Faktencheck-Bots für WhatsApp: Falschmeldungen sofort entlarven

von | 05.05.2020 | Digital

Auch auf WhatsApp verbreiten sich krude Verschwörungstheorien und gefährliche Falschmeldungen – inzwischen nicht mehr nur zu Corona, sondern zu allen möglichen Themen. Von Impfungen über Klimawandel bis hin zu politischen Ereignissen. Doch wer hat schon Lust, während des Chattens den Messenger zu verlassen? Ist auch nicht mehr nötig. Denn es gibt mittlerweile mehrere Chat-Bots, die Fakes aufdecken helfen – man muss sie nur benutzen.

Keine Behauptung ist irre genug, um nicht von manchen Menschen geglaubt zu werden. Mehr noch: Je irrer die steile These, desto mehr glauben sie – oder wollen sie einfach glauben. Gefährlich daran ist, dass in Zeiten der Sozialen Netzwerke irre Gedanken nicht verpuffen, sondern – im Gegenteil – explodieren.

Es ist wie bei einem Virus: Jeder, der auf verrückte Nachrichten steht, infiziert mindestens drei weitere (persönliche Schätzung). Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, was das bedeutet: Ein exponentielles Wachstum der Verrücktheiten. Und das Phänomen ist geblieben – auch nach Corona.

Die Bandbreite der Falschmeldungen hat sich seit 2020 massiv erweitert. Neben Gesundheitsthemen sind es jetzt auch: Künstliche Intelligenz würde alle Jobs vernichten, Elektroautos seien umweltschädlicher als Verbrenner, oder die Regierung überwache uns alle über unsere Smartphones. Manche Behauptungen enthalten einen wahren Kern, werden aber völlig übertrieben dargestellt.

Faktencheck direkt im Messenger

Wer jetzt mit „Echt?“ reagiert anstatt innerlich die Augen zu verdrehen, für den ist das erweiterte Angebot interessant: Chat-Bots in WhatsApp, Telegram und anderen Messengern, die verbreitete Unwahrheiten und Verschwörungstheorien als solche entlarven.

Eine nach wie vor wunderbare Idee. Denn WhatsApp kommuniziert verschlüsselt. Da können die Betreiber nicht wissen, welcher Unsinn gerade verschickt wird. Und wer gerade in WhatsApp ist, wechselt nicht unbedingt mal eben in einen Browser. Aber einen Chat-Bot anzuschreiben – das ist praktisch. „Hey Bot, stimmt das mit den Chemtrails?“

Das ursprüngliche Projekt des internationalen Faktenprüfernetzwerks vom Poynter Institute war so erfolgreich, dass es ausgeweitet wurde. WhatsApp unterstützt weiterhin Projekte zur Bekämpfung von Fakes – nicht mehr nur zu Corona, sondern zu allen relevanten Themen.

Deutsche Angebote verfügbar

Inzwischen gibt es auch deutschsprachige Faktencheck-Bots. Der deutsche Ableger arbeitet mit etablierten Faktencheckern wie Correctiv, dpa-Faktenchecker und anderen seriösen Quellen zusammen. Das ist ein enormer Fortschritt gegenüber den anfangs nur englischsprachigen Angeboten.

User können den Chat-Bots einfache Fragen stellen oder verdächtige Links weiterleiten. Meist reichen Stichwörter wie „Klimawandel“, „Impfung“ oder „ChatGPT“. Die Bots verweisen dann auf geprüfte Quellen und ordnen mit einer Ampel (Rot, Gelb, Grün) ein, wie glaubwürdig die Behauptungen sind.

So funktioniert der Faktencheck per WhatsApp

Die Bedienung ist denkbar einfach: Nach dem ersten Kontakt erscheinen Menüs mit verschiedenen Kategorien. Ihr könnt:

  • Direktlinks zu verdächtigen Artikeln senden
  • Screenshots von Nachrichten weiterleiten
  • Einfach Stichwörter eintippen
  • Nach bereits geprüften Themen suchen

Der Bot antwortet meist innerhalb weniger Sekunden mit einer Einschätzung und verlinkt zu ausführlichen Faktenchecks. Besonders praktisch: Bei komplexeren Themen gibt es abgestufte Antworten – von „eindeutig falsch“ über „teilweise richtig“ bis „bestätigt“.

KI macht Faktenchecks schneller

Seit 2024 setzen die meisten Faktencheck-Bots auch auf KI-Unterstützung. Das beschleunigt die Bearbeitung neuer Anfragen erheblich. Große Sprachmodelle können bekannte Falschmeldungen sofort identifizieren und bei neuen Behauptungen erste Plausibilitätsprüfungen durchführen.

Allerdings: Die finale Bewertung übernehmen nach wie vor menschliche Faktenchecker. Denn KI-Systeme können bei kontroversen oder sehr aktuellen Themen noch immer falsch liegen.

Grenzen und Herausforderungen

Trotz aller Fortschritte haben Faktencheck-Bots ihre Grenzen. Manche Verschwörungstheorien sind so komplex, dass sie sich nicht in einer Chat-Nachricht widerlegen lassen. Außerdem erreichen die Bots hauptsächlich Menschen, die bereits skeptisch sind – überzeugte Verschwörungstheoretiker nutzen sie seltener.

Ein weiteres Problem: Die schiere Menge an Falschmeldungen. Jeden Tag entstehen neue Varianten alter Lügen oder völlig neue Behauptungen. Die Faktenchecker arbeiten ständig daran, ihre Datenbanken zu erweitern.

Aktueller Zugang zu den Bots

Für deutschsprachige Nutzer ist der Correctiv-WhatsApp-Bot unter der Nummer +49 151 17817234 erreichbar. Einfach „Hallo“ schreiben, und schon kann es losgehen.

Der internationale Bot des Poynter Institute ist weiterhin aktiv, allerdings hauptsächlich auf Englisch:

  • +1 (727) 291-2606

Beide Angebote sind kostenlos und finanzieren sich über Spenden und Fördergelder.

Faktencheck-Bots sind kein Allheilmittel gegen Desinformation, aber ein praktisches Werkzeug im Kampf dagegen. Sie holen die Menschen dort ab, wo sie sind – in ihren gewohnten Kommunikationskanälen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

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Zuletzt aktualisiert am 01.03.2026