Vor zwei Jahren hat Facebook eine interne Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Faceboom unternimmt viel zu wenig gegen Hass, Hetze und Falschmeldungen – und schützt die Falschen. Das geht auf Kosten von Bürgerrechten und Schutz vor Diskriminierung. Kritik aus dem eigenen Haus.

Das Ergebnis der über zweijährigen Untersuchung ist eine schallende Ohrfeige: Facebook stelle die Meinungsfreiheit über die Bürgerrechte und sogar gegen den Schutz vor Diskriminierung. Was alle wissen, das hat Facebook jetzt Schwarz auf Weiß.

Mark Zuckerbergs Konzern hat den Bericht nicht nur selbst in Auftrag gegeben, sondern nun auch veröffentlicht. Was Lob und Anerkennung verdient, da das Ergebnis der Untersuchung wirklich alles andere als schmeichelhaft ist.

Bürgerrechte sträflich vernachlässigt

Dem Abschlussbericht geht eine unabhängige, zweijährige Untersuchung von Facebooks Richtlinien und deren Umsetzung voraus. Die Autorinnen und US-Bürgerrechtlerinnen Laura Murphy und Megan Cacace von der Anwaltskanzlei Relman Colfax bescheinigen dem “f”-Netzwerk, bei weitem nicht genug für den Schutz der Nutzerrechte zu tun. Laut Bericht gibt es sogar “signifikante Rückschritte für die Bürgerrechte”.

Klare Ansagen. Im Grunde müssten wir uns alle aus dem Netzwerk verabschieden. Die Politik hat in der Vergangenheit kaum etwas erreicht.

Mark Zuckerberg wiederholt wie ein Mantra, er wolle die Meinungsfreiheit nicht beschneiden – und redet sich so raus. Er will keine Verantwortung übernehmen und erst recht nicht die Kosten tragen, aus seinem Netzwerk einen angenehmen Ort zu machen.

Werbekunden

Lasst Dollars sprechen – dann reagiert Facebook

Doch nun laufen ihm die Werbekunden davon. Das bedeutet Milliarden an Einnahmeverlusten für Facebook. Nun plötzlich passiert etwas: Vor einigen Tagen hat Facebook Dutzende Konten und Chat-Gruppen von rechten und rechtsradikalen Gruppierungen in den USA geschlossen.

Selbst politiknahe Akteure müssen nun mit Beschränkungen rechnen. Das Netzwerk hat jetzt sogar Accounts geschlossen, die Mitarbeitern des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro gehören. Auch Konten von Roger Stone, Ex-Berater des US-Präsidenten Donald Trump, hat Facebook nun entschlossen gesperrt.

Politischer Druck bisher wirkungslos

Gute Argumente bringen bei Facebook nichts. Die Bemühungen von Bürgerrechtsverbänden verpuffen bei Facebook. Selbst politischer Druck ist bei Facebook weitgehend wirkungslos.

Einnahmeverluste durch den Werbeboykott ist die einzige Sprache, die Mark Zuckerberg und sein Team verstehen und respektieren. Wie armselig.

Facebook-Chefin Sheryl Sandberg behauptet in einem Posting, das alles würde nicht aufgrund des Werbedrucks geschehen, sondern “weil es das Richtige ist”. Wer soll das denn bitte glauben?