Alle reden über Digitalisierung – auch und besonders über Digitalisierung an Schule. Aber passiert genug – und vor allem: Passiert das Richtige?

Daran gibt es berechtigte Zweifel, wie aktuelle Recherchen des WDR belegen. Als ich für mein Angeklickt von dieser Woche an einer Schule in Düsseldorf gedreht habe, hatte ich ein interessantes Gespräch mit der Schulleiterin: Sie war verzweifelt, weil es nicht nur kein Geld und kaum Ausstattung gebe, sondern vor allem, weil die Lehrkräfte allein gelassen würden – und sich niemand vernünftig Gedanken darüber mache, wie digitales Lernen überhaupt überzeugend aussehen soll.

Ein Tablet allein macht keine gute Schule

Das deckt sich völlig mit meinem Eindruck: Die meisten Lehrerinnen und Lehrer sind durchaus engagiert – aber bekommen keine wirkliche Unterstützung aus den Kommunen und vom Land. Damit ist nicht allein das Material gemeint – also Rechner, Tablets, WLAN -, sondern vor allem der “Überbau”: Ohne vernünftiges Konzept, wie Lehrerinnen und Lehrer digital unterrichten sollen, in welchen Fächern, wann und wo, kann es nicht wirklich losgehen.

Es ist also viel mehr nötig als nur ein Tablet für jeden Schüler (Schlachtruf: “Laptop statt Lederhose”). Es macht doch schlichtweg keinen Sinn, dass Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Literatur am Tablet lesen. Wohl aber kann es sinnvoll und nützlich sein, etwa Mathe am Rechner zu üben. Sofern die zum Einsatz kommende Software schlau genug ist, die richtigen Fragen zu stellen, die Schüler zu motivieren und bei jeder Schülerin, jedem Schüler ein individuelles Niveau zum Einsatz kommen zu lassen.

Richtiges Lehren und Lernen will gelernt sein

Das erklärt mir auch der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer von der Uni Ulm, der als ausgesprochener Kritiker von zu früher und zu viel Digitalisierung im kindlichen und jugendlichen Alltag gilt. Doch selbst Spitzer sagt: Gut gemachte Lern-Software kann was. Aber bitte keine Digitalisierung um ihrer selbst willen.

Selbstverständlich braucht es auch Unterricht in Sachen Medienkompetenz: Welche Möglichkeiten, aber auch welche Risiken bieten das Netz und die sogenannten Sozialen Netzwerke? Wie überprüfe ich Inhalte und Quellen? Welche Auswirkungen haben die neuen Medien auf den öffentlichen Diskurs? So etwas gehört längst auf den Lehrplan.

Home Schooling als Notlösung – will auch gut vorbereitet sein

Die schwierige Zeit in der Corona-Krise hat es gezeigt: Home Schooling kann nicht funktionieren, wenn niemand – weder Lehrer noch Schüler – Erfahrungen im Umgang mit digitalen Lernmethoden haben. Wenn es keine Inhalte gibt. Keine vorgeschriebenen Vorgänge. Das Material ist da nur ein weiterer Aspekt.

Ich sehe nicht, dass mit der genügenden Ernsthaftigkeit und Anstrengung an diesem so wichtigen Thema gearbeitet wird. Den Preis zahlen nicht nur die Schülerinnen und Schüler, den Preis zahlen wir alle – weil wir so als Gesellschaft international gesehen zurückbleiben.