etwa Essig ins Nasenloch, die vor einer Infektion schützen sollen. Auch purer Unsinn. Damit sind viele Infos im Netz – ja: saugefährlich.

Verschwörungstheorien gibt es viele – und schon immer. Eigentlich wollen einige Netzwerke wie YouTube dagegen vorgehen. Aber: Es gibt auch Verschwörungstheorien rund um Corona.

Ein Video aus Kalifornien zeigt frisch aufgestellte 5G-Sendemasten. Daneben eine Schule. Und auch das Gebäude eines Pharmazie-Unternehmens. Die Macher des Videos stellen unverfroren eine Verbindung her: 5G macht krank, erzeugt quasi die Corona-Infektion in Menschen – von Mächten choreographiert. Damit die Medizin-Industrie gut verdient.

Der vermeintliche Beweis: In Wuhan hätte das 5G-Netzwerk gestartet – und wenige Tage später wäre da dann Corona ausgebrochen. Nicht wegen Tieren, die auf engstem Raum zusammengepfercht werden, sondern wegen der 5G-Masten. Klar.

Es gibt viele weitere Beispiele: Die Corona-Epidemie offenbare das “Dunkle in uns” und lasse sich – klar! – mit der Saturn-Pluto-Konjunktion erklären. Oder geheime Biowaffenlabors hätten das Virus entwickelt – und es wäre ausgesetzt worden, um richtig viel Geld zu verdienen.

Die Plattformen machen zu wenig

Eigentlich müsste doch jeder mit gesundem Menschenverstand wissen: Das ist bodenloser Schwachsinn. Aber was tun Google, Facebook, Twitter und Co?

Leider wirken solche Verschwörungsvideos doch ziemlich gut. Sie passen perfekt in die Erregungsökonomie der Sozialen Netzwerke. Aufreger: Super, wird angeklickt, empfohlen, macht die große Runde. Natürlich schaden solche Falschmeldungen enorm. Sie verunsichern, verwirren, verursachen Panik. Nun haben sich alle Netzwerke bereit erklärt, gegen Verschwörungsvideos, Falschmeldungen und Panikmache vorzugehen.

Aber nach meiner Beobachtung geschieht das eher zurückhaltend. So ist es kein Problem, auf Youtube das Verschwörungsvideo zum Thema “5G ist schuld” zu finden. Es gibt lediglich einen Hinweis auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Das war’s. Facebook und Twitter entfernen auch Postings. Aber auch nur, weil die WHO ihnen besonders aufföllige Postings und Nachrichten meldet. Die WHO macht also die Arbeit. Wirkliches Engagement sieht meiner Ansicht nach anders aus.

Die Plattformen machen zu wenig

Also schwierig. Wer sich im Netz informieren möchte, kann das – aber es gibt eben auch viele schädliche und falsche Informationen.

Ein großes Problem. Auch seriöse Medien machen Fehler – aber sie geben sich alle Mühe, Fakten zu prüfen, Panik zu vermeiden, besprechen den Zungenschlag von Artikeln und Beiträge. Im Netz kann aber jeder einfach alles online stellen – demokratisch eben. Und das ist in solchen Zeiten in meinen Augen ein riesiges Problem.

Was nutzt ein kleiner Hinweis auf Facebook oder Youtube, dass man sich doch bei WHO oder Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informieren kann oder soll – dezent in grau, während alles andere knallbunt ist? Das ist ein Witz!

So könnte es besser gehen

Meiner Ansicht nach müssten alle unsinnigen Beiträge sofort entfernt werden. Es gibt zum Beispiel auch zahlreiche “Tipps”, wie man sich mit Hausmitteln gegen Corona schützen kann. Etwa durch den Genuss von Knoblauch – oder indem man sich eine selbst angerührte Essiglösung in die Nasenlöcher träufelt. So etwas kann Leben kosten. Und die Netzwerke entfernen nur, was die WHO findet und meldet.

Unerträglich! Es ist das übliche Problem: Die Netzwerke müssten ihre Verantwortung ernst nehmen. Sie wehren sich ja mit Händen und Füßen dagegen, als Medium wahrgenommen zu werden. Das zeigt aber wieder, wie wichtig seriöse Medien sind.

Beim Thema Corona ist es um so wichtiger, sich seriös zu informieren, ÖR-Sender, Spiegel, Zeit, Welt, große Magazine und Zeitungen. Und natürlich die Behörden. Alles andere sollten wir mir aller größter Skepsis betrachten.