Medizinische Infos bei Google

Ärzte und Mediziner sind meist keine Fans von Google. Denn so ziemlich jedes Symptom, so ziemlich jede Krankheit oder noch so absonderliches Wehwehchen lässt sich heute googeln. Was dann erscheint, ist oft alles andere als wissenschaftlich fundiert – und verwirrt oder verängstigt viele Patienten. Darum kooperieren Google und das Gesundheitsministerium seit kurzem – und präsentieren bei wichtigen Themen und Krankheiten an prominenter Stelle wissenschaftlich fundierte Informationen. Was bei den Zeitungsverlagen keine Begeisterungsstürme auslöst.

Fangen wir doch mal mit Dr. Google an: Symptome schauen wir heute bei Google und Co. nach, noch lange bevor wir einen Arzt befragen. Das ist klar. Bislang erscheinen da Infos aus den unterschiedlichsten Quellen.

Doch nun haben sich Google und das Gesundheitsministerium auf eine ungewöhnliche Kooperation geeinigt. Wer Begriffe wie „Corona“, „Migräne“, „Allergie“ oder „Grippe“ eingibt, bekommt auf der Google-Suche nun an prominenter Stelle – am rechten Rand und farblich hervorgehoben – ganz offizielle Informationen angezeigt. Wissenschaftlich fundierte, seriöse Informationen von gesund.bund.de – ein vom Gesundheitsministerium betriebenes, redaktionelles Portal mit wichtigen Infos zu wichtigen Fragen. Die „Knowledge Panels“ am rechten Rand beschreiben Hintergrundinfos, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Die Informationen stammen etwa vom Deutsches Krebsforschungszentrum, dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, dem Robert Koch-Institut oder von medizinischen Fachgesellschaften.

Infos zu 160 Krankheiten

Nein, gestartet ist die Kooperation mit Infos zu Covid19 – jetzt werden solche Infos zu den 160 wichtigsten Krankheiten und Gesundheitsthemen angezeigt. So viel, wie auf eine Suchseite passt. Wer mehr wissen will, klickt einmal in den Kasten – und landet dann bei gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Gesundheitsministeriums mit jeder Menge Aufklärung.

Da fragt sich mancher: Warum diese Kooperation? Es gibt doch jede Menge Angebote und Infoquellen zu Gesundheitsthemen im Netz?

Stimmt zweifellos. Allerdings sind nicht alle Quellen seriös. Gerade bei Gesundheitsthemen wird auch viel Quatsch verbreitet. Bei Corona ist es bekanntlich dramatisch, welche Unwahrheiten im Netz zu finden sind. Aber auch bei anderen Themen gibt es viele „alternative Fakten“, ob nun von Wunderheilern, Skeptikern – oder seien es nur dramatische Berichte von Patienten, bei denen alles schiefgelaufen ist. Durch die Infokästen verspricht sich das Gesundheitsministerium eine seriöse Aufklärung. Wer mehr wissen will, kann immer noch in die zahlreichen anderen Angebote einsteigen.

Zeitungsverleger laufen Sturm

Doch das Angebot kommt nicht überall gut an. Die Zeitschriftenverleger laufen Sturm und empören sich.

Es geht natürlich ums Geld. Fakt ist: Gesundheitsthemen sind eine enorme Einnahmequelle für Verlage. Denn Werbung im Umfeld von Gesundheitsthemen ist besonders gut bezahlt. Jeder Besucher weniger, jeder Klick weniger bedeutet Einnahmeverluste.

Jeder Mensch, der nach einer Google-Suchanfrage nicht bei den Verlagen landet, sondern das Angebot des Bundesgesundheitsministers ansteuert, ist ein Leser weniger – und bedeutet Umsatzverluste. Das ist der Grund – und der ist sogar nachvollziehbar, denn natürlich haben die Verlage ihre eigenen Interessen. Denn der Umsatzverlust betrifft natürlich nicht nur die Scharlatane, sondern auch all jene, die seriöse und nützliche Informationen im Netz bereitstellen.

 Es werden harte Geschütze aufgefahren. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger spricht von einem „unannehmbaren Eingriff in die freie Presse“.

Die Verleger sehen in der “Kooperation staatlicher Medientätigkeit mit dem Suchmonopol eine Verletzung von Mediengrundrechten”. Es ist sogar von einem „Angriff auf die Pressefreiheit“ die Rede. Das ist in meinen Augen Unsinn, denn die Pressefreiheit wird nicht beschnitten. Allerdings verschafft sich das Ministerium einen privilegierten Zugang auf der wichtigsten Suchmaschine – da das Ministerium mächtiger ist als die Verlage. Das lässt sich nicht bestreiten. Es braucht daher eine Einigung, denn es ist durchaus sinnvoll, dass wissenschaftlich fundierte Informationen bei der Suche auftauchen und die Menschen gut informiert sind. Gleichzeitig dürfen seriöse Presseangebote nicht untergehen. Da wird es einen guten Kompromiss geben müssen.