ARD Neuland

Die ARD strahlt den Dokumentationsfilm “Neuland: Wer hat die Macht im Internet?” aus – und hat sie – online first! – bereits in die Mediathek gestellt. Die Docupy-Dokumentation schildert anschaulich, welche Chancen die Digitalisierung bietet – und welche Formen von Missbrauch es schon heute gibt.

Das Internet ist im Augenblick für viele die Rettung: Für alle, die Home Office machen – und über das Internet Kontakt mit der Firma halten und mit Kolleginnen und Kollegen per Video-Chat plaudern. Für Kinder und Jugendliche, die über das Internet mit Schulaufgaben versorgt werden und Kontakt zu den Lehrern halten.

Oder wir alle, wir abends netflixen, die Mediathek nutzen oder ein bisschen daddeln. Das Internet wird wichtiger, die Onlinedienste auch. Das Netz und vor allem die Firmen im Netz scheinen die großen Profiteure der Zeit zu sein. Welche aber ganz besonders? Am Mittwoch strahlt die ARD den Dokumentarfilm „Neuland: Wer hat die Macht im Internet“ aus.

Hier gibt’s die Dokumentation zu sehen: Wer hat die Macht im Internet?

Neuland: Klingt nach Klischee – ist aber was dran

Die Bundeskanzlerin hat vor einigen Jahren das Internet als Neuland bezeichnet und damit eine Lawine des Spotts losgetreten. Dabei hatte sie gar nicht so Unrecht: In der Politik war das Internet damals wirklich noch Neuland, für viele sogar unentdecktes Land. Ein Land, in der mit einer Sprache geworden wird, die keiner versteht – und auch nicht verstehen will.

Die wirklich gut gemachte Dokumentation spielt damit. Und steigt gleich zu Anfang auch mit einem wirklich riesigen Gegensatz ein: Hightech in Shanghai und China generell. Und Digitalisierung hier bei uns in Deutschland.

Es sind wirklich zwei Welten. China marschiert mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran. In China geht alles digital, selbst Strafzettel bezahlen, mit der Behörde kommunizieren, einem Bettler etwas Geld da lassen. Das Tempo in China ist rasant. Und man könnte meinen, es wäre ein Blick in die Zukunft für uns.

Wir haben eine Menge aufzuholen

Das macht der Dokumentarfilm auch sehr schön deutlich, ohne anklagend zu sein. In China sind alle viel offener für digitale Ideen. Hier bei uns eher abwartend oder abwehrend. Es ist ja nun weiß Gott auch nicht alles gut, was Digitalisierung ermöglicht. Wo sieht man das besser als in China?

Wenn eine Regierung autokratisch agieren kann, dann wird alles gemacht, was die Regierung will: Komplettüberwachung, überall Gesichtserkennung, Apps, die alles tracken, jede Geldbewegung. Und ein „Social Score“, in dem jede Handlung einfließt: Bei rot über die Ampel, zu spät zur Arbeit. Punktabzug.

Ordentlich den Mülleimer vor die Tür stellen oder anderen helfen: Bonuspunkte. Die Corona-Krise hat den Unterschied offenbart: In China werden Tracking-Apps verordnet. Da muss sich jeder per App ausweisen, ob er oder sie infiziert ist oder nicht. Hier bei uns wird um die beste Lösung gerungen, die auch den Datenschutz achtet. Unsere Lösung ist mir da in vielen Belangen lieber.

Wer hat denn nun die Macht: Die Konzerne?

Na klar, es sind die großen Konzerne – und vor allem die Plattformen. Beispiel Amazon: Was mal als kleines Kaufhaus gestartet ist, verkauft heute alles online. Ist aber eben auch Plattform. Immer mehr Händler und Hersteller sind bei Amazon vertreten – weil HIER gekauft wird. Eine Zentralisierung. Wir sehen in der aktuellen Krise, wie Amazon profitiert:

Der Börsenwert hat in wenigen Tagen um 100 Mrd. Dollar zugenommen. In den USA werden 100.000 Leute eingestellt, um die explodierende Nachfrage zu bewältigen. Amazon verdrängt derzeit alle anderen schneller als jemals zuvor. Weil Corona  den normalen Handel in den Shutdown zwingt, während Amazon weiter machen darf.

Und noch mehr Kunden, noch mehr Daten. Daten sind der Schlüssel. Daten machen die Konzerne mächtig. Das ist in China genauso: Alibaba erledigt alles. Eine Art Mega-Amazon, mit Shopping-Mall, Banken, Krediten und vieles andere mehr. Europa hat dem nichts entgegen zu setzen.

Dorothee Bär soll’s richten

Immerhin haben wir eine Digitalministerin: Dorothee Bär.

Die kommt im Film auch vor. Aber angesichts der Übermacht aus USA und China ist ihre Figur unbedeutend. Die versucht ihr Bestes, um Werbung für Digitalisierung zu machen – oft auch zu naiv und vor allem zu unkritisch.

Aber wirklich gestalten kann sie nichts. Sie hat keine Macht. Kein Budget. Keine Mitarbeiter. Dabei muss in Deutschland so viel passieren: Vor allem die letzte Meile muss dringend verbessert werden. Wir haben viel zu viel Kabel im Boden. Wir belegen Platz 25 bei der Internetanbindung. Es ist ein Armutszeugnis.

 

 

Deutsche IT-Infrastruktur braucht dringend Investitionen

Das merken wir ja auch gerade: Viele Netze und Dienste sind überlastet, weil mehr Menschen mehr Online nutzen.

Die Deutschen sind auf den Geschmack gekommen. Um so wichtiger, dass nun endlich was passiert und die Infrastruktur ausgebaut wird. Denn es ist nicht nur bedauerlich, dass nahezu alle wichtigen Konzerne und Plattformen in den USA sitzen.

Es kostet uns auch eine Menge Geld. Denn diese Konzerne zahlen bei uns praktisch gar keine Steuern, manche selbst in den USA kaum. Weil im Internet Gewinne und Verluste so einfach hin und her geschoben werden können.

Auch das zeigt der sehenswerte Dokumentarfilm deutlich: Es müssen dringend Lösungen her, dass das aufhört. Diese Konzerne haben ihre Macht viel zu lange missbraucht und genutzt. Der Gesetzgeber ist dafür aber verantwortlich: Er muss die Dinge so regeln, dass es nicht möglich ist.