Facebook, Google, Amazon, Microsoft: Es sind die großen US-Konzerne, die weltweit führend sind wenn es darum geht, Daten zu speichern – und sie gewinnbringend auszuschlachten. Die EU will diesen Trend nun stoppen. Sie will Facebook und Co. zumindest bei öffentlichen Daten, privaten Datenspenden und Industriedaten umgehen. Weniger Daten in die US-Clouds. Mehr in Europa. So das Motto.

Daten sind der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Das wissen wir. Bislang profitieren aber vor allem große US-Konzerne vom Boom, zumindest in der westlichen Welt.

Das will die EU ändern, indem Konzepte für die Speicherung und Verarbeitung von Daten erarbeitet werden, die Vorteile für alle bieten. Es geht dabei nicht um private Daten. Diesen Kampf haben wir verloren, hier ist der Vorsprung durch Facebook, Google und Co. nicht mehr aufzuholen. Aber es gibt ja sehr viel mehr Daten. Öffentliche Daten zum Beispiel, etwa Daten, die von Kommunen, Ländern oder dem Bund erhoben werden.

Statistische Daten, zum Beispiel über den Verkehr. Oder aktuelle Daten von Messstationen oder Sensoren. Diese Daten, die von der öffentlichen Hand bezahlt ermittelt werden, sollten dann auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen – ohne die großen US-Konzerne noch reicher zu machen. Auch die Daten von Industrie und Handel sollen vermehrt über europäische Datenzentren laufen.

Welche Vorteile brächte das?

Eine ganze Menge. Zum einen wäre sichergestellt, dass europäischer Datenschutz gilt. Denn immer dann, wenn wir Daten in den Clouds von Google, Amazon oder Microsoft speichern, etwa Dokumente, gibt es regelmäßig Diskussionen darüber, welcher Datenschutz eigentlich gilt. Das kann man wirklich anders lösen: Mit europäischen Rechenzentren und eigenen Anwendungen, um Daten zu speichern, zu verwalten und auch zu teilen.

Das könnte zum Beispiel die Forschung weiterbringen. Aktuelles Beispiel: Covid-19. Wenn alle europäischen Krankenhäuser, Kliniken, Labore und Gesundheitsämter in Europa ihre Daten zusammenführen, lassen sich schneller und einfacher Statistiken erheben oder Forschungen durchführen. Gleichzeitig könnten EU-Bürger zum Beispiel „Datenspenden“ machen, die dann auf EU-Servern lagern – und für Zwecke in der EU genutzt werden.

Und nicht mehr von Google, Facebook und Co. für ihre kommerziellen Zwecke ausgeschlachtet werden können. Das bedeutet nicht nur Datenschutz, sondern auch eine geringere Abhängigkeit und mehr Autonomie.

Wenn Industriedaten in „treuhänderischen Händen“ landen

Ein schönes Beispiel für üblichen Missbrauch von Marktmacht ist Amazon. Amazon ist ja längst nicht mehr nur ein riesiger Onlineshop, sondern eine derart große Handelsplattform, dass sie fast schon ein Muss für jeden ist, der etwas verkaufen will. Deshalb bieten so viele Hersteller und Händler ihre Produkte auf dem Amazon Marketplace an – weil sie quasi müssen.

Amazon ist wie eine Suchmaschine für Kaufwillige. Entsprechend fallen hier unendlich viele Daten an. Aber alle bei Amazon, nicht bei Händlern, Hersteller oder Partnern: Welche Produkte laufen gut, was zahlen die Menschen, welche regionalen Unterschiede gibt es? Selbst die Margen kennt Amazon – oder Lieferschwierigkeiten.

iese Daten schlachtet Amazon ungeniert aus. Das, was gut läuft und wirtschaftlich interessant ist, produziert Amazon dann gerne schon mal selbst – unter Eigenmarke. Und botet alle anderen damit aus. Derartiger Raubkapitalismus lässt sich mit einer Lösung, wie sie von der EU angestrebt wird, vollkommen vermeiden. Weil die auf einer Plattform anfallenden Daten dann allen gehören würden. Das ist ein interessanter Ansatz.

Datenkontinent Nr. 1

EU-Kommissarin Vestager träumt ja davon, Europa zum „Datenkontinent Nummer 1“ machen zu wollen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Das Ziel ist vielleicht ein bisschen hochgesteckt. Trotzdem ist das ein sinnvolles und vernünftiges Ziel. Denn Europa muss sich dringend unabhängiger machen von den US-Anbietern, von den US-Clouds. Wertvolle Daten landen in den USA – und können womöglich von NSA und anderen US-Behörden gescannt werden. Das wollen wir doch nicht wirklich.