Wer hat 2026 die Macht im Internet? China und USA dominieren

von | 04.04.2020 | Digital

Die digitale Machtverteilung im Internet hat sich seit 2020 dramatisch verschoben. Was damals noch als „Neuland“ galt, ist heute Schlachtfeld der Tech-Giganten geworden. Eine ARD-Dokumentation hat früh gezeigt, wohin die Reise geht – und lag erschreckend richtig.

Das Internet ist längst nicht mehr nur Rettungsanker für Home Office und Online-Shopping. Es ist zur kritischen Infrastruktur geworden, ohne die moderne Gesellschaften nicht mehr funktionieren. KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini haben seit 2022 eine neue Dimension der Digitalisierung eingeläutet. Doch wer kontrolliert diese Entwicklung wirklich?

Die damalige ARD-Dokumentation „Neuland: Wer hat die Macht im Internet“ wirkt heute wie eine Prophezeiung. Was dort als Zukunftsszenario gezeichnet wurde, ist 2026 bittere Realität geworden.

Hier gibt’s die Dokumentation zu sehen: Wer hat die Macht im Internet?

Von Neuland zur KI-Supermacht: China dominiert

Angela Merkels „Neuland“-Aussage von 2013 wirkt heute geradezu hellsichtig. Während Deutschland noch über Datenschutz diskutierte, baute China sein digitales Imperium aus. 2026 ist China nicht nur bei 5G und 6G führend, sondern dominiert auch bei KI-Anwendungen.

Chinas Fortschritt ist atemberaubend: Städte werden vollständig von KI gesteuert, autonome Fahrzeuge sind Standard, und digitale Währungen haben Bargeld komplett verdrängt. Alipay und WeChat Pay wickeln über 95% aller Transaktionen ab. Was in der Doku als Zukunftsvision gezeigt wurde, ist dort längst Alltag.

Doch der Preis ist hoch: Das Social Credit System erfasst heute jeden Schritt, jede Meinungsäußerung, jede soziale Interaktion. KI-gestützte Überwachung macht totale Kontrolle möglich. Gesichtserkennung funktioniert selbst bei Masken, Verhaltensanalyse erkennt „verdächtige“ Bewegungsmuster in Echtzeit.

Deutschland hinkt weiter hinterher

Während China und die USA das KI-Rennen unter sich ausmachen, kämpft Deutschland noch immer mit Grundlagen. Zwar gibt es seit 2024 das Digitalministerium unter Volker Wissing, doch echte Durchbrüche blieben aus. Die Glasfaser-Abdeckung liegt bei mageren 70%, während Estland bereits bei 98% steht.

Die KI-Strategie der Bundesregierung von 2023 verpuffte weitgehend wirkungslos. Während OpenAI, Google und Anthropic Milliarden in ihre Modelle pumpen, dümpeln deutsche KI-Startups mit Kleinstfinanzierungen vor sich hin. Das European AI Act bremst Innovation mehr, als es hilft.

Immerhin: Bei der Energiewende und nachhaltigen Technologien liegt Deutschland vorn. Doch in der digitalen Welt zählen andere Regeln. Hier gewinnt, wer Daten hat, Rechenpower besitzt und Nutzer an sich bindet.

Tech-Konzerne: Mächtiger denn je

Die Macht der Plattformen hat sich seit 2020 noch weiter konzentriert. Amazon ist nicht mehr nur Händler, sondern digitales Ökosystem: Cloud-Computing (AWS), KI-Services, Logistik, Medien, Smart Home. Der Konzern kontrolliert etwa 40% des deutschen E-Commerce.

Meta (Facebook) hat mit seiner Metaverse-Vision zwar Schiffbruch erlitten, dominiert aber weiter soziale Medien. WhatsApp, Instagram und Facebook erreichen in Deutschland über 50 Millionen Nutzer täglich. Googles Suchmonopol liegt bei 95%, YouTube bei Videostreaming bei 80%.

Neu dazugekommen: OpenAI mit ChatGPT, Microsoft mit Copilot, und die chinesischen TikTok-Macher ByteDance. Diese Unternehmen kontrollieren nicht nur Informationsflüsse, sondern prägen durch KI zunehmend unser Denken.

Europas schwacher Gegenschlag

Europa versucht mit Regulierung zu antworten: DSGVO, Digital Services Act, AI Act. Doch während Brüssel Gesetze macht, schaffen Silicon Valley und Shenzhen Fakten. Die Milliardenstrafen gegen Google, Apple und Meta kratzen die Konzerne kaum.

Immerhin entstehen europäische Alternativen: Mistral AI aus Frankreich entwickelt Open-Source-KI-Modelle, SAP investiert Milliarden in Business-KI, und Spotify zeigt, dass europäische Plattformen global erfolgreich sein können.

Doch die Abhängigkeit bleibt dramatisch: Deutsche Unternehmen sind auf AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure angewiesen. Ohne US-Chips funktioniert keine KI. Und chinesische Apps wie TikTok prägen eine ganze Generation.

Was bedeutet das für uns?

Die Dokumentation stellte 2020 die richtige Frage: „Wer hat die Macht?“ Die Antwort 2026: Wenige Tech-Konzerne aus den USA und China. Sie entscheiden, welche Informationen wir sehen, wie wir kommunizieren, was wir kaufen.

Diese Macht wird durch KI noch größer. ChatGPT und Co. werden zu persönlichen Assistenten, die unseren Alltag organisieren. Wer diese Systeme kontrolliert, prägt unser Weltbild.

Deutschland muss endlich handeln: Massive Investitionen in digitale Infrastruktur, KI-Forschung und europäische Plattformen. Sonst bleibt das Internet für uns tatsächlich Neuland – nur dass andere es längst besiedelt haben.

 

 

Digitale Souveränität als Überlebensfrage

Die Corona-Pandemie war nur ein Vorgeschmack. Als 2024 ein Cyberangriff Microsoft-Dienste lahmlegte, standen deutsche Behörden, Krankenhäuser und Unternehmen still. Die Abhängigkeit von wenigen Anbietern wird zur Sicherheitslücke.

Gaia-X, Europas Antwort auf US-Clouds, dümpelt weiter vor sich hin. Zu bürokratisch, zu langsam, zu wenig ambitioniert. Während Europa plant, bauen andere Welten.

Dabei zeigen Erfolgsgeschichten wie SAP, ASML oder ARM, dass Europa durchaus Tech-Champions hervorbringen kann. Es braucht nur den politischen Willen, das nötige Kapital und weniger Bürokratie.

Die nächsten Jahre werden entscheiden: Wird Europa digitale Kolonie oder gestaltet es die KI-Zukunft mit? Die ARD-Dokumentation von damals ist heute aktueller denn je. Die Macht im Internet liegt in wenigen Händen – noch.

Zuletzt aktualisiert am 01.03.2026